Eigentlich fehlt nur das Stirnband. Gut, Tomislav Piplica ist etwas ergraut. Aber ansonsten sieht er aus wie zu seinen besten Bundesliga-Zeiten: Drei-Tage-Bart, lange Haare, sportlich schlank. Aber er hat einen neuen Job. Der Kult-Torwart von Energie Cottbus ist nun beim Regionalligisten SpVgg Bayreuth Koordinator Leistungssport und Trainer der U23 in der Bezirksliga Ost.

An einem Thema kommt er auch an seiner neuen Arbeitsstätte nicht herum: sein Eigentor gegen Borussia Mönchengladbach. Oder besser: das kurioseste Eigentor der Bundesliga-Geschichte. "Man muss damit leben", sagt der 51-Jährige. "Mal geht es mir auf den Keks, ein anderes Mal ist es mir egal." Es war der 6. April 2002 im Stadion der Freundschaft in Cottbus. Energie führte mit 3:2. In der 85. Spielminute unterschätzte der bis dahin überragende Schlussmann eine abgefälschte Bogenlampe von Marcel Witeczek. Statt übers Tor flog der Ball auf Piplicas Kopf - und von dort ins Tor.

Doch nur auf diese Szene will Pipilica seine Laufbahn nicht reduziert sehen. "Viele wissen zum Beispiel nicht, dass ich mit Jugoslawien U 20-Weltmeister geworden bin", sagt er.

Harre schneiden? Nein, danke!

Später, 1998, war er ein Kandidat für die WM in Frankreich. Es gab jedoch einen Haken: Der kroatische Nationaltrainer Miroslav Blazevic verlangte, Piplica solle sich die Haare schneiden. Piplica weigerte sich, stand zu seinem Markenzeichen - und die WM fand ohne ihn statt. Für Bosnien-Herzegowina - er hat eine doppelte Staatsbürgerschaft - brachte er es in den 2000er Jahren immerhin noch auf neun Länderspiele.

Timo Rost bringt Piplica zur SpVgg Bayreuth

Nach Oberfranken holte ihn nun sein Kumpel Timo Rost, Trainer des Bayreuther Regionalligateams und ehemaliger Teamkollege in Cottbus. "Nach unseren Karrieren sind wir in Kontakt geblieben", sagt Piplica. "Timo hat mir erzählt, was er hier vorhat, und mich vom Projekt überzeugt." Die 3. Liga müsse das Ziel sein, weiß der 51-Jährige. Dabei will er helfen. "Es gibt nichts Schöneres als aufzusteigen, aber dafür muss man viel investieren."

Bis er selbst voll durchstarten kann, "braucht es noch ein paar Tage Eingewöhnungszeit". In der ersten Woche in Bayreuth sei noch vieles neu. Bei den Spielern des Bezirksliga-Teams kommt der Ex-Cottbuser nach den ersten Einheiten aber schon gut an. "Er hat eine klare Vorstellung und spricht die Dinge offen und gezielt an", sagt Bezirksliga-Kicker Laurin Michaelis. "Er fordert auch viel, das hat er schon deutlich gemacht."

Elfmetertrick hilft gegen Oliver Kahn

Aber die Bayreuther werden wohl auch viel Spaß mit Piplica haben. Schließlich ist er auch immer wieder unorthodox gewesen. So zum Beispiel bei seinen waghalsigen Ausflügen aus dem Tor. Oder im direkten Duell mit dem Titan: Es stand 0:6, als Oliver Kahn seinen ersten Bundesligatreffer erzielen wollte. Piplica drehte sich demonstrativ um und zeigte Kahn den Rücken. Seine Taktik funktionierte, er hielt den Strafstoß. "Solche Aktionen waren immer spontan", erinnert sich Piplica. "Damals war ich einfach gefrustet." Rückblickend würde er manches Mätzchen vielleicht nicht mehr machen, aber es sei eben so passiert.

Energie Cottbus schlägt den FC Bayern München

Zusammen mit Rost erlebte Piplica die erfolgreichste Phase seiner Karriere. Mit Energie Cottbus feierte er zwei Aufstiege und spielte sechs Jahre in der Bundesliga. "Wir waren ein kleiner Verein mit wenig Geld", sagt er. "Aber die Mannschaft hatte Herz." Gleich in der ersten Saison schlugen die Cottbuser den FC Bayern München zu Hause mit 1:0. 20 500 Fans im Stadion drehten durch. "Das musst du erstmal erleben."

Piplica soll Talente fördern

Nun will Piplica seine Profi-Erfahrungen in Bayreuth einbringen. Er kümmert sich als Koordinator Leistungssport auch um die Talentförderung, eine perspektivische Arbeit. "Die zweite Mannschaft wurde in den letzten Jahren etwas vernachlässigt und stand zu sehr im Schatten der ersten Mannschaft." Er will das Niveau dieses Teams anheben, eng mit dem Nachwuchsleistungszentrum zusammenarbeiten und Extra-Trainings durchführen.

"Bis zur U 15 läuft hier vieles gut, aber ab der U 16 haben wir noch viel Verbesserungspotenzial", erklärt er. Die Fluktuation in der B- und A-Jugend war zuletzt hoch, auch weil diese den Sprung in die Bayernliga immer wieder verpassten. "Das wollen wir ändern, damit die Jungs hierbleiben und langfristig die erste Mannschaft verstärken." Ein solider Unterbau mit einer gefestigten zweiten Mannschaft soll dabei helfen, Talente nicht zu den ambitionierten Nachbarvereinen FC Carl Zeiss Jena oder 1. FC Nürnberg ziehen lassen zu müssen.

"Bei Energie Cottbus war es zu Beginn auch schwierig. Da hatten wir nicht einmal einen Torwart-Trainer", sagt der ehemalige Keeper. In Bayreuth sind sie in dieser Hinsicht schon weiter. "Es gibt aber in allen Bereichen noch genug zu tun."

Das ist Tomislav Piplica

Geboren: 5. April 1969 Geburtsort: Bugojno (ehemaliges Jugoslawien, heute Bosnien-Herzegowina)

Profistationen: NK Zagreb (1989 - 1991), NK Istra Pula (1991/92), HNK Segesta Sisak (1993 - 1997), NK Samobor (1997/98), Energie Cottbus (1998 - 2009)

Besonderes: Als Ersatztorwart wurde Piplica 1987 mit der jugoslawischen U 20-Auswahl Weltmeister.