Die Hiobsbotschaft vom Stellenabbau bei Brose hat den heimischen Wirtschaftsstandort schon vor einem Jahr erreicht: 2000 Stellen in Coburg, Würzburg, Wuppertal und Bamberg/Hallstadt sollen wegfallen. 900 Stellen wurden bereits abgebaut - oder zumindest gibt es fertige Abmachungen dafür, berichtet die Brose-Pressestelle. Weitere 1100 sollen - wie berichtet - bis Ende 2022 folgen.

Auf Nachfrage unserer Zeitung konkretisiert das Unternehmen die Pläne für den Standort Bamberg/Hallstadt etwas - hier sollen 280 weitere Stellen gekürzt werden. "Der Schwerpunkt des Abbaus liegt auf der Verwaltung", erklärt Firmensprecherin Katja Herrmann. Wegen der unternehmenseigenen "Matrixstruktur" der unterschiedlichen Bereiche, die zum großen Teil ineinandergreifen, könne sie keine detaillierteren Angaben machen. Inwieweit der Stellenabbau also speziell Hallstadt oder Bamberg betrifft, könne deshalb nicht näher definiert werden - weil beide Orte als ein Standort gelten und auch so strukturiert seien.

Aus gut informierten Kreisen heißt es, der Abbau in Bamberg und Hallstadt betreffe zu zwei Dritteln Angestellte, also etwa in der Verwaltung, Entwicklung und indirekt in der Produktion Beschäftigte. Ein Drittel des Stellenabbaus werde in der Produktion selbst erfolgen.

"Wir sind einer der wenigen Hersteller, der noch in diesem Umfang derartige Produkte in Deutschland produziert. Das ist uns als Familienunternehmen wichtig, dass wir diese Industriestandorte vor Ort weiterhin haben", erklärt Herrmann. Die Brose-Sprecherin betont außerdem: "Wir haben ein hohes Interesse daran, dass wir sozialverträglichen Lösungen finden." Sie berichtet von "intensiven Verhandlungen" mit einzelnen Standort-Betriebsräten - einen Gesamtbetriebsrat gibt es bei Brose nicht.

Die IG Metall Bamberg bestätigt auf Nachfrage diese Darstellung: "Für die Standorte Bamberg/Hallstadt hatte ich schon das Gefühl, dass man bemüht ist, das sozialverträglich zu schaffen. Das war an anderen Standorten so nicht zu sehen", berichtet Gewerkschaftssekretär Marcel Adelhardt. "Natürlich sind wir als IG Metall über den Stellenabbau nicht erfreut. Was wir jetzt wollen, ist, so viele Stellen zu erhalten wie nur irgend möglich. Und das alles so sozialverträglich wie möglich."

Zukunftspläne in Gefahr?

Der Stellenabbau wirft die Frage auf, ob er Auswirkungen auf die geplante, langfristige Erweiterung des Brose-Standortes in Bamberg haben könnte. Hier beruhigt Firmensprecherin Herrmann: "Wir haben einen Masterplan für Bamberg. Der gilt." Einen festen Zeitplan gebe es dabei aber nicht, und weltweite Marktentwicklungen seien immer zu sehen.

Zur Erinnerung: Im Dezember 2018 hatte Michael Stoschek, Vorsitzender der Brose-Gesellschafterversammlung, in Aussicht gestellt, dass bis 2021 ein zweiter von insgesamt fünf geplanten Bauabschnitten am Verwaltungszentrum an der Breitenau abgeschlossen werde. 70 Millionen Euro wollte sich das der Hersteller von Türen- und Sitzelementen kosten lassen und "auch durch Neueinstellungen" die Zahl der Mitarbeiter an diesem Standort von 700 auf rund 1100 aufstocken.

Nun beteuert Firmensprecherin Herrmann, dass es sich bei der Erweiterung in Bamberg um langfristige Entwicklungsziele handle - Stichwort "Future Brose". Die Transformation in der Autoindustrie, Investitionen in neue Technologien, Weiterentwicklung bestehender Produkte, Preisdruck, Handelsstreitigkeiten, Corona-Pandemie: Entwicklungen wie der Stellenabbau seien im Gesamtbild zu sehen, erklärt Herrmann. Immerhin habe man bei Brose den Vorteil, dass der Geschäftsbereich Türen unabhängig von der Antriebsart eines Autos sei.

Aus dem Bamberger Rathaus ist auf Nachfrage zu erfahren, dass der Stellenabbau bei der Brose-Gruppe bedauert wird. "Die sozialverträgliche Umsetzung der Maßnahmen zum Schutz der Belegschaft ist wichtig, um existenzielle Notlagen zu vermeiden", sagt Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Gleichzeitig habe die Stadtverwaltung die feste Überzeugung, dass Brose mit seinen innovativen Produkten und Entwicklungen auch in Zukunft wettbewerbsfähig sein werde. Der Wirtschaftsreferent der Stadt, Stefan Goller, begrüßte das grundsätzliche Bekenntnis der Unternehmensgruppe zum Standort Bamberg.

Auch in Hallstadt werden die Pläne mit Sorge registriert: "Wir bedauern den Stellenabbau sehr. Alleine diese Tatsache zeigt, wie wichtig es ist, zukunftsweisende Projekte zu entwickeln, um dauerhaft Arbeitsplätze in der Region zu halten", erklärt Bürgermeister Thomas Söder (CSU).