Überraschend war es nicht, was Gutachter Peter Helbig vom Büro für Stadtentwicklung Dr. Donato Acocella im Konversionssenat verkündete: Bamberg braucht dringend neue und vor allem qualitätvolle Gewerbeflächen.

Der Macher eines Gewerbeflächenentwicklungskonzeptes hatte die Situation im Auftrag der Stadt mit wissenschaftlichen Methoden unter die Lupe genommen und vor allem auch Unternehmen nach ihren Bedürfnissen gefragt.

Ergebnis: Helbig bezifferte das aufgelaufene Defizit an Gewerbeflächen mit rund 60 Hektar, die Hälfte davon könnte allein von Logistikunternehmen in Anspruch genommen werden. Nicht ganz neu ist auch die Feststellung, dass viele bestehende Gewerbegebiete durch konkurrierende Nutzungen, in der Regel Wohnen, langfristig gefährdet sind. Bamberg habe vor allem einen Mangel an Flächen, die schnell bebaut werden können, meint Helbig.


Großprojekt im Osten

Man muss wissen: Die Untersuchungen, die nicht ganz zufällig im Konversionssenat präsentiert wurde, stehen in einem engen Zusammenhang mit dem Großprojekt, für das derzeit ein Bebauungsplanverfahren im Bamberger Osten läuft. Die Pläne sehen vor, auf der ehemaligen US-Fläche von Schießplatz und Muna ein Gewerbegebiet zu entwickeln - mit einer Fläche von 85 Hektar, teilweise auf wertvollem Sandmagerrasen und dicht bewachsenen Waldflächen.

Doch das ist hoch umstritten. Nicht nur Naturschützer werfen sich dafür ins Zeug, die Eingriffe zu minimieren. Auch im Stadtrat zeichnet sich keine traute Einigkeit ab. Bislang sind es vor allem die Stadträte der CSU, die den bisher gefundenen Entwurf als Kompromiss verteidigen.

Zum Beispiel Christian Lange (CSU). Der Bürgermeister sah sich durch das Gutachten von Peter Helbig in seiner Meinung bestätigt, wie wichtig der Gewerbepark Geisfelder Straße für die wirtschaftliche Entwicklung Bambergs sein werde. Auch sein Kollege Peter Neller, Sprecher im Konversionssenat, betonte die überlebenswichtige Abhängigkeit Bambergs von Steuereinnahmen. Wörtlich sagte er: "Gewerbeflächen, Gewerbeflächen, Gewerbeflächen! Nur so ist das Thema in den Griff zu bekommen."

Freilich: Die CSU-Meinung blieb nicht unwidersprochen. Heinz Kuntke (SPD) mahnte eine Lösung in Übereinstimmung mit den Naturschutzverbänden an. Man könne die Bamberger Muna nicht sehenden Auges zupflastern und dafür den Wald abholzen, sagte Kuntke. Für ihn sind auch 72 Hektar Fläche noch zu viel. Diese Größenordnung war in der gleichen Sitzung als Kompromissvorschlag genannt worden.

Deutliche Kritik an der Forderung, Flächen auch für platzverbrauchende Logistikunternehmen anzubieten, formulierte GAL-Sprecherin Ursula Sowa. Sie zweifelt daran, dass Ansiedlungen von Unternehmen dieser Branche mit ihrer geringen Anzahl von Arbeitsplätzen und überschaubaren Steuereinnahmen das Opfer an "wertvollem Wald" rechtfertigen könnten.

Für diese Sichtweise hat auch die Bamberger Allianz starke Sympathien. "Logistiker passen eher in den Landkreis als in die Stadt", sagte BA-Sprecher Herbert Lauer.


Ideen der Schutzgemeinschaft

Gleichzeitig setzt sich die BA-Fraktion dafür ein, dass ein Vorschlag der Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg für die Muna ernsthaft geprüft wird. Die Denkmalschützer haben eine nach eigenen Angaben behutsamere Straßenführung vorgeschlagen, und sie möchten, dass die umfangreichen Zeugnisse der Bamberger Militärgeschichte auf dem Gelände erhalten bleiben.

Auch einen Arbeitstitel für ein kleinteiliges Viertel mit Kleingewerbe, Gastronomie, Läden und kleinen Outlets rund um die historischen Hallen gibt es bereits: "Muna-Village".