Khalel Qaisar lebt mit seiner Frau und seinen sechs Kindern in einem Mehrfamilienhaus in Memmelsdorf. Der Kleinste ist drei, die Älteste 13 Jahre alt: Im Zuge des Familiennachzugs durfte der 41-jährige Vater seine Kinder und seine Ehefrau vor einem Jahr nach Deutschland holen, nachdem er 2015 mit zwei Schwestern eingereist war. "Wir fühlen uns sehr wohl in Memmelsdorf. Die Menschen sind sehr nett. Wir haben keinerlei Anfeindungen erlebt", berichtet der Jeside aus dem Norden des Irak.

Die Art, wie die Qaisars untergebracht sind, die dezentrale Unterkunft, gilt bei Flüchtlingshelfern und Kritikern des Bamberger Ankerzentrums prinzipiell als vorbildlich. Ganz reibungslos verläuft der Alltag für die achtköpfige Familie aber nicht - denn mit im Haus leben noch sechs allein stehende Männer, ebenfalls Flüchtlinge. Nächtlicher Lärm, Alkohol, Streit: "Die Kinder trauen sich nachts nicht allein auf die Toilette, haben Angst", erzählt die Mutter, betont aber gleich im nächsten Satz, dass sie sehr dankbar ist, hier zu sein.

"Die Zuweisung von Familien zusammen mit allein stehenden Männern birgt Konfliktpotenzial", berichtet Bürgermeister Gerd Schneider (parteilos). "Wünschenswert für uns wären nur Familien in Einzelunterkünften."

Als im September 2015 die Flüchtlingswelle auf ihrem Höhepunkt war, seien jedoch überwiegend allein stehende Männer gekommen, sagt Thomas Hummel, Leiter des Fachbereichs Soziales am Landratsamt. Damals zogen in die dezentrale Unterkunft in Memmelsdorf 28 Männer ein. "Es gab Schlägereien, eine Messerstecherei, typisches Macho-Verhalten von jungen Männern", berichtet der Bürgermeister. "Um Rangeleien von Streithähnen aufzulösen, musste die Polizei geholt werden", bestätigt die ehrenamtliche Helferin Heidemarie Groß, die der Familie als Patin bei der Integration hilft.

Seit nicht mehr so viele Menschen in dem Haus leben und auch Kinder einzogen, sei es deutlich ruhiger geworden, erzählt Matthias Teufel, Hausverwalter von der Arbeiterwohlfahrt, Betreiber der Unterkunft. Bürgermeister Schneider bestätigt das. "Wir haben gute Erfahrungen gemacht, Familien und allein stehende Männer zusammenleben zu lassen. Das bringt Ruhe rein", sagt Hummel.

Sein Amt organisiert die Unterbringung der Flüchtlinge im ganzen Landkreis. Eine große Gemeinschaftsunterkunft gibt es nicht. Von Ebrach bis Heiligenstadt leben mit Stand 20. August 475 Asylbewerber in 29 dezentralen Unterkünften wie in Memmelsdorf, in sieben Einrichtungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und in Privatwohnungen. In der Hochphase der sogenannten Asylkrise von März bis Mai 2016 waren es mehr als doppelt so viele: 1050 Schutzsuchende und 100 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

"Möglichst viele Unterkünfte in möglichst vielen Gemeinden. Denn wenn viele mithelfen, können auch große Aufgaben leichter bewältigt werden", sagt Landrat Johann Kalb (CSU) dazu und dankt Gemeinden, Vereinen, Wohlfahrtsverbänden, Organisationen, Privatleuten und den unzähligen Ehrenamtlichen für ihr Engagement.

26 Gemeinden teilen sich diese Aufgabe. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl leistet Reckendorf am meisten: Hier wohnen 23 Schutzsuchende unter 2037 Reckendorfern. Je 53 sind es in den großen Gemeinden Hirschaid, Strullendorf und Scheßlitz. Zapfendorf ist die einzige Kommune im Kreis, in der drei Menschen unter dem Schutz des Kirchenasyls stehen, weitere zehn in Kreis-Einrichtungen. In Breitengüßbach, Pommersfelden, Schönbrunn und Stadelhofen sind Einrichtungen mittlerweile geschlossen. In Baunach, Königsfeld, Lauter, Lisberg, Litzendorf und Wattendorf leben derzeit ebenfalls keine Asylbewerber.

Insgesamt schrumpft mit dem Abebben des Flüchtlingsstroms auch die Zahl der dezentralen Unterkünfte. "Dieser Rückgang ist ein organischer Prozess, indem auslaufende Verträge mit Betreibern nicht verlängert wurden. Der Rückgang der Zahl der Asylbewerber und damit auch die Anzahl der Bewohner der Unterkünfte führte zu einer deutlichen Entspannung", berichtet Friederike Straub aus dem Sozialamt im Landratsamt.

Eine gewisse Anzahl will das Amt als Reserve vorhalten, um gerüstet zu sein.

"Eine neue Aufgabe stellt die Integration der anerkannten Flüchtlinge dar", erklärt Straub. Neben Spracherwerb und Arbeitsvermittlung gehe es vor allem auch um Wohnraum.

Warum, wird an der Familie Qaisar deutlich. Ihr Flüchtlingsstatus ist anerkannt, das heißt, sie sind auf der Suche nach einer eigenen Wohnung. Kein leichtes Unterfangen bei sechs Kindern, wie Bürgermeister Schneider berichtet, dessen Gemeinde Hilfe bei der Suche angeboten hat.

"Bereits über 300 Geflüchtete wohnen in privaten Wohnungen im Landkreis. Viele von ihnen sind sehr gut in die Nachbarschaft integriert", erklärt Landrat Kalb. "Gleichwohl suchen noch immer 294 Menschen eine Wohnung - daher bitten wir alle Bürger verstärkt um Unterstützung bei der Wohnungssuche für anerkannte Asylbewerber."