Nach Schließung von Traditionsbäckerei in Pegnitz: Ehepaar kehrt zurück
Autor: Milena Graf
Pegnitz, Montag, 07. Sept. 2026
Sechs Jahre nach der Schließung einer Traditionsbäckerei in Oberfranken kehrt ein Ehepaar aus dem Ruhestand zurück. Es ist ein Zeichen für die Zukunft, gegen Leerstand.
In Pegnitz hat am Dienstag (1. September 2026) "Pflaums Stadtcafé" eröffnet. Das Betreiberpaar ist dafür extra aus dem Ruhestand zurückgekommen. Karin und Heinrich Pflaum sind dabei keine Unbekannten in Pegnitz – im Gegenteil. 35 Jahre lang betrieben sie bereits eine Bäckerei am selben Ort. 2020 gaben die beiden ihr Geschäft auf und verpachteten den Laden. Nun sind sie zurück, und motiviert wie eh und je – trotz oder vielleicht sogar wegen ihres fortgeschrittenen Alters.
Das Ganze ergab sich nach und nach: Der vorherige Pächter wollte den Vertrag nicht mehr verlängern, und die Suche nach einer Nachfolge gestaltete sich schwer. Vor allem junge Bäcker könnten sich die Betriebsgründung und Investition heutzutage schlecht leisten, erzählt der 69-jährige Heinrich Pflaum im Gespräch mit inFranken.de. "Also müssen es halt ältere Bäckermeister machen."
"Stadtcafé Pflaum" in Pegnitz: "Einfach mal machen"
Die Wahl sei dementsprechend gewesen: "Entweder Leerstand oder wir betreiben es selbst. Wir sind der Meinung, dass es wichtig ist, dem Trend von Schließungen Neues, Innovatives entgegenzusetzen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Ob dies in meinem Rentenalter vernünftig ist, sei dahingestellt. Aber vielleicht ist es mal ganz gut, nicht zu viel abzuwägen, sondern einfach zu machen."
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Die Pflaums entschieden sich für das Wagnis: Karin Pflaum kam aus dem Vorruhestand zurück, Heinrich Pflaum hatte selbst sein Geschäft in anderer Form weitergeführt – eine Online-Bäckerei auf Bestellung, bei der die Ware schockgefroren wurde. Das verschob er nun einfach auf die neue beziehungsweise alte Backstube. Auch diese zehn anderen Bäckereien finden bei unseren Lesern besonderen Anklang.
Pflaum will das Ganze auch im Sinne einer Vorbildfunktion und Zukunftsfähigkeit verstanden wissen: "Es ist wichtig, dass es Spaß macht. Wir sollten der Generation nach uns vorleben, dass Arbeitsleben – gleichgesetzt mit Leben – nicht mit 63 enden sollte, sondern dass man auch im späteren Alter noch etwas schaffen kann."
Stadtcafé Pflaum: "Treffpunkt im Herzen von Pegnitz"
Es sei demnach ein Unterschied, ob man arbeiten müsse oder dürfe. "In meiner Kindheit haben die Leute bis 65 gearbeitet", so beschreibt es Pflaum. "Dann sind sie zwei Jahre in den Ruhestand und dann gestorben. Das ist heute ganz anders."
Das Gebäude wurde nun saniert, neu eingerichtet, neu gestrichen – in freudiger Erwartung des Neustarts. "Wir möchten einen Treffpunkt im Herzen von Pegnitz – im einzigen Haus, das mit seiner Stirnseite zum Schweinemarkt zeigt und das in früherer Zeit das Eingangstor zum Marktplatz gebildet hat – schaffen", so Pflaum.