Vor kurzem wurde im Regiomed-Klinikum Coburg ein Jubiläum begangen. Die 100.000 Herzkatheteruntersuchung wurde erfolgreich durchgeführt. Mit dieser Untersuchung kann der Arzt ins Herz hineinschauen: durch die Verwendung eines dünnen Kunststoffschlauchs (Katheter) können die Herzkammern und die Gefäße rund ums Herz wie auf einem Röntgenbild sichtbar gemacht werden.
Diese Untersuchung wurde am Klinikum Coburg nun seit 1991 bereits 100 000-mal durchgeführt. Eine wichtige diagnostische und zunehmend auch therapeutische Maßnahme zur Erkennung und Behandlung von Herzerkrankungen, wie Prof. Dr. Johannes Brachmann, Chefarzt der Klinik für Kardiologie am Klinikum Coburg, in einer Pressemitteilung feststellt. Mittels der Herzkatheteruntersuchung erhält der Arzt wichtige Informationen über den Zustand und die Leistungsfähigkeit des Herzen.
Und für diese Einblicke muss nicht, wie noch vor 30 Jahren, der Brustkorb geöffnet werden, sondern der dünne Kunststoffschlauch wird durch ein großes Gefäß von der Leiste oder dem Handgelenk aus direkt zum Herzen vorgeschoben, was über einen Röntgenbildschirm kontrolliert wird. Das ist nahezu
schmerzfrei und bedeutet für den Patienten viel weniger Risiko als früher.
Immer noch ist eine Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems die häufigste Todesursache
in Deutschland. Die Herzkatheteruntersuchung hat entscheidend dazu beigetragen, dass Herzerkrankungen schnell und zielgenau festgestellt werden können. Neben der rein diagnostischen Betrachtung des Herzens bietet die Untersuchung auch die Möglichkeit für den Arzt, therapeutisch einzugreifen, beispielsweise durch die Aufweitung von verkalkten Herzkranzgefäßen, die nachweislich ein Risiko für einen Herzinfarkt darstellen.
Auch die Untersuchung selbst hat sich in den Jahren verändert. Neueste Methoden und Techniken halten auch hier Einzug. So konnte die Untersuchungszeit stark verringert werden, die Strahlenbelastung durch die Röntgenkontrolle wurde minimiert und auch die Möglichkeit der Untersuchung über die Handgelenkarterien senkt die Belastung und das Risiko für die Patienten deutlich. Ein klarer Vorteil ist diese Untersuchung auch für mehrfacherkrankte ältere Menschen, bei denen eine Vollnarkose und die Operation am offenen Herzen deutlich mehr Risiken birgt. Die Entwicklung von filigraneren Schläuchen und kleineren Geräten minimiert die Belastung für den Körper zusätzlich.
Auch an der Forschung beteiligt sich die Abteilung von Prof. Brachmann aktiv. "Wir möchten unsere Patienten schnell an den Fortschritten teilhaben lassen", sagt der Chefarzt aus Überzeugung.
Seine Abteilung ist es auch, die die Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten intensiviert hat. Nun werden EKG-und Kreislaufwerte direkt aus dem Rettungswagen in die Kliniknotaufnahme übertragen. So können Mitarbeiter in der Klinik bereits vor Eintreffen des Patienten entsprechende Vorbereitungen für Spezialuntersuchungen treffen - wenige Minuten Vorsprung in der Klinik können in kritischen Momenten Leben retten. Bei akutem Herzinfarkt wird durch das Einsetzen einer Gefäßstütze (Stent) bei einer verschlossenen Koronararterie akut das Leben vieler Patienten gerettet. Auch bei zahlreichen anderen Herzerkrankungen wie Rhythmusstörungen, Herzschwäche oder einer Herzklappenerkrankung kann mit Hilfe der Kathetertechnik eine zuverlässige und nachhaltige Therapie für die Patienten gesichert werden.
Aber auch das Risiko der Untersuchung will Prof. Brachmann gar nicht verhehlen. Der Einsatz eines Herzkatheters wird stets sorgsam geprüft. Für Brachmann überwiegen aber die Vorteile für die Patienten, auch durch die Möglichkeiten des schnellen Eingriffs beim Erkennen von Erkrankungen.
Er ist stolz auf sein Team: Diese hohe Anzahl von Untersuchungen seien nur mit einem motivierten, engagierten und fachlich top ausgebildeten Team möglich, sagt der Mediziner. Alle Mitarbeiter müssten hier Hand in Hand arbeiten. Aber wenn man ihn über seine Arbeit reden, über die Funktionsfähigkeit des Herzens fast schwärmen hört, dann kommt es einem vor, als ob er alle 100 000 Untersuchungen selbst vorgenommen hat. red