Sie wendet sich an die Zeitung, weil sie andere Menschen vor dem warnen möchte, was ihr passiert ist: Jutta P. (Name geändert) wurde Opfer von Betrug und Erpressung - am Computer. 180 Euro hat die Dame aus Bischberg dabei verloren, doch es hätte noch mehr sein können.

"Ich wurde angerufen von einem angeblichen Mitarbeiter der Firma Microsoft. Auf meinen Computer hätte ein Hackerangriff stattgefunden und Programme würden fehlerhaft laufen."

Eine typische Masche, wie Werner Mackert, Polizeihauptkommissar bei der Kripo Bamberg, weiß. Früher hätten die Betrüger noch englisch gesprochen, mittlerweile seien sie professioneller. Wie im Fall von Jutta P.: Die Person am Telefon wirkte fachkundig, sprach deutsch. Jutta P. folgte den Anweisungen, tatsächlich ploppte eine Fehlermeldung auf. "Dann kam die Nachricht, dass meine Lizenz abgelaufen ist." Der Anrufer forderte die Frau auf, für 180 Euro eine neue Lizenz zu kaufen.


Druck auf die Opfer

Auch das ist typisch, sagt der Kripobeamte. "Die machen den Leuten Angst, sagen, das Problem müsse gelöst werden." Dabei würden die Geschädigten oft zu Tastenkombinationen beziehungsweise Steuerungscodes angeleitet - und zack, schon taucht eine Meldung auf.

Spätestens als der Anrufer Geld gefordert hat, dämmerte es der Bischbergerin: Da stimmt was nicht. Nur: "Ich hatte Angst, dass die noch mehr auf meinem Computer kaputt machen!" Eine Sorge, die begründet ist. Werner Mackert, der in der Abteilung für Cybercrime bei der Kripo arbeitet, erläutert: "Häufig werden die Leute aufgefordert, ein Fernwartungsprogramm herunterzuladen. Damit können sich die Fremden auf den Computer zuschalten."


Tausende Euro Beute

Oft würden dann Kreditkartennummern und Online-Banking-Zugänge ausspioniert und missbraucht. "Da werden Transaktionen über mehrere 1000 Euro gemacht, was das Konto hergibt." Es geht noch weiter: "Fliegen die Betrüger auf und der Geschädigte reagiert nicht mehr, werden sie stinkig: Sie sperren den Rechner."

So schlimm kam es für Jutta P. nicht. Doch die 180 Euro für die angeblich neue Lizenz hat sie gezahlt, per Barüberweisung bei der Western Union Bank - ein Finanzdienstleister, bei dem Geldtransaktionen über Codes anonym durchgeführt werden können, sagt Mackert. Eine legale Angelegenheit.

Für Jutta P. kam die Überraschung am nächsten Tag: Der Microsoft-Mitarbeiter sei auf Reisen und hätte das Geld nicht abholen können, sie solle es erneut überweisen.

Stattdessen hat sie bei der Lunz Computersysteme AG in Bamberg angerufen. "Die haben gesagt, dass ich den Computer ausschalten und ihn neu aufsetzen lassen soll." Das hat die Bischbergerin direkt von der Firma erledigen lassen. Ihre Passwörter hat sie auch gleich geändert.

Siehe da: Die Betrüger wurden pampig. Am nächsten Tag wollten sie gleich wissen, warum der PC ausgeschalten worden sei.


Ermittlungen schnell eingestellt

Seitdem steht das Telefon nicht mehr still, mehrfach haben es die Fremden bei Jutta P. probiert. Doch sie legt nun sofort auf. Zwischenzeitlich hatte sie Anzeige bei der Polizei erstattet, die zu erwartende Mitteilung der Staatsanwaltschaft kam allerdings zügig: Die Ermittlungen gegen Unbekannt wurden eingestellt, weil nicht nachzuverfolgen.

Von der Polizei hat die Bischbergerin erfahren, dass die Kriminellen häufig mit gestohlenen Handys und wechselnden Sim-Karten arbeiten. Im Nachhinein "habe ich mich wahnsinnig aufgeregt, dass ich so dumm war." Aber: "Wenn man denen so in die Falle gegangen ist, weiß man nicht, wie man wieder rauskommt."

Dass der Fall von Jutta P. typisch ist, bestätigt Werner Mackert von der Kripo. "Wir haben ungefähr einmal die Woche jemanden, der sich wegen solcher Anrufer bei uns meldet." Viele würden das Gespräch mit den Betrügern zum Glück gleich abbrechen. Den Opfern bleibt dagegen meist nur der Gang zum Computerspezialisten.

"Hat man Fremden Zugriff zum PC gewährt, kann man nichts mehr retten. Da hilft aus Sicherheitsgründen nur plattmachen." Das sagt Christine Dicker, Mitglied des Vorstands der Lunz AG. Deren Hauptgeschäft sind zwar Firmenkunden, doch auch Privatleute kommen immer wieder vorbei. Die Fachfrau weiß aus dem täglichen Kampf mit "Trojanern", "Kryptoviren" und Hackerangriffen: "Diese Leute sind extrem gewieft und wirken kompetent."

Jutta P. aus Bischberg will die Geschichte für sich nun ad acta legen. Das eingezahlte Geld ist futsch, und die Reparatur des Rechners war natürlich auch nicht umsonst. "Jetzt muss ich halt woanders sparen." Und ans Telefon geht sie seitdem sehr viel vorsichtiger.


Tipps von Experten

Christine Dicker und Werner Mackert geben Tipps, wie man sich selbst schützen kann.

Anrufe: (Angebliche) Microsoft-Mitarbeitern rufen nicht einfach so bei jemanden an, sondern der Support meldet sich meist per Mail und nach vorausgehender Anfrage.

Fernwartung: Niemals Fremden Zugriff auf den eigenen Rechner oder Laptop gewähren. Die sogenannte Fernwartung sollte nur Menschen gestattet werden, die man persönlich kennt.

Datensicherung: Wichtig: regelmäßig und nicht nur auf USB-Sticks, die häufig verwendet werden. Geeignet sind externe Festplatten, die nicht dauerhaft am Computer eingesteckt sein sollten. Muss ein betroffener PC neu aufgesetzt werden, sind alle auf ihm befindlichen Daten verloren.

Aufmerksamkeit: Die kriminellen Betrüger werden immer raffinierter und verwickeln die Geschädigten durch Panikmache (Computer sei virusverseucht/Lizenz abgelaufen) ins Gespräch. Am besten sofort den Hörer auflegen.