Am Tag nach der Durchsuchungsaktion läuft der Betrieb in der Praxis des Allgemeinarztes und Homöopathen Dr. Ernst Trebin weiter. Allerdings technisch stark eingeschränkt, weil zu diesem Zeitpunkt noch die Internet-Verbindung gekappt ist, Computer, Laptop und Karteikarten wurden beschlagnahmt.

"Derzeit werden von der Staatsanwaltschaft Bamberg Ermittlungen wegen des Verdachts der Ausstellung und des Gebrauchs unrichtiger Gesundheitszeugnisse im Zusammenhang mit der Verwendung von Mund-Nasen-Schutz (Masken) geführt", teilt auf unsere Nachfrage Alexander Baum, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, mit. Am Dienstag seien in diesem Zusammenhang drei Arztpraxen im Raum Bamberg und eine in Erlangen durchsucht worden. Die Staatsanwaltschaft bittet jedoch um Verständnis dafür, "dass aufgrund der noch andauernden Ermittlungen derzeit keine weiteren Auskünfte gegeben werden können". Nach Informationen, die der Redaktion vorliegen, wurden auch mehrere Privatgrundstücke in Stadt und Landkreis Bamberg durchsucht.

"Es kam nicht ganz unerwartet", sagt Trebin, der für kritische Positionen in der Bewertung von Corona-Maßnahmen bekannt ist. "Einige maskenbefreiende Atteste waren vor anderthalb Wochen bei einer Demonstration am Maxplatz einkassiert worden." Der Arzt habe auch schon mit zwei seiner Attest-Empfänger gesprochen, deren Grundstück ebenfalls durchsucht worden ist, "noch viel schärfer als bei mir, in einem Fall vier Stunden lang".

Mit den an der Durchsuchung beteiligten Beamten habe Trebin "freundlich kooperiert, denn die tun auch nur ihre Pflicht". Seinen Praxiscomputer sollte er wiederbekommen, sobald sich die Ermittler relevante Daten kopiert haben. Dass sie bis dahin auch Zugriff auf die Befunde vieler anderer Patienten einsehen konnten, hält Trebin aber für "nicht mehr verhältnismäßig".

Für ihn handelt es sich bei den ausgestellten Befreiungen von der Maskenpflicht "keinesfalls um Gefälligkeitsatteste, denn so etwas darf ich als Arzt nicht ausstellen". Er habe die Patienten gründlich untersucht und wegen gesundheitlicher Probleme, etwa Panikattacken oder Luftnot, gut begründete Befreiungen erteilt.

Entsprechende Bescheinigungen habe er nur in einigen wenigen Fällen ausgestellt "und ich will nun auch nicht zum großen Attest-Schreiber werden". Für Trebin erscheinen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft als Teil einer landesweiten Kampagne: "Wir sollen erschreckt und gefügig gemacht werden." Auch ein anderer Allgemeinarzt aus dem Landkreis Bamberg, dessen Praxis ebenfalls durchsucht worden ist, weist den Vorwurf, Gefälligkeitsatteste geschrieben zu haben, entschieden zurück. Alle Atteste seien nach gründlicher Untersuchung aus gesundheitlichen Gründen ausgestellt worden.

In den zugrunde liegenden Durchsuchungsbeschlüssen ist jedoch nach Informationen der Redaktion von "offensichtlichen Gefälligkeitsattesten" die Rede. So sei eine der Attest-Empfängerinnen auch schon mehrfach Maske tragend gesehen worden. Und einer der beschuldigten Mediziner sei bereits in Parallelverfahren in ähnlichem Zusammenhang aufgefallen.

Auch das Umfeld schützen

Dr. Georg Knoblach vom Ärztlichen Kreisverband möchte sich im laufenden Ermittlungsverfahren weder zu den betroffenen Praxen, noch zur Verhältnismäßigkeit der Durchsuchungsmaßnahmen äußern. Sein Kreisverband vertrete aber die Linie von Bundes- und Landesärztekammern, wonach auf die geltenden Hygienebestimmungen, auf Abstand und das Tragen von Mund-Nasen-Schutz zu achten ist. "Ärzte müssen stets nach bestem Wissen und Gewissen urteilen."

Wer Gefälligkeitsatteste schreibe, gefährde nicht nur die Patienten, sondern auch deren Umfeld. "Und dann muss man schon auch fragen: Wenn jemand so schwer krank ist, dass er keine Maske tragen kann, darf der dann überhaupt noch auf die Straße, ohne sich selbst zu gefährden?", fragt Knoblach.

Sollten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft am Ende zu einer Verurteilung führen, drohen durchaus hohe Strafen: Wer "ein unrichtiges Zeugnis über den Gesundheitszustand eines Menschen ausstellt", wird laut Paragraf 278 des Strafgesetzbuches "mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft". Und wer von einem solchen Zeugnis Gebrauch macht, muss ebenfalls mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe (maximal ein Jahr) rechnen.

Trebin geht jedoch davon aus, dass er keinesfalls solche Strafen fürchten muss: "Ich habe mich der Beschwerden der Patienten vergewissert und meine Pflichten erfüllt."