Musik in ländlicher Umgebung und unter freiem Himmel - Ältere schwelgen da schnell in Erinnerungen an das legendäre Woodstock-Festival im August 1969. Wenn Wetter und Stimmung passen, kann das Woodstock-Feeling auch in Bamberg aufkommen. Genauer gesagt in Wildensorg.

Das ist der Bamberger Stadtteil "hinterm Berg", wie Gastwirt und Rock-Fan Helmuth Heerlein selbst seinen zwar idyllischen, doch etwas abgelegenen Standort bezeichnet. Um immer wieder neue Gäste auf seine alt eingesessene Wirtschaft aufmerksam zu machen, veranstaltet er seit einigen Jahren zehn bis 15 Konzerte im großen Garten. Das Besondere an den Open-Airs ist: Die Musik gibt es als kostenlose Dreingabe.

Der Wirt machte vor Jahren aus der Not eine Tugend und engagierte am Feiertag Christi Himmelfahrt die "United Beat Band" (UBB). Inzwischen ist es Tradition, dass die Bamberger Gruppe am Nachmittag des so genannten Vatertags in dem Wildensorger Biergarten auftritt.


Für die Musiker sei das eine schöne Sache, sagt Harald Rost, der UBB-Bassist. Unter freiem Himmel und nachmittags zu spielen habe seinen besonderen Reiz. Atmosphäre und Publikum seien ganz anders als bei herkömmlichen Auftritten abends in einem Saal.

Rost erinnert sich gut an die Anfänge. Da sei "der halbe Garten voll Omas gewesen, die vor ihrem Kaffee und Kuchen saßen". Er weiß noch genau, dass ein Musiker "streiken" wollte, weil er befürchtete, die Damen würden bei den ersten Klängen die Löffel fallen lassen und gehen. Genau das Gegenteil muss eingetreten sein: Die Kaffeekränzchen "waren begeistert" und wünschten sich Hits von Chuck Berry und anderen Stars ihrer Jugendjahre.

Das Himmelfahrts-Konzert im Jahr 2000 bildete den Grundstock für eine Konzertreihe, die mit der Zeit immer umfangreicher wurde. Heuer gibt es 14 Musikveranstaltungen unterschiedlichster Art, auch Volksmusik und Jazziges.

Seit einigen Jahren geht der Jazzclub während seiner Sommerpause in der Oberen Sandstraße nach Wildensorg und veranstaltet seine Sessions im Juni, Juli und August - jeweils am ersten Mittwoch des Monats - im Heerlein-Garten. Mit einem Freiluft-Wohnzimmer vergleicht Session-Organisator und Pianist Harald Hauck den Biergarten als Bühne, weil alles so entspannt zugehe. Besucher haben freien Eintritt. Bis zu 400 finden im Garten Platz. Die Gagen für die Musiker und die anfallenden Gema-Gebühren berappt Heerlein aus eigener Tasche: "Wenn ich Glück hab', sind es genug Zuhörer und ich zahl' nicht drauf."

Sein Kalkül ist, das über 100 Jahre alte Traditionslokal mit Konzerten immer wieder bei potenziellen Gästen in Erinnerung zu rufen. Die Rechnung scheint im Großen und Ganzen aufzugehen. Dass der Umsatz nicht immer die Kosten deckt, nimmt der Wirt nach eigenen Angaben in Kauf, weil er sich selbst über die Musik vor seiner Haustür freut und weil er wisse, dass er vielen Leuten damit eine Freude mache.

Als Liebhaber von Rockmusik ist Heerlein heuer am meisten gespannt auf den 27. Juli. Dann kommt die Bamberger Band "Rebound Illusion & What about Carson" über den Berg nach Wildensorg. Sie bringt eine Musik mit, die sie selbst als Garagenrock der 70er Jahre bezeichnet.

Seit dem Jahr 2000 veranstaltet das Gasthaus Heerlein in Bamberg-Wildensorg kostenlose Garten-Konzerte. 14 sind es heuer, elf stehen noch bevor.

Die Termine:
30. Mai (Fronleichnam), 16 Uhr, "Pick Up" ("Handarbeit" von fünf Bamberger Freunde);
5. Juni, 18.30 Uhr, Jazz-Session; 15. Juni, 18 Uhr, "Wellblech" (Basmusik mit Pfiff);
16. Juni, 16 Uhr, "Boxgalopp" (Volksmusik mit X);
17. Juni, 18 Uhr "Wolpertinger" (Urform der Kirchweihmusik);
29. Juni, 17 Uhr "Second Try" (Blues und Rock unplugged);
3. Juli, 18.30 Uhr, Jazz-Session;
14. Juli, 16 Uhr, "TwoThree in Tune" (Musik der 70er 80er und 90er);
27. Juli, 16 Uhr, "Reborn Illusion & What about Carson" (70's Garagenrock);
3. August, 17 Uhr "Brand Old" (Uwe Gaasch und Waldi Bauer);
7. August, 18.30 Uhr, Jazz-Session.

Nur die Jazz-Sessions finden bei jedem Wetter statt. Die anderen Konzerte fallen bei Regen aus.