Druckartikel: Wilde Gerüchte: Frau trifft auf Wolfsrudel - was steckt dahinter?

Wilde Gerüchte: Frau trifft auf Wolfsrudel - was steckt dahinter?


Autor: Clara Maria Wimmer

Plech, Samstag, 06. Februar 2021

Beim Spazierengehen mit ihren Hunden traf eine Frau im Markt Plech auf ein Wolfsrudel. Zu dem Vorfall sind aktuell viele Gerüchte im Umlauf. Der lokale Wolfsbeauftragte bringt Licht ins Dunkel.
Schon seit Jahren lebt im Veldensteiner Forst ein Wolfsrudel. Archivfoto: lupovision.de/ baysf


Als eine Frau im oberfränkischen Markt Plech (Landkreis Bayreuth) mit ihren Hunden spazieren geht, macht sie eine außergewöhnliche Bekanntschaft. Sie trifft auf ein Wolfsrudel, das plötzlich vor ihr steht.

Um den weiteren Verlauf dieser Begegnung ranken sich zahlreiche Gerüchte: Die Wölfe hätten die Frau und ihre Hunde umzingelt und eingekreist. In umliegenden Dörfern wird sich erzählt, die Frau hätte sich in einem Schuppen versteckt. inFranken.de ist der Sache nachgegangen.

Wolfsbeauftragter: "Insgesamt war es weniger dramatisch"

Auf Nachfrage konnte Sebastian Bäumler, der Wolfsbeauftragte der Bayerischen Staatsforsten in Pegnitz, mehr in Erfahrung bringen und auch das Bayerische Landesamt für Umwelt konnte den Eingang eines Hinweises bestätigen: Demnach war die Frau am 22. Januar mit ihren Hunden unterwegs, als sie auf drei bis vier Wölfe traf, die in ihrer Sichtweite standen. Einer ihrer Hunde sei wohl nicht angeleint gewesen und direkt auf die Wölfe zugegangen. "Deshalb haben sie sich nochmal mehr dafür interessiert." Allerdings hätten die Wölfe die Frau nicht umzingelt oder umkreist. Sie seien trotz allem kurz darauf einfach weitergezogen. Die Frau habe daraufhin den zuständigen Jäger informiert, der wenig später zu ihr stieß.

"Insgesamt war es weniger dramatisch. Es ist niemandem etwas passiert - weder der Frau noch dem Hund oder den Wölfen", betont Bäumler. Das Problem mit unangeleinten Hunden sei jedoch, dass Wölfe sich natürlich für ihre Artgenossen interessieren. "Und wenn der Hund die Wölfe angeht, reagieren die natürlich auch entsprechend."

Außerdem bestehe die Gefahr, dass vor allem jüngere Wölfe die Hunde als Spielgefährten sehen und sich an ihre Anwesenheit gewöhnen. Bei älteren Wölfen könne es außerdem dazu kommen, dass sie jüngere Rüden als Rivalen ansehen. "Deshalb ist es wichtig, seine Hunde vor allem in solchen Regionen immer an der Leine zu führen", erklärt Wolfs-Experte Bäumler

Trotz der Wölfe im Veldensteiner Forst: Hund war nicht angeleint

Wenn eine solche Situation jedoch wirklich einmal eintreten sollte, gibt Bäumler den Rat: "Machen Sie auf sich aufmerksam. Damit die Tiere sehen, dass auch ein Mensch dabei ist." Das reiche normal aus, um die Wölfe zu verscheuchen. Vor allem, wenn man mit Hunden unterwegs ist, sei es jedoch das Wichtigste, die Hunde anzuleinen und nahe bei sich zu lassen. Bei der Spaziergängerin war das wohl der springende Punkt: Einer ihrer Hunde war nicht angeleint.

Bereits im April 2017 war im Veldensteiner Forst erstmals ein Wolf nachgewiesen worden. Nachdem sich dort im März 2018 ein Wolfspaar eingenistet hatte, wurden im Sommer desselben Jahres vier Jungtiere beobachtet. Seitdem tauchen dort und im Umkreis immer wieder Wölfe auf.

So auch zuletzt im nur ein paar Kilometer weit entfernten Neuhauser Ortsteil Höfen (Nürnberger Land): Am helllichten Tage wurde dort ein Wolf gesichtet, wie er über den örtlichen Spielplatz streifte. Ein Anwohner konnte das Tier bei seinem Besuch im Dorf sogar auf Video aufnehmen.

Video:




Kontakt mit Wolf: So verhält man sich richtig

Neben dem Gebot, Hunde an die Leine zu nehmen und bei sich zu behalten, gibt es noch weitere Tipps, wie man sich bei einer Begegnung mit einem Wolf am besten verhält. "Auf sich aufmerksam machen", erklärt Experte Bäumler. Das funktioniert durch lautes Sprechen, in die Hände klatschen oder wilde Gestikulation.

Weglaufen sollte man nicht, wie das Bayerische Landesamt für Umwelt erklärt: "Wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück." Auch hinterherlaufen sollte man ihm nicht. Außerdem sollte man dringlichst davon absehen, die Wölfe zu füttern: Die Tiere würden schnell lernen, Menschen mit Futter zu verbinden. Das könnte dazu führen, dass Wölfe aktiv die Nähe von Menschen suchen.