Mit seiner Präsenz in Coburg und dem Coburger Land gab Martin Luther der Region eine besondere Bedeutung für die Reformation, die bis heute anhält. Darauf sollen verschiedene Projekte aufmerksam machen, die jetzt über die Leader-Förderkulisse mit einem nicht unerheblichen Betrag unterstützt werden. Insgesamt 135 000 Euro werden zur Verfügung gestellt.
Ausgereicht wird das Geld über das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Münchberg zentral für Oberfranken. Rudolf Landmann überbrachte die entsprechenden Bescheide. Ermöglicht werden damit Vorhaben der grenzüberschreitenden Initiative Rodachtal, des Coburger Stadtmarketings und des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Coburg.


Förderung mit Bürokratie

Mit Blick auf den Förderbescheid sagte Landrat Michael Busch (SPD): "Das ist natürlich eine Summe, die unserer Region sehr gut tut." Leader steht für "Liaison entre actions de développement de l'économie rurale", (sinngemäß: Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). Es ist ein Förderprogramm der EU, das zeitlich begrenzt Projekte in Europa unterstützt. Die Antragsverfahren erfordern einen erheblichen bürokratischen Aufwand. Daher, so Landrat Michael Busch, kommt eine Region nicht ohne hauptamtlichen Leader-Manager aus, wenn sie in den Genuss von Geldern kommen will.
Im Coburger Land ist Tobias Gruber dieser Manager. Er spricht von bisher schon neun Projekten, die über Leader gefördert werden. Als Ziel werde angestrebt, etwa 1,5 Millionen Euro in die Leader-Region Coburg zu holen. Die Unterstützung der Projekte rund um die Reformation und - wegen des Luther Jahres - den Reformator im Besonderen sind ein Teil davon.


Luther über Grenzen hinweg

"Luther war nicht nur auf der Veste Coburg", stellt Ahorns Bürgermeister Martin Finzel (parteilos) fest. Sein Wirken strahle vielmehr auch weit in den südthüringer Raum - so wie die Initiative Rodachtal, die Kommunen über die Grenze der Bundesländer Bayern und Thüringen hinweg verbindet.
Christin Zander vom Regionalmanagement der Initaitive nennt die Projekte, für die der immerhin 61 000 Euro fließen. Da ist zunächst der Lutherweg, der zum Wandern, ebenfalls über die Grenze hinweg, einlädt und unter anderem die Therme in Bad Rodach berührt.
Zum Wandern sollen Möglichkeiten angeboten werden "in rustikaler Umgebung" Essen und Unterkunft zu finden. Die Initiative will ein länderübergreifendes thematisches Netzwerk rund um die Reformation aufbauen, touristische Angebote im Zusammenhang damit entwickeln und vermarkten. Motto: "Luther und die Reformation zwischen Fränkischer Krone und Fränkischer Leuchte", zwischen den Vesten Coburg und Heldburg also.
Die Spuren, die Luther in Coburg hinterlassen hat, möchte das Coburger Stadtmarketing möglichst vielen Touristen zeigen, sagt Michael Amthor. Informationstafeln an Orten, die mit Luther oder seinen Zeitgenossen in Verbindung stehen, sollen aber auch die Coburger daran erinnern, dass der Reformator hier eine Rolle spielte. Es wird einen extra Stadtplan geben, der über solche Orte und die Lutherthematik in der Stadt informiert. Stadtführer werden geschult, um künftig besonders darauf eingehen zu können. Schließlich ist noch ein Info-Screen "Luther Facebook 2017" in Arbeit. All das wird mit Leader-Förderung in Höhe von 15 000 Euro unterstützt.
Der Reformationsgedanke steht im Mittelpunkt des Netzwerks "Reformationsbotschafter" das vom Evangelisch-Lutherischen Dekanat aufgebaut wird. Mit rund 58 000 Euro wird eine Stelle im Projektmanagement ebenso unterstützt wie Schulungsmaßnahmen zur Ausbildung von 45 Reformationsbotschaftern sowie Öffentlichkeitsarbeit und Marketing, erklärte Anke Kroll vom Dekanat Coburg.


Botschaft entwickelt sich

Während die Reformationsbotschafter des Dekanats darin geschult werden, christliche Werte im Sinne der Reformation weiter zu tragen, entwickelt jede der Personen, die aus ganz unterschiedlichen Bereichen und Altersgruppen der Gesellschaft kommen, ihre eigene Sicht der Dinge. Genau so ist das gewollt, betont auch Rainer Mattern vom Evangelisch-Lutherischen Dekanat Coburg.
Die Nachhaltigkeit aller Projekte, die mit Leader-Mitteln gefördert werden, betonen Landrat Michael Busch und Rudolf Landmann unisono. Wäre sie nicht gegeben, dürften die Mittel gar nicht eingesetzt oder müssten zumindest teilweise zurück erstattet werden, so Landmann. Daher werden alle Projekte auch in Zukunft fortgeführt, von den Angeboten rund um den noch besser zu entwickelnden Lutherweg, über die Infos im Stadtmarketing bis zu den Aktionen der Reformationsbotschafter.