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Neue Regeln beim Lebensmitteleinkauf: Experte mit Verbrauchertipps


Autor: Redaktion

Bayreuth, Freitag, 02. Januar 2026

Das europäische Lebensmittelrecht wird reformiert: Ein Experte aus Franken erklärt die wichtigsten Neuerungen.


Was sich beim Lebensmitteleinkauf ändert – und worauf Verbraucher in der Region achten sollten: Wer in Bayreuth und Oberfranken einkauft, wird sich in den kommenden Monaten und Jahren auf Veränderungen einstellen müssen. Neue Regeln im europäischen Lebensmittelrecht sollen Verfahren vereinfachen, Innovationen ermöglichen und die Versorgung sichern. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: weniger Bürokratie im Hintergrund, aber neue Fragen beim Einkauf. Darauf macht der Bayreuther Lebensmittelrechtsexperte Prof. Dr. Kai Purnhagen aufmerksam.

"Lebensmittel bleiben sicher", betont Purnhagen. "Aber die Art, wie Informationen vermittelt und Produkte reguliert werden, verändert sich." Eine der sichtbarsten Veränderungen könnte die Kennzeichnung betreffen. In den vergangenen Jahren ist die Zahl freiwilliger Siegel und Labels stark gewachsen – mit begrenztem Nutzen für Verbraucher. "Studien zeigen, dass zu viele Kennzeichnungen eher verwirren als helfen", sagt Purnhagen. "Labels verkaufen vor allem ein gutes Gefühl, unabhängig davon, was sie tatsächlich aussagen." Für Verbraucher bedeutet das: Zentrale Informationen wie Allergene oder gesundheitsrelevante Hinweise bleiben erhalten. Gleichzeitig wird es wichtiger, sich nicht allein auf plakative Siegel zu verlassen.

Neue Techniken, bekannte Lebensmittel

Besonders sensibel wird weiterhin über gentechnisch veränderte Organismen (GVO) diskutiert. Auf EU-Ebene ist geplant, neue genomische Techniken rechtlich anders zu behandeln als klassische Gentechnik. Bestimmte Verfahren sollen künftig ohne Zulassung oder Kennzeichnung möglich sein. "Das mag für viele neu klingen, ist es aber nicht", erklärt Purnhagen. "Viele Lebensmittel, die wir seit Jahrzehnten essen, sind genetisch verändert, ohne dass sie gekennzeichnet sind." Wichtig sei die Differenzierung: Verfahren, bei denen tiefgreifende genetische Veränderungen vorgenommen werden, sollen weiterhin reguliert und gekennzeichnet bleiben. Wissenschaftlich sei ein höheres Risiko bei den neuen präziseren Techniken nicht belegt – gesellschaftlich bleibe das Thema jedoch umstritten.

Innovation testen – ohne Risiko für den Alltag

Ergänzt werden die neuen Regeln durch sogenannte Reallabore. Dort können neue Lebensmittel und Produktionsverfahren unter kontrollierten Bedingungen erprobt werden. "Das betrifft nicht den normalen Einkauf", so Purnhagen. "Diese Tests finden in klar begrenzten Rahmen statt." Ziel sei es, Innovationen in Europa zu halten und gleichzeitig Erfahrungen zu sammeln, bevor neue Produkte breiter auf den Markt kommen.

Preise und Verfügbarkeit im Blick behalten

Auch Importkontrollen spielen künftig eine größere Rolle. Lebensmittel aus Drittstaaten sollen strenger überprüft werden, um europäische Standards zu sichern. Warum? "Das schützt Verbraucher und regionale Erzeuger", sagt Purnhagen. "Gleichzeitig kann es Auswirkungen auf Preise und Verfügbarkeit haben." Gerade in Zeiten globaler Lieferketten bleibe Versorgungssicherheit ein zentrales Thema – auch für den Einkauf im Alltag.

Orientierung statt Verunsicherung

Purnhagens Fazit: Verbraucher müssen nicht beunruhigt sein, sollten aber aufmerksam bleiben. "Lebensmittelrecht regelt unseren Alltag stärker, als vielen bewusst ist", sagt er. "Wer versteht, warum sich Dinge ändern, kann informierte Entscheidungen treffen – statt sich von Schlagzeilen verunsichern zu lassen."

Zur Person:

Prof. Dr. Kai Purnhagen, ausgewiesener Experte auf dem Gebiet des internationalen Lebensmittelrechts an der Universität Bayreuth, ist seit 1. Juli 2000 Inhaber der ersten Professur für Lebensmittelrecht in Deutschland. Er lehrt an der Fakultät 7 (Life Science) am Standort Kulmbach. Purnhagen ist zudem Vorsitzender der Ethikkommission der Universität Bayreuth und – gemeinsam mit Prof. Dr. Markus Möstl – Direktor der Forschungsstelle für deutsches und europäisches Lebensmittelrecht.

Bei diesem Text handelt es sich um eine Pressemitteilung.