Ein ehemaliger Mitarbeiter der Gewerbe-Treuhand Oberfranken Steuerberatungsgesellschaft (GTO), an der die Handwerkskammer für Oberfranken (HWK) rund 98 Prozent der Anteile hält, wird beschuldigt, im großen Stil Gelder veruntreut und Steuern hinterzogen zu haben.

Wie die HWK gestern mitteilte, seien die Missstände erstmals bei einer Betriebsprüfung der GTO durch das Finanzamt Bayreuth im Sommer aufgedeckt worden. Das Finanzamt hatte für die Jahre 2013 bis 2015 Unregelmäßigkeiten bei den Umsatzsteuervoranmeldungen festgestellt. Dabei ging es um zu niedrig angegebene Umsätze in den Vorsteueranmeldungen und den Umsatzsteuererklärungen. Inzwischen steht fest, dass die GTO an die Finanzbehörde kurzfristig eine Umsatzsteuernachzahlung für die Jahre 2013 bis Mitte 2019 von knapp 600 000 Euro leisten muss.

Doch damit nicht genug. Der bereits im Sommer fristlos entlassene Mitarbeiter in leitender Position, gegen den die HWK Ende November Strafanzeige gestellt hat, soll laut zwischenzeitlichen Untersuchungen von Wirtschaftsprüfern neben den Steuerkürzungen weitere Manipulationen und Untreuehandlungen begangen haben. Es seien Unregelmäßigkeiten bei Kreditkartenabrechnungen und bei Sammelüberweisungen aufgetreten, teilte die HWK mit.

Vollversammlung entscheidet über Zukunft

Der bisher entdeckte Gesamtschaden liegt laut einem Sprecher der Kammer bei rund 2,1 Millionen Euro. Nun soll die Vollversammlung der HWK am Montag entscheiden, wie es mit der Tochter weitergeht. Im Raum stehen sowohl die Insolvenz als auch die Weiterführung unter Beteiligung einer zusätzlichen Steuerberatungsgesellschaft. Die GTO berät und betreut seit 1978 Handwerksunternehmen in steuerlichen Fragen. Sie erstellt Bilanzen, Jahresabschlüsse und Steuererklärungen. Der überwiegende Teil der Mandanten kommt dabei aus dem Gebiet der fünf Niederlassungen: Bayreuth, Kulmbach, Hof, Selb und Plauen.