Wird der Sand jetzt ausgetrocknet? - Polizei will Alkoholverbot härter durchsetzen
Autor: Markus Klein
Bamberg, Dienstag, 23. Juni 2020
Die Polizei hat kürzlich verstärkt das Alkoholverbot in der Innenstadt durchgesetzt. Während Anwohnern die Aktion entgegenkommt, fühlen sich Betroffene willkürlich behandelt. Corona spielt eine Rolle.
Update: Bamberg macht jetzt ernst und grenzt Alkohol auf den Straßen ab 20 Uhr nun ein.
Wie schon unzählige Abende zuvor hat sich Stefan Lehner (Name geändert) am vergangenen Donnerstag mit Freunden in der Sandstraße getroffen. Die Gruppe holte sich ihr "Stehbier" je nach Geschmack im Schlenkerla oder im Alt Ringlein. Neben Dutzenden weiteren Gästen in der lauen Sommernacht haben sich die Freunde unterhalten, gescherzt und zugeprostet. Alles normal eigentlich. Nur ist im Corona-Jahr nichts normal.
"Gegen 22 Uhr kamen vier Polizisten und haben uns eingekesselt. Dann wurden unsere Personalien aufgenommen - mit dem Hinweis, dass wir das nächste Mal 150 Euro Bußgeld bezahlen müssen", erzählt Lehner. Die Gruppe habe sich extra weiter weggestellt, um den Mindestabstand zu anderen Menschen einhalten zu können. Auf die Fragen, warum kontrolliert werde und was mit den Daten geschehe, habe ein Polizist geantwortet: wegen des Alkoholverbots in der Innenstadt. Und man solle sich an die Stadt wenden. Lehner fühlt sich vor den Kopf gestoßen: "Wir haben ja auch Bier und Pfand bezahlt. Wenn das Trinken verboten ist, müsste man im Prinzip auch den Straßenverkauf verbieten." Ein Freund Lehners wandte sich mit einer E-Mail an die Stadt. "Ich fühle mich als unmündigen Bürger diffamiert und habe für solche Maßnahmen kein Verständnis", heißt es in der Nachricht. "Anders wäre es, wenn entsprechende Informationen besser zugänglich wären, diese klar kommuniziert werden und es Hinweise vor Ort gäbe."
Polizeisprecher Thomas Fischer bestätigt großangelegte Kontrollen am Donnerstag und Sonntag vor allem an den "Hotspots" Untere Brücke und Sandstraße. Mehrere Personen erhielten eine Belehrung über das Alkoholverbot inklusive Platzverweis. Bußgelder seien bisher nicht verhängt worden. Sollten die aufgenommenen Personen aber dort erneut mit Alkohol angetroffen werden, drohen Strafzahlungen in Höhe von rund 150 Euro. Auf die Personendaten hätte nur die Polizeiinspektion Bamberg-Stadt Zugriff. Sie würden nicht im Zentralcomputer gespeichert. Nach einigen Wochen würden sie gelöscht.
"Massive Bürgerbeschwerden"
Die Aktion begründet Fischer unter anderem mit "massiven Bürgerbeschwerden". Auch die Stadtverwaltung spricht von "stapelweise Beschwerden". Solche gehen auch bei unserer Zeitung vermehrt ein. Von zunehmender Lärmbelästigung teils bis fünf Uhr morgens spricht ein Anwohner. Er fügt hinzu, dass Abstandsregeln seit Wochen nicht eingehalten würden. "Ist Corona jetzt vorbei?", fragte sich Anwohnerin Hannelore Langer-Lausmann. Und schickte uns ein Foto von Menschenmassen in der Sandstraße.
"Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Deshalb kann man das Problem nicht getrennt von Corona betrachten", sagt Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar. Praktisch lassen sich Abstände zu Personen außerhalb der derzeit drei erlaubten Hausstände allerdings kaum kontrollieren, erklärt Thomas Fischer von der Polizei. "Die jungen Menschen leben teilweise zu acht in Wohngemeinschaften, Studenten sind oft nur bei ihren Eltern gemeldet, das können wir alles schwer überprüfen." So scheint die Berufung auf das Alkoholverbot eine willkommene Begründung, die Abstandsregeln durchzusetzen - Polizei und Stadt bestätigen dies so allerdings nicht.