Die Sonderstellung der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken in Bayreuth unter den 79 deutschen IHKs hat nicht lange gehalten. Nachdem Anfang April bei der Kammerwahl die Bamberger Unternehmerin Sonja Weigand zur Präsidentin gewählt wurde, standen - bundesweit einmalig - zwei Frauen an der Spitze der Kammer: neben der ehrenamtlichen Präsidentin die Hauptgeschäftsführerin Christi Degen, die von der Vollversammlung im Sommer 2014 in dieses Amt bestellt worden war.


Drei Wochen nach der Wahl

Jetzt, genau drei Wochen später, ist es mit dieser deutschen Besonderheit schon wieder vorbei. Am Montagabend wurde bekannt, dass die Bayreuther IHK und ihre Hauptgeschäftsführerin künftig getrennte Wege gehen. Man habe sich geeinigt, die Zusammenarbeit zu beenden. "Eine weitere konstruktive Zusammenarbeit" werde "nicht als Erfolg versprechend" angesehen, hieß es in einem Informationsschreiben an die Presse. Eine solche Personalentscheidung ist in erster Linie Sache des Präsidiums, das heißt der neuen Präsidentin und ihrer sieben Stellvertreter. Doch auch am Dienstag gab es vom Präsidium auf Anfrage keine Stellungnahme zu den genauen Hintergründen für die Trennung, die selbst die Mitarbeiter der Kammer in Bayreuth völlig überraschte.
Christi Degen war nicht zu erreichen. Sie befinde sich diese Woche im Urlaub, hieß es.


130 000 Euro Jahresgehalt

Die 52 Jahre alte Volkswirtin führte die Kammer seit August 2014. Die Frau aus dem Rheinland hatte vor ihrer Stelle in Bayreuth unter anderem bereits als Geschäftsführerin der Kölner IHK gearbeitet.
Als Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken in Bayreuth hatte Degen einen Fünf-Jahres-Vertrag, der eigentlich erst im Jahr 2019 ausgelaufen wäre. Ihr Jahresgehalt betrug 130 000 Euro brutto, zuzüglich bis zu 50 000 Euro leistungsabhängig. Altersvorsorgeleistungen sah der Arbeitsvertrag nicht vor.


Wackeliger Job

Wenn es nach ihr gehe, dürfe der Job in Bayreuth gerne länger dauern, hatte Degen 2014 vor dem Amtsantritt gesagt. Daraus wird jetzt nichts. Ähnlich ging es in jüngster Zeit schon einigen ihrer männlichen Vorgänger. Georg Schnelle (Hauptgeschäftsführer von Oktober 2010 bis Juni 2013) schied ebenso frühzeitig aus dem Amt. Joachim Hunger (März 2000 bis Oktober 2007) hatte nach Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Präsidenten gekündigt.
Bis zur Regelung der Nachfolge von Degen führen nun laut IHK die stellvertretenden Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm und Gabriele Hohenner kommissarisch die Geschäfte.