Ein 70-seitiges, handschriftliches Manuskript hat gestern im Prozess gegen den wegen Untreue angeklagten früheren NKD-Geschäftsführer Michael K. neuen Wirbel verursacht. Das Konvolut soll der 37-Jährige während seiner neunmonatigen Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt in Hof verfasst haben. Der Rechtsanwalt eines mitangeklagten Prokuristen hatte während der Sitzung aus dem Schreiben zitiert, das Staatsanwalt Uwe Demuth als Beweismittel einbrachte.

Demnach soll K. auf besagten 70 Seiten detaillierte Anweisungen gegeben haben, welcher der geladenen Zeugen wie genau auszusagen habe. Aber nicht nur das sei dort vermerkt, wie der zuständige Staatsanwalt Uwe Demuth erläuterte. Krause habe offenbar auch die entsprechenden Gegenleistungen für die gewünschten Zeugenäußerungen notiert. Es sollen insgesamt mehrere zehntausend Euro versprochen worden sein. Ferner soll K. mit Handyanrufen versucht haben, bestimmte Personen in ihren Aussagen zugunsten des Angeklagten zu beeinflussen.

Das Manuskript war bei der Hausdurchsuchung eines Schweizer Unternehmers sichergestellt worden. Auf dessen Spur kamen die Ermittler, nachdem gegen Krause nicht nur wegen Untreue in Höhe von 3,7 Millionen Euro ermittelt wird, sondern mittlerweile auch wegen Geldwäsche. Dass dieses Verfahren zum Untreue-Prozess beigezogen wird, geschah auf Wunsch der Verteidigung des Ex-Managers. Kurios: Offenbar ist auch einer von Krauses Anwälten, der Bayreuther Volker Beermann, ein Begünstigter der Schmiergelder. Warum sich der Jurist dadurch offenbar selber belastete, ist eine von vielen offenen Fragen des Verfahrens.

Geklärt werden muss zudem, wie K. in der U-Haft nicht nur - unerlaubter Weise - an ein Handy kam, sondern auch, wie das Manuskript den Weg aus der JVA fand. Sowohl Besucher als auch die Angestellten werden in der Regel kontrolliert - Verteidiger hingegen nicht, das sieht die Gesetzgebung explizit so vor. Auch Verteidigerpost passiert die Kontrolle unbesehen.