Fränkisches Streetfood zum fränkischen Fassbier, fränkische Tapas, klassische und innovative Cocktails im E.T.A.-Hoffmann-Ambiente, schnelle Currys aus der Schüssel und allerlei Veganes: Die Bamberger Speisekarten-Vielfalt sollte sich im November durch einige Neueröffnungen noch erweitern. Doch der Lockdown versalzte einigen die Tagessuppe.

"Wir haben monatelang daraufhingearbeitet und hätten jetzt eigentlich schon offen", sagt etwa Chris Emmerling vom "Hopfengarten", der mit seinem Geschäftspartner das "Hopfenhaus"in der Austraße eröffnen wollte. Dort hätte man sich jetzt schon "Pulled Schäuferla" zum hauseigenen Fassbier schmecken lassen können. Aber in der momentanen Lage ergebe eine Eröffnung keinen Sinn. "Dabei hatten wir so viel Energie in Hygienekonzepte gesteckt und die Personalplanung bereits abgeschlossen." Trotzdem will Emmerling den Kopf nicht ins Hopfenfeld stecken: "Es ist für alle eine schwierige Zeit. Aber wir bleiben positiv eingestellt und hoffen, dass wir im Dezember öffnen können."

Diese Hoffnung schwindet bei Fabrizio Campisano zusehends. Die Eröffnung des "Il Peperoncino" in der Franz-Ludwig-Straße beim ZOB müsse er wahrscheinlich ins kommende Jahr verschieben, schätzt er. Dort wird es dann Pizza, Salate, Antipasti und - wie Campisano betont - "natürlich italienischen Aperitiv" geben. Seit März habe er die Eröffnung des Lokals geplant und sich auf Bamberg gefreut. Sein bisheriges Fazit lautet nun aber: "Kleiner Laden, große Probleme." Der Gastronom betreibt bereits Restaurants in Bayreuth, Hof und Höchstadt. Durch den ersten Lockdown im März sei er mit Lieferangeboten dank der Solidarität seiner Gäste noch recht gut durchgekommen. "Diesmal wird es schlimmer", befürchtet Campisano.

"Die Leute sind verhaltener, als im ersten Lockdown", schätzt auch Till Deininger. Aufrufe zur Unterstützung der lokalen Gastronomie seien zumindest seltener in den Sozialen Medien zu finden als noch im Frühjahr. Mit seinen Geschäftspartnern Linda Le und Lars Baldes betreibt er die Kneipen "Dude" und "Kawenzmann" sowie die Gaststätte "Zapfhahn". Über den ersten Lockdown halfen nicht nur die solidarischen Stammgäste, auch die Soforthilfen durch Bund und Freistaat hätten viel bewirkt. "Der bürokratische Aufwand ist nicht zu unterschätzen, aber das Geld kam an. Ohne hätten wir es nicht geschafft."

Besser Lockdown als Unsicherheit

Für den November hatten die jungen Unternehmer viel vor: Ein Hotel, ein Restaurant, eine Bar und einen Imbiss eröffnen - alles in einem Komplex in der Langen Straße hin zu den Theatergassen. Vor über einem Jahr hatten die Gastronomen mit der Planung begonnen. "Das Timing ist zwar schlecht. Aber wir ziehen durch, was möglich ist", sagt Deininger. Auch das Entgegenkommen des Verpächters habe dabei geholfen, dass das "Adams Eatery"trotz der Einschränkungen am Montag seine Pforten öffnen konnte. Bis auf Weiteres nur für Speisen zum Mitnehmen, etwa Currys und andere schnelle, gesunde Gerichte in der Schüssel. Der Imbiss ist nach dem Kaufmann Adam Wetzlein benannt, der lange Zeit im Besitz des Objekts war und sich an vielen Ecken des Hauses mit seinem persönlichen Symbol verewigt hat. Das "m" mit den drei langen Bögen im Logo verweist auf die stilprägende Bogen-Fassade. Hotel, Bar und Restaurant werden vermutlich erst im Januar oder Februar eröffnet.

Zwar hätte sich das Team gerne bereits "vollumfänglich präsentiert". Der Lockdown ist Deininger aber "ehrlich gesagt lieber als die Unsicherheit zuvor, als sich die Voraussetzungen von einem Tag auf den anderen immer wieder geändert haben". Denn im Oktober war der erste Blick nach dem Aufstehen stets der auf die Corona-Ampel. Bei Farbwechseln und damit strengeren Auflagen musste er komplett umplanen.

Etwas, das auch Lisa Burger vom "Zuckerl" auf der Erba-Insel erleben musste. Beim ersten Lockdown habe sie keine Soforthilfe bekommen. "Aber unserer Stammgäste haben uns sehr gut unterstützt. Da hatten wir echt Glück!" Das Timing für die Eröffnung ihres neuen veganen Restaurants "Rebels" in der Luitpoldstraße könnte besser sein.

Gerne hätte sie Kebabs aus Sojageschnetzeltem und Seitan-Currywurst am Tisch serviert. Das Hygienekonzept stand, die Abstände waren ausgemessen. Und trotzdem trotzt sie den Zeiten, und eröffnet ihren neuen Laden am Dienstag.(17. November) Ihre Gerichte kann sie zunächst nur zum Mitnehmen anbieten, "eine Eröffnung light im Lockdown light", wie sie sagt. Das heißt aber auch: Weniger Mitarbeiter können gleichzeitig arbeiten, "das Einlernen wird also etwas länger dauern".

Und die Bamberger werden die neuen Lokalitäten in ihrer Gastrostadt etwas langsamer kennenlernen müssen.