Es ist Dienstagabend gegen 19 Uhr, als es sich Anja Linke und ihr Mann Andreas im Garten ihres Kutscherhofs in Christanz (Kreis Bayreuth) gemütlich gemacht haben und den lauen Sommerabend genießen wollen. Plötzlich kommt Wind auf und sie beobachten ein Wetterschauspiel, das auf sie zukommt. Wenig später wird es dunkel und beginnt heftig zu regnen, Blitze erhellen den Himmel und Donnergrollen folgt. Ein Tornado kommt auf sie zu.

Dann geht alles blitzschnell. Der Gartentisch wirbelt durch die Luft, der Grill auch, Bäume knicken wie Streichhölzer um, Ziegel fallen vom Hausdach. Was Anja Linke und ihr Mann, die noch großes Glück hatten, danach nicht mehr mitbekommen: Der Tornado zieht innerhalb weniger Minuten eine Schneise der Verwüstung durch das Ahorntal - von Christanz aus in Richtung Weiher, wo es den Aussiedlerhof der Familie Gerstacker am heftigsten trifft, als ihre 30 Meter lange landwirtschaftliche Maschinenhalle einstürzt. Fast alle landwirtschaftlichen Maschinen sowie die Werkstatt begrub das eingestürzte Hallendach unter sich.

Immer mehr Einsatzstellen

Einsatzleiter an diesem Katastrophenabend ist der Kirchahorner Feuerwehrkommandant Frank Wickles. Es berichtet: "Kurz nach 19 Uhr wurden wir zu mehreren Unwettereinsätzen alarmiert. Da uns nach kurzer Zeit immer mehr Einsatzstellen von der Integrierten Leitstelle Bayreuth-Kulmbach und Kirchahorner Bürgern gemeldet wurden, wurde die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung des Landkreises Bayreuth nach alarmiert." Im Schutzbereich der Feuerwehr Kirchahorn wurden 21 Einsatzstellen abgearbeitet. Diese umfassten überschwemmte Straßen, umgestürzte Bäume über Fahrbahnen, Gebäuden und Fahrzeugen. Des Weiteren mussten Gartenhäuser, Bauzäune und Fenster gesichert werden.

Nach dem Halleneinsturz in Weiher musste ein Leck geschlagener Dieseltank gesichert werden. Dazu wurde die Stützpunktfeuerwehr Waischenfeld mit Spezialeinsatzgerät angefordert. Rund 80 Feuerwehrleute der Wehren Kirchahorn, Körzendorf, Oberailsfeld, Reizendorf, Christanz und Waischenfeld waren über sechs Stunden im Einsatz, um alle Schäden abzuarbeiten.

Geröll kommt vom Dooser Berg

Heftig der Starkregen auch in Waischenfeld und in Doos, wo Geröll den Dooser Berg herunterkam. Im Kirchahorner Neubaugebiet wurden mehrere Dächer von neu gebauten Häusern und Garagen teilweise abgedeckt. Hagelkörner durchschlugen Rollläden. Photovoltaikanlagen wurden beschädigt. Insgesamt ein Millionenschaden. Verletzte gab es aber nicht.

Kreis Erlangen-Höchstadt

Bei dem Unwetter am Dienstagabend kam es für die Feuerwehr in Erlangen zu rund 300 Einsätzen. Vollgelaufene Keller mussten leergepumpt oder umgestürzte Bäume beseitigt werden. Wegen des Unwetters sind der Fahrradweg im Wiesengrund sowie die Freizeitanlage samt Spielplatz Regnitzwiesen gesperrt. Das teilte die Stadtverwaltung mit. Noch bis voraussichtlich Donnerstag kontrollieren Experten der Abteilung Stadtgrün die dort stehenden Bäume auf eventuelle Schäden.

Zum ersten Mal kam beim Starkregen am Dienstag ein Flächenlagekonzept zum Tragen, das für so hohe Einsatzaufkommen Einheiten aus verschiedenen Teilen des Landkreises Erlangen-Höchstadt vorsieht, teilte Kreisbrandmeister Sebastian Weber, der Pressesprecher der Kreisbrandinspektion, mit.

Zwölf Feuerwehren mit definierten Zügen des Hilfeleistungskontingents und auch das Technische Hilfswerk Baiersdorf (THW) wurden in das Stadtgebiet von Herzogenaurach alarmiert, um dort die über 130 angefallenen Einsätze zu bewältigen.