Als wäre das Jahr 2020 für die Bayreuther Festspiele nicht schon schrecklich genug – Ende März musste die Absage der Festspielsaison 2020 erfolgen, dann die Meldung von der schweren Erkrankung von Festspielleiterin Katharina Wagner Ende April und Wiedereinsetzung von Heinz-Dieter Sense als drittem Geschäftsführer – folgt jetzt der nächste Paukenschlag: Die Bayreuther Festspiele trennen sich von ihrem Geschäftsführer Holger von Berg. 

Der Vertrag mit dem bisherigen kaufmännischen Leiter von Berg wird nicht verlängert. Am Montag (25.05.2020) teilten die Festspiele mit: "Die Bayreuther Festspiele GmbH hat sich entschlossen, die Stelle der kaufmännischen Geschäftsführung nach Ablauf der Laufzeit des Vertrags mit dem bisherigen kaufmännischen Geschäftsführer auszuschreiben und ab 1.4.2021 neu zu besetzen." Von Berg werde eine neue Aufgabe beim Freistaat Bayern im Geschäftsbereich des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst in München übernehmen, heißt es in der Erklärung weiter.

Von Berg geht zurück nach München

Von Berg ist seit April 2016 der zweite Geschäftsführer der Festspiele neben Festspielchefin Wagner. In seinen Verantwortungsbereich fallen unter anderem Kartenverkauf und Festspiel-Sanierung, während Wagner eher für den künstlerischen Part verantwortlich ist. Kurz nach seinem Amtsantritt vor vier Jahren hatte von Berg gesagt: "Es muss sich einiges ändern. Aber gut Ding will Weile haben." Jetzt geht von Berg zurück nach München - schon vor seiner Bayreuther Zeit war er in der bayerischen Hauptstadt als Direktor des Residenztheaters tätig.

Die Festspiele sind also ab jetzt  auf der Suche nach einem neuen kaufmännischen Geschäftsführer. Auch eine Stellenanzeige ist bereits veröffentlicht und lautet wie folgt: "Gesucht wird eine überdurchschnittlich engagierte, leistungsstarke und teamorientierte Persönlichkeit mit Führungskompetenz, die über eine breite und langjährige Leitungserfahrung im kaufmännischen und administrativen Bereich insbesondere von Theatern oder vergleichbaren Institutionen im Kultursektor verfügt.

Umfassende Kenntnisse im Tarif- und Theaterdienstrecht werden ebenso vorausgesetzt wie Erfahrungen in der Begleitung von Bauvorhaben in führender Position. Die Fähigkeit zum wirtschaftlichen Handeln soll bei der gesuchten Person ebenso ausgeprägt sein wie Verhandlungssicherheit (in Deutsch und Englisch) und der offene und kommunikative Umgang mit den Aufsichtsgremien sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gesellschaft, der auch Verständnis für die Besonderheiten des künstlerischen Prozesses und hohe kommunikative, soziale und integrative Kompetenzen und Teamfähigkeit einschließt."

Weitere Personalien unklar 

Apropos: Die Personalie von Berg ist nicht die einzige, die derzeit für Spekulationen sorgt. Aktuell scheint auch offen zu sein, ob der Vertrag von Musikdirektor Christian Thielemann verlängert wird. Im Herbst läuft sein Vertrag aus und wurde bislang noch nicht verlängert. Katharina Wagner hatte Ende 2019 angekündigt, mit dem Dirigenten über eine mögliche Vertragsverlängerung zu verhandeln. Laut Festspielsprecher Hubertus Herrmann sollen die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, sobald Wagner wieder gesund sei.

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