Fichtelberg, ein idyllischer Luftkurort im Landkreis Bayreuth. Besonders Wintersportler schätzen die vielen Sport-Möglichkeiten im Herzen des Naturparks Hohes Fichtelgebirge. Seit einigen Wochen ist die Idylle allerdings durch die "Fummel-Affäre" getrübt. Der ehemalige stellvertretende Bürgermeister Rudolf E. soll einer Rathaus-Mitarbeiterin mehrfach in den Pullover und in den Ausschnitt gegriffen und sogar die Hose vor ihr heruntergelassen haben. "In erregtem Zustand", wie die 48-Jährige gegenüber verschiedenen Medien berichtet. Im Januar erstattet Astrid S. Anzeige.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt und klagt den Mann, der seit 1984 Mitglied im Fichtelberger Gemeinderat ist, wegen exhibitionistischen Handlungen an. Rudolf E. akzeptiert den Strafbefehl zunächst nicht. Der 71-Jährige legt Einspruch ein. Deshalb wurde am vergangenen Montag um 14 Uhr eine Hauptverhandlung vor dem Landgericht Bayreuth angesetzt.

Zeugen werden geladen, ganz Fichtelberg blickt gespannt nach Bayreuth. Doch die Verhandlung findet nicht statt. "Der Beschuldigte hat den Einspruch am Montagvormittag zurückgenommen", begründet Justiz-Pressesprecher Thomas Goger. Der Strafbefehl ist somit rechtskräftig. Das Urteil: eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen.
Astrid S., die für eine persönliche Stellungnahme nicht zu erreichen war, äußerte sich gegenüber einer Zeitung "erleichtert". Sie hoffe, dass das Urteil helfe, "uns Frauen in Ruhe zu lassen". Sie sei zwei Jahre lang durch die Hölle gegangen, jetzt könne sie die Zeit endlich abhaken.

Rudolf E. klingt am Telefon alles andere als erleichtert. Mehrfach betont er, dass er nach diesem Urteil nicht vorbestraft sei. Und er macht unmissverständlich klar: Der Rückzug des Einspruchs ist kein Schuldeingeständnis. "Die Affäre soll in der Öffentlichkeit nicht weiter ausgeschlachtet werden. Ich will mich und meine Familie schützen", so seine Begründung. Dies sei allerdings bisher nur bedingt gelungen. "Leider ist durch den Rückzug alles noch mal richtig aufgeschäumt worden. Die Medienberichte sind aber eine reine Vorverurteilung."

Ohnehin: Es gebe keinerlei Beweise, dass sich der Vorfall im Januar so abgespielt habe, wie Astrid S. das behauptet. "Es gibt keine Zeugen. Nur die Frau und ich wissen, was wirklich passiert ist." Was ist also an jenem Tag im Januar vorgefallen? Man habe, berichtet Rudolf E., zu zweit im Rathaus-Sitzungssaal etwas gesucht. "In einem Nebenraum ist mir dann beim Bücken das Hemd aus der Hose gerutscht. Ich habe die Hose geöffnet und das Hemd wieder reingesteckt." Dann sei die 48-Jährige in den Raum gekommen und habe ihn entsetzt gefragt, was er da mache. "Ich sagte, dass ich mich anziehe. Dann lief sie raus und schrie laut." Rudolf E. versteht die Aufregung auch heute nicht. "Ich habe doch bloß meine Kleider geordnet. Wird jetzt jeder angezeigt, der das am Straßenrand macht?"

Er wolle sich keineswegs aus irgendeiner Verantwortung stehlen. Aber nach dem Schlussstrich vom Montag hoffe er, dass endlich wieder Ruhe einkehrt. Die letzten Wochen seien nicht leicht gewesen. Er erfahre aber viel Zuspruch, auch seine Familie stehe hinter ihm. "Es gibt sehr viele, die uneingeschränkt zu mir halten."
Natürlich gebe es im Ort auch jene, die ihm nicht glauben. Das sei normal. Aber viele Attacken seien nicht fair und nicht zu ertragen. "Ich habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen. Es ist ungeheuerlich, was mir hier angetan wird. Die Hexenverfolgung ist nichts dagegen", sagt er am Telefon.

Rudolf E. hat den Posten des stellvertretenden Bürgerm eisters nicht mehr inne. Gemeinderatsmitglied will er aber bleiben. "Ich habe drei Mal in Folge die meisten Stimmen bekommen. Darauf bin ich stolz. Es gibt keinen Grund, mein Mandat niederzulegen." Astrid S. will er in Zukunft aus dem Weg gehen. "Ich werde sie ignorieren, jeden Kontakt vermeiden." Auch die 48-Jährige will ihrem ehemaligen Arbeitskollegen nicht mehr begegnen. Gegenüber einer Zeitung sagte sie: "Nein, dafür ist zu viel passiert."