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Corona-Dämmerung: Sogar die Bayreuther Festspiele müssen pausieren

Das hat die 1978 geborene Wagner-Urenkelin Katharina Wagner noch nicht erlebt, dass ein Festspielsommer am Grünen Hügel abgesagt werden muss.
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"Der verhüllte Gral": Farbstiftzeichnung des Bamberger Malers und Bühnenbildners Karlheinz Beer aus dem Jahr 1998.  Vorlage: Karlheinz Beer/VG Bild-Kunst 2020
"Der verhüllte Gral": Farbstiftzeichnung des Bamberger Malers und Bühnenbildners Karlheinz Beer aus dem Jahr 1998. Vorlage: Karlheinz Beer/VG Bild-Kunst 2020

Das hat die 1978 geborene Wagner-Urenkelin Katharina Wagner noch nicht erlebt, dass ein Festspielsommer am Grünen Hügel abgesagt werden muss. Nur wer in etwa doppelt so alt ist wie die bald 43-jährige Festspielleiterin, kann sich vielleicht noch an die kriegsbedingte letzte Zwangspause vor der Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele 1951 erinnern.

Unterbrechungen gab es in der Geschichte der Mutter aller Festspiele, die am 13. August 1876 mit der Uraufführung von Richard Wagners Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" spektakulär eröffnet wurden, immer wieder. Weil die ersten Festspiele mit einem finanziellen Desaster endeten, fand die zweite Saison erst nach sechs Pausenpausen mit der "Parsifal"-Uraufführung 1882 statt.

Nach Richard Wagners Tod am 13. Februar 1883 sah es zunächst nicht danach aus, dass in Bayreuth eine beispiellose Erfolgsgeschichte geschrieben werden sollte. Doch Witwe Cosima Wagner rang sich die Fortführung des Erbes ab und sorgte dafür, dass die Festspiele bald als der Maßstab für die Wagner-Interpretation galten und sich schließlich auch finanziell lohnten.

In ihrer Ära als Intendantin von 1883 bis 1906 gab es insgesamt neun Mal keine Festspiele, die vom Programm her dem Rhythmus Premierenjahr, Wiederholungsjahr und Pausenjahr folgten. Als ihr Sohn Siegfried 1908 die Leitung übernahm, waren die Festspiele künstlerisch, gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich international etabliert.

Bis zum Beginn der Ersten Weltkriegs blieb alles beim Alten, von den geplanten zwanzig Aufführungen 1914 konnten nur mehr acht stattfinden, d.h. die Festspiele mussten bezahlte Karten zurückerstatten und sämtliche Mitwirkende und Mitarbeiter voll bezahlen. Der Krieg und die weltweite Finanzkrise machten auch vorhandene Rücklagen zunichte, was zehn volle Jahre Zwangspause bedeutete. Siegfried Wagner blieben von 1924 bis zu seinem frühen Tod 1930 nur fünf weitere Festspielsaisons.

Seine Witwe Winifred übernahm 1931 die Leitung der Festspiele und hätte sie in herzlicher Übereinstimmung mit Adolf Hitler und dem NS-Staat ab 1936 gerne end- und pausenlos fortgeführt. Bei den folgenden Kriegsfestspielen sorgte die NS-Organisation "Kraft durch Freude" dafür, dass in den insgesamt siebzig Vorstellungen rund 100 000 Besucher saßen.

An der Entnazifizierung der Wagners und der Festspiele wird bis heute gearbeitet. Als Winifreds Söhne Wieland und Wolfgang Wagner 1951 nach sieben Jahren Pause die Bayreuther Festspiele wiedereröffnen konnten, waren die Festspiele letztlich noch ein reiner Familienbetrieb. Mit Neubayreuth begann künstlerisch eine neue Zeit, die den heutigen Weltruf Bayreuths begründete.

Nach der Gründung der Richard-Wagner-Stiftung 1973 wurde der Prozess eingeleitet, aus der Familienfirma ein Staatsfestival zu machen. Zwar steht immer noch ein Familienmitglied an der Spitze, letztlich das Sagen haben aber die Gesellschafter der Bayreuther Festspiele GmbH, d.h. die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Bayern, die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth sowie die Stadt Bayreuth.

Dass Katharina Wagner jetzt nach 68 Festspielsommern ohne Unterbrechung ein Pausenjahr verkünden musste, kommt sie hart an. "Natürlich sind wir traurig, gerade weil wir uns auf eine spannende Neuproduktion des ,Rings‘ gefreut haben", sagte sie der dpa. "Aber Gesundheit geht vor." Auf der Festspiel-Homepage wird die Corona-Zwangspause übrigens als "Aussetzung" bezeichnet - ein vielsagender Begriff.