Am 12. Mai findet die konstituierende Sitzung des Kreistags statt. Darauf wird in diesen Tagen viel verwiesen, wenn man nach dem möglichen Stellvertreter von Johann Kalb (CSU), dem neu gewählten Landrat, fragt. Auch von Kalb heißt es: Warten wir den 12. Mai ab. Kolportiert wird zur Zeit viel. Dass alle Fraktionen im Kreistag gerne einen von möglichen zwei Stellvertretern stellen wollen, ist kein Geheimnis.

Doch aussichtsreichster Kandidat ist Johann Pfister vom Bürgerblock (BBL). Der bisherige Stellvertreter könnte auch in Zukunft der erste Mann hinter Kalb bleiben. Pfister selbst sagt, dass er zur Verfügung stünde, doch müsse eben der 12. Mai abgewartet werden. "Die Mehrheit im Kreistag wird das bestimmen."

CSU wird umgarnt

Die Mehrheit hätte die CSU mit ihren 27 Sitzen plus der Stimme des Landrats mit jeder Fraktion im Kreistag.
Auch mit den sieben Sitzen des Bürgerblocks. In der Konstellation könnte die CSU selbst einen möglichen zweiten Stellvertreter des Landrats stellen. Auch hier wird bereits ein Name ins Spiel gebracht: Rüdiger Gerst. Dass es wohl Gerst sein wird, hat die CSU so beschlossen, bestätigt auch Fraktionsvorsitzender Wolfgang Möhrlein. Die Frage, mit wem man zusammenarbeiten wolle, ist stark an die Person des Stellvertreters geknüpft. Möhrlein: "Es könnte sein, dass es beim bisherigen Stellvertreter bleibt." Heißt also: Zusammenarbeit mit dem Bürgerblock.

Sehr zum Leidwesen der SPD. Die spricht sich als zweitstärkste Fraktion (10 Sitze) für eine Zusammenarbeit mit der CSU aus und schielt natürlich auch auf einen Stellvertreter-Posten. Die SPD schlägt vor, die Fraktionsgrößen und die Stimmenanteile bei der Wahl zu berücksichtigen. "Deshalb liegt das Vorschlagsrecht für einen Stellvertreter bei der CSU", sagt Jonas Merzbacher. Warum die CSU dieses Recht abtritt, sollte Pfister Stellvertreter werden, sei nicht nachvollziehbar. "Man muss auch mal den Wählerwille sehen", sagt Merzbacher.

"Ich freue mich über die große Fürsorge", erwidert CSU-Kreisvorsitzender Thomas Silberhorn die SPD-Kritik. Doch auch er spricht sich für eine Zusammenarbeit mit dem Bürgerblock aus: "Wir können mehr fordern, aber wir sind uns im Klaren, dass es am Ende um Stabilität geht." Die CSU könne auch inhaltlich mit dem Bürgerblock auf ein bewährtes Pferd setzen - das sei wichtig.

Hat FW/ÜWG Anspruch?

Neben der SPD wirft auch die Freie Wähler/Überparteiliche Wählergemeinschaft den Hut in den Ring. Schließlich geht die FW/ÜWG gestärkt aus der Kreistagswahl hervor: Sie konnte ihre Sitze auf acht verdoppeln. Damit ist sie drittstärkste Fraktion. "Wir haben ein Angebot an die CSU gemacht", bestätigt Bruno Kellner. Doch die Aussichten auf eine Zusammenarbeit mit der CSU sehen ebenso wie bei der SPD eher mau aus.

Vor sechs Jahren haben Freie Wähler und SPD Johann Pfister zum stellvertretenden Landrat gemacht, nun scheint es so, dass sie nicht mehr hinter dem Mann vom Bürgerblock stehen. Die SPD hält es für einen Fehler, einen Kandidaten des Bürgerblocks in das repräsentative Amt zu heben. "Der stellvertretende Landrat repräsentiert schließlich den ganzen Kreistag", gibt Jonas Merzbacher zu bedenken.

Der Bürgerblock hat - wie im Übrigen auch die SPD - bei der Wahl im März einen Sitz verloren. Und ist nur noch viertstärkste Kraft im Kreistag. Johann Pfister führt den Sitzverlust darauf zurück, dass der Bürgerblock als einzige Gruppierung keinen Landratskandidaten gestellt hatte. Wahlwerbung hätten die anderen deshalb viel mehr gemacht. Pfister habe dennoch über 25 000 Stimmen bekommen. Ist das Legitimation genug?

Grüne fordern eine Frau

Für die SPD wohl nicht. Die Sozialdemokraten könnten sich auch eine Frau als stellvertretende Landrätin gut vorstellen. Auch aus den Reihen der CSU. Auch dort gibt es Stimmen, die eine Frau befürworten würden - die Fraktion hat aber offensichtlich anders entschieden.

Einen CSU-Stellvertreter fänden wiederum die Grünen nicht so gut. "Der Kreistag ist sehr bunt, entsprechend sollten da die Stellvertreter von den verschiedenen Gruppierungen kommen", sagt Bernd Fricke. Die Fraktionen sollten sich auch bei der Frage nach dem zweiten Stellvertreter überlegen, ob nicht eine Frau für die Position die richtige wäre. Auswahl hätten die Grünen mit Helga Biberstein, Barbara Müllich und Gerlinde Fischer reichlich.

Die Aussichten, dass eine Frau in eine der beiden Positionen kommt, sind jedoch gering. Die CSU scheint sich schon festgelegt zu haben. Auf zwei Männer. Mehr aber am 12. Mai.