Bayreuth
Sonntagsfrühstück

Erzbischof Schick im Gespräch

Das Erzbistum Bamberg umfasst den Regierungsbezirk Oberfranken und Teile von Mittel- und Unterfranken sowie der Oberpfalz. Seit zehn Jahren ist Dr. Ludwig Schick Erzbischof und somit Oberhirte von 713.000 römisch-katholischen Christen. Dr. Schick ist der 75. Bischof und der 13. Erzbischof in der 1.000-jährigen Bamberger Bistums geschichte.
Christen müssen sich in die Gesellschaft einmischen und sie mitgestalten, so Erzbischof Dr. Ludwig Schick.  Foto: Koch
Christen müssen sich in die Gesellschaft einmischen und sie mitgestalten, so Erzbischof Dr. Ludwig Schick. Foto: Koch
Bayreuther Sonntag: Exzellenz, Sie haben durch Ihren Onkel, Bischof Eduard Schick, die Priesterweihe empfangen. War er mitverantwortlich für Ihre Entscheidung, Priester zu werden?
Dr. Ludwig Schick: Das muss ich korrigieren. Bischof Eduard Schick ist nicht mein Onkel, wir sind nicht einmal verwandt, es handelt sich um eine zufällige Namensgleichheit. In der Gegend um Marburg, von wo ich stamme, ist der Name Schick sehr häufig. Sogar der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI., war anfangs der Meinung, es gäbe eine verwandtschaftliche Beziehung. Bischof Eduard Schick hat mich wohl zum Priester geweiht, aber auf meine Entscheidung, diesen Beruf zu ergreifen, hatte er keinen Einfluss. Mir selbst war lange nicht klar, dass ich Priester werden will. Als Kind war ich nicht einmal Ministrant. Mein Berufsziel war Arzt. Ich wollte einen Beruf ergreifen, mit dem ich Menschen helfen kann.
Ich begann also ein Medizinstudium, wechselte aber bald in die Fachbereiche Theologie und Philosophie. 1975 wurde ich zum Priester geweiht. So konnte ich im seelsorglichen Dienst den Menschen nahe sein. Die Bischofsweihe erhielt ich 1989 in Fulda durch Erzbischof Johannes Dyba. Seit 2002 leite ich als Erzbischof das Bistum Bamberg. Mein Arbeitsplatz ist also der Bamberger Dom, dessen 1.000-jähriges Weihejubiläum wir in diesem Jahr, unter dem Motto "Dem Himmel entgegen", feiern.

Bayreuther Sonntag: Im September feierten Sie selbst das 10-jährige Jubiläum als Oberhirte des Erzbistums Bamberg. Welchen Wandel erlebte die Kirche in dieser Zeit?
Dr. Ludwig Schick: Eine Tatsache berührt mich sehr, die auch im demographischen Wandel zu suchen ist, die aber auch mit Kirchenaustritten zu tun hat: Die Zahl der Christen nimmt ab! So reduzierte sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der römisch-katholischen Christen im Bistum Bamberg um fast 60.000 Menschen. Die Kirchenorganisation unterzog sich in den vergangenen Jahren zudem einer Strukturreform. So mussten, um eine flächendeckende Seelsorge zu gewährleisten, größere Seelsorgeeinheiten gebildet und miteinander vernetzt werden. Zirka 30.000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich derzeit in den kirchlichen Einrichtungen, in der Kirchenverwaltung oder in Aktionskreisen. Wir hatten erfreulich er weise die finanziellen Mög lichkeiten, zahlreiche Kirchen im Bistum nahezu vollständig zu renovieren und ich konnte 60 neue Altäre weihen. Ich freue mich auch, dass ich in meiner Amtszeit bisher 55 Priester weihen durfte und 450 Pastoral- und Gemeindereferenten ausgesandt wurden. Im Bistum spielt die Ökumene eine große Rolle. Ein besonderes Augenmerk habe ich auch auf die Familienarbeit in den knapp 350 Kindergärten, Krippen und Tagesstätten.

