Der neue "Ring des Nibelungen" der Bayreuther Festspiele hat es beim Publikum in Bayreuth weiter nicht leicht: Nach "Siegfried" - dem dritten Teil der vier Teile - gab es am Mittwochabend (3. August 2022) lautstarke Buhs für die ideenreiche und unkonventionelle Inszenierung von Regisseur Valentin Schwarz. Dabei beginnt Schwarz' buntes Konzept, nach einem holprigen Start mit "Rheingold" und "Walküre", nun langsam aber sicher aufzugehen.

Fragen, die sich in den ersten beiden Teilen noch stellten, werden nach und nach beantwortet und Licht fällt in das komplizierte Beziehungsgeflecht, das der junge Österreicher in seiner Familiensaga auf die Bühne bringt. Goutiert wird das bei der "Siegfried"-Premiere am Mittwochabend vom Bayreuther Publikum aber kaum. Wütende Buhs werden laut, als der Vorhang am Ende des dritten Aktes fällt - und die gelten nicht dem musikalischen Part der Produktion.

"Buhs" für den neuen Bayreuther "Siegfried": Ein Drache als greises Mafia-Oberhaupt 

So ist Drache Fafner (Wilhelm Schwinghammer), den Siegfried (stimmgewaltig und laut: Andreas Schager) im zweiten Akt erlegen muss, bei Schwarz nicht etwa ein Feuer spuckendes Fabelwesen, sondern das bettlägerige, greise und seine Pflegerin begrapschende Oberhaupt einer mafiösen Familie. Und dieses stirbt auch nicht durch die Hand Siegfrieds - sondern ganz profan an einem Herzinfarkt.

Der junge Mann, der schweigend am Krankenbett sitzt, stellt sich schließlich als das Kind heraus, das Fafner im "Rheingold" noch - im Austausch gegen Göttertochter Freya - entführte: den späteren Siegfried-Mörder Hagen, der bei Schwarz schon vor der "Götterdämmerung" auf der "Ring"-Bühne auftaucht.

Im Publikum gefällt das vielen nicht - ganz im Gegensatz zur musikalischen Darbietung an diesem Abend. Neben Schager, der frenetisch gefeiert wird, gibt es auch viel Jubel für Daniela Köhler und ihre warme, facettenreiche, wenn auch nicht ganz so kraftvolle Brünnhilde und Dirigent Cornelius Meister. Auch Wotan-"Wanderer" Tomasz Konieczny, der sich bei der "Walküre" noch so verletzt hatte, dass er im dritten Akt ersetzt werden musste, kam gut an beim Publikum. Selbst der als Mime auffallend schwache Arnold Bezuyen wurde begeistert beklatscht. Vor diesem wohlwollenden Hintergrund ist die von vielen im Publikum zur Schau gestellte Gnadenlosigkeit mit der ideenreichen Regie noch schwerer zu verstehen. 

"Götterdämmerung" macht den "Ring"-Zyklus am Freitag komplett 

Nach dem "Siegfried" fehlt nur noch die "Götterdämmerung", um die neue "Ring"-Quadrologie komplett zu machen.

Die Premiere ist für diesen Freitag (5. August 2022) geplant. Dann wird sich auch das Regie-Team um Schwarz erstmals auf der Bühne zeigen.

Für Donnerstag (4. August 2022) steht die Wiederaufnahme der "Lohengrin"-Inszenierung mit einem Bühnenbild von Neo Rauch an, die in diesem Jahr letztmals auf dem Grünen Hügel zu sehen sein wird.

Nach Sexismus-Vorwürfen: Erster Auftritt von Thielemann

Zugleich ist der erste Auftritt von Christian Thielemann in diesem Jahr. Der frühere Musikdirektor der Festspiele dirigiert Richard Wagners Oper über den berühmten Schwanenritter. Vor Beginn der diesjährigen Festspiele waren Vorwürfe gegen Thielemann laut geworden,er habe sich frauenfeindlich geäußert, weil zwei Bassistinnen im Orchester ihm zu viel gewesen seien. Thielemann wies diese Vorwürfe ebenso zurück wie die, er vergreife sich hier und da im Ton.

Der Verwaltungsratschef der Festspiele, Georg von Waldenfels sagte, er habe Thielemann mit den Vorwürfen konfrontiert. Der habe sich nicht darüber beschwert, dass es zwei Frauen am Bass gab, sondern dass es zwei neue Gesichter gewesen seien und ihm die Zusammensetzung des Orchesters mit vielen neuen Musikern nicht gefallen habe. Mit dem Geschlecht der Bassistinnen habe das nichts zu tun gehabt. Auch die beiden Frauen hätten Waldenfels gegenüber angegeben, Thielemann habe sie sehr zuvorkommend behandelt.

Seit Anfang 2021 ist Thielemann, der die Festspiele als Dirigent seit Jahrzehnten prägte, nicht mehr Musikdirektor. Wie es weitergeht mit ihm auf dem Grünen Hügel, ist unklar. Der "Lohengrin" in der Inszenierung von Yuval Sharon mit dem markanten Bühnenbild von Kunst-Star Neo Rauch steht in diesem Jahr jedenfalls das letzte Mal auf dem Bayreuther Spielplan. In der Titelrolle wird Klaus Florian Vogt zu hören sein, als Elsa wird Camilla Nylund auf der Bühne stehen und als Heinrich der Vogler Georg Zeppenfeld.