Das käme ja dann beinahe hin. Wer sich sich umfassend Stärke antrinken will, sollte das mit einem Seidla für jeden Monat des Jahres tun, heißt es. "Nächstes Mal vielleicht", schmunzelt Sigmund Brockard junior.

Dann funktioniert das möglicherweise mit zwölf verschiedenen Werken, die seine Handschrift tragen. Für diesen Dreikönigstag hat er zehn spezielle Sorten Bockbier im Fass. Und dazu das Lager vom Greifenklau.

"Vor vier Jahren habe ich damit angefangen, fürs Stärk-Antrinken mit Aromahopfen im Bockbier zu experimentieren. Erst waren es vier Sorten, dann sechs, dann acht. Das ist auch für uns immer total spannend. Wir haben bis zum 6. Januar, wenn die Fässer angestochen werden, keine Ahnung, wie diese Biere tatsächlich schmecken."

Alle zehn Böcke sind "hopfengestopft", das heißt die Zugabe des besonderen Hopfens ist nach der Hauptgärung erfolgt. Bei der Kalthopfung werden vorwiegend Aromahopfen und weniger die Bittersorten verwendet.


Minze-und-Salbei-Note

"Bei einem Freund, der Hopfenhändler ist, schaue ich immer mal wieder, was er an Neuem im Sortiment hat. Es liest sich manchmal schon sehr ungewöhnlich, welche Geschmacksnoten einzelne Sorten dem Bier beigeben sollen: Bei ,Pekko' beispielsweise sind unter anderem Minze, Ananas und Salbei vermerkt, bei ,Relax' Hibiskus, Kornblume und Almwiesenheu und bei ,Fantasia' gar Aprikose und Joghurt."

Ist denn beim Experimentieren schon mal war herausgekommen, was gar nicht geschmeckt hat? "Oh ja, der Versuch mit ,Polaris'. Die Sorte sollte für eine Eisbonbon-Note sorgen. Aber das war einfach nur bitter.

Doch das Gute ist ja, das die Geschmäcker so verschieden sind. Wir haben an Dreikönig immer zwei der besonderen Bockbier-Sorten gleichzeitig im Ausschank. Sind die Fässer leer, kommen zwei andere an die Reihe. Da bilden sich manchmal richtige Lager unter den Gästen. Den einen schmeckt dieses, den anderen jenes besser. Das Schöne ist, dass die Leute sich unterhalten an den Tischen."


"Wie im Teebeutel"

Siegmund Brockard jr. verwendet diesmal hauptsächlich 30-Liter-Fässer. 14 Stück davon (je zwei für sieben Sorten) und drei 50-Liter-Gefäße mit den restlichen drei Bockbieren, stehen bereit. "Angefangen habe ich nur mit 50-Liter-Fässern. Da saßen manche Gäste, die möglichst viel durchprobieren wollten, wie auf Kohlen und fragte immer, wann das Fass denn endlich leer sei."

Wer die letzten paar Seidla bekommt, muss nicht befürchten, dass er Pflanzenteile im Krug hat. Der Aromahopfen, jeweils etwa zwei Gramm pro Liter, schwimmt eingeschlossen in lebensmittelechte Nylonsäckchen in den Fässern. "Das muss man sich wie einen Teebeutel vorstellen", erklärt der Braumeister.


Ein altes Verfahren

"Eigentlich ist das Verfahren der Kalthopfung uralt. Es war etwas in Vergessenheit geraten, lebt aber wieder auf - nicht zuletzt durch die Craft-Beer-Szene."
"Wir sind ein Familienbetrieb, in dem Vater und Mutter, meine Schwester und ich gemeinsam entscheiden," sagt Siegmund Brockard jr. "Im Greifenklau wird an diesem Dreikönigstag erstmals mit einer Tradition gebrochen. Bisher hieß es an allen Feiertagen: nur Braten und Klöße. Das machen wir heuer am 6. Januar mal anders."
Und wenn der große Trubel nach dem Stärk-Antrinken vorbei ist, kann der junge Braumeister, der die Prüfung vor über zehn Jahren abgelegt hat, nach Mitternacht möglicherweise mit einer neuen Bock-Entdeckung anstoßen: auf seinen 32. Geburtstag.