Bayreuther Sonntag: Für welche Werte muss die Kirche heute stehen?
Dr. Ludwig Schick: Anstatt "Werte" verwende ich lieber das Wort "Tugenden". Die Kirche muss sich einmischen und Sorge tragen, dass zum Beispiel der arbeitenden Bevölkerung auch der gerechte Lohn für ihre Arbeit bezahlt wird, dass Jugendliche eine Chance auf Bildung haben, dass der Wert der Familie hoch gehalten wird. Wir müssen uns stets für ein menschenwürdiges, gerechtes Leben einsetzen und mit der Hoffnung und Zuversicht auf Gott lernen, mit Rückschlägen umzugehen. Unser Leben sollte von der Nächstenliebe und nicht von Egoismus bestimmt werden. Für diese Tugenden muss sich die Kirche einsetzen.

Bayreuther Sonntag: In Bayreuth hat kürzlich mit Marcel Jungbauer ein junger Dekan seine Tätigkeit aufgenommen. Der neue Stadtpfarrer Christian Steger, seit 1. Dezember im Amt, ist erst 34 Jahre alt. Zeigt sich darin bereits die notwendige Verjüngung in den Kirchenstrukturen?
Dr. Ludwig Schick: Bedauer licherweise erscheint die Kirche in der Öffentlichkeit oft als eine Gruppe älterer Herren. Unsere Strukturen sind natürlich auch nur ein Spiegelbild einer immer älter werdenden Gesellschaft, auch wir leiden unter dem sogenannten Fachkräftemangel. Dennoch haben wir in unseren Reihen, wie diese beiden Beispiele aus Bayreuth zeigen, durchaus qualifizierten Nachwuchs. Diese junge Generation an Priestern und kirchlichen Würdenträgern tritt anders auf und wird in der Öffentlichkeit auch anders wahrgenommen. Das ist gut so, denn die Jugend insgesamt hat ihre Ansichten und Verhaltensweisen verändert. Die Kirche selbst soll sich jedoch weiter einmischen und das Salz in der Suppe sein.

Bayreuther Sonntag: Wie erleben Sie die Kirche bei Ihren Reisen in der Welt und wie setzen Sie Ihre Erfahrungen in Oberfranken um?
Dr. Ludwig Schick: Seit September 2006 bin ich Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Gerade in den Ländern der sogenannten Dritten Welt erlebe ich die Menschen sehr freudig und lebendig, im Gegensatz zu uns Nordeuropäern, die sich eher reserviert und zurückhaltend zeigen. Auf dem afrikanischen Kontinent oder in Südamerika ist die Kirche oft der einzige Hoffnungsträger für die Menschen, die sich kümmert, die Schulen und Krankenhäuser baut. Wir können uns von dort Inspirationen für unser eigenes Leben holen. Im Austausch können wir den Menschen dort unseren Sinn für Ordnung und für demokratische Strukturen näher bringen.

Bayreuther Sonntag: Wie werden Sie Weihnachten verleben?
Dr. Ludwig Schick: Weihnachten ist für mich ein sehr schönes, aber auch anstrengendes Fest. Zu meinen besonderen Anliegen gehört, das Gespräch mit den Menschen zu suchen. Heute am Vierten Advent werde ich deshalb zum Beispiel die Insassen des Kronacher Gefängnisses besuchen. Am Heiligen Abend gehe ich ins Bamberger Krankenhaus, weiterhin besuche ich Altenheime und Obdachloseneinrichtungen. Natürlich wird in meiner Wohnung ein Weihnachtsbaum aufgestellt, es findet eine Bescherung statt und wir essen zusammen. Am späten Abend zelebriere ich die Mitternachtsmesse im Bamberger Dom. Am Ersten Weihnachtsfeiertag findet bereits um 9.30 Uhr das Hochamt und um 17 Uhr die Vesper statt. Der Zweite Weihnachtsfeiertag ist der Familie vorbehalten. Ich treffe meine Geschwister, die in der Nähe von Marburg leben, und alle Nichten und Neffen. Ich freue mich auf den Trubel, den die junge Generation in meiner Familie verbreiten wird.