"Achtung Igel!" Das weiße Zeichen mit rotem Rand ist Programm. Igel-Gehege und Beherbergungen, Igel-Wasserschalen. Igel-Skulpturen. Igel-Bilder. Und, natürlich, ein Igel-Aufkleber auf dem Auto in der Garage. Marion Hymon-Löffler ist die Igel-Fachfrau in der Region Bamberg. Seit die legendäre Bamberger Wildtierexpertin und Igelmutter Anneliese Markert vor 20 Jahren eine Nachfolgerin suchte, ist die Trabelsdorferin in diese Rolle hineingewachsen.

Aber wie ist es überhaupt dazu gekommen? Vor weit über zwei Jahrzehnte hatte sich ein Igel bei der Trabelsdorferin in einem Netz im Garten verfangen und verletzt. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Bei ihren Recherchen stieß sie schließlich auf Anneliese Markert, die ihr entsprechende Tipps gab. Die Trabelsdorferin hatte diese wohl ganz gut umgesetzt, das Tier genas. Weshalb die Bambergerin im Anschluss fragte, ob die Trabelsdorferin im Herbst ein paar Igel nehmen würde.

Auch die schafften es. "Ich hatte da Anfängerglück", meint Marion Hymon-Löffler nun. Im Jahr darauf gab Anneliese Markert ihr ein paar mehr Igel und zwar für den Winterschlaf. Auch sie schafften es alle. Das mündete letztlich in Anneliese Markerts Frage, ob Hymon-Löffler ihre Igel-Nachfolgerin werden wolle, weil sie dieses Engagement aus Altersgründen einstellen müsste. Das war's.
In den folgenden zwei Jahrzehnten hat die neue Igelmutter sich eine ganze Menge weiteren Spezialwissens angeeignet und vertieft dies über den Verein Pro Igel, bei dem sie Mitglied ist und die regelmäßigen Informationen und Fachtagungen schätzt.

Nahezu professionell ausgestattet ist deswegen der beheizte Raum in Trabelsdorf, in dem kranke oder schwache Tiere in genormten Igelboxen untergebracht sind. "Nur in Einzelhaltung ist eine vernünftige medizinische Versorgung möglich, abgesehen davon, dass Igel Einzeltiere sind", erklärt die Igelmutter. Sie führt genau Buch über ihre stacheligen Gäste: Zu jedem gibt es eine Art Karteikarte mit den wichtigen Daten. Neben Informationen zu Fundort, Finder, Befinden und Gewicht bzw. Gewichtsentwicklung, wird über Medikamentengabe Buch geführt. Ein zentrales Gerät im Igelzimmer ist übrigens die Digitalwaage. Denn vieles, was bei Igeln zu beachten oder zu veranlassen ist, hängt mit dem Körpergewicht zusammen, zeigen die Ausführungen der engagierten Tierschützerin. "Jeder Igel hat sein Protokoll."

Das Maximalgewicht eines männlichen Igels liegt bei etwa 1500 Gramm. Welches Gewicht zu welchem Zeitpunkt unbedenklich ist, hängt von vielen Faktoren ab, die man man entsprechend interpretieren können muss.

Etwa beim Winterschlaf: Das Tier braucht ausreichend Gewicht, um während der Schlafphase davon zehren zu können, denn dabei verliert es 30 Prozent. Es handle sich übrigens um eines der wenigen Säugetiere, das eine solche Phase hat. Zur Ruhe legen sie sich mit sinkenden Temperaturen etwa im November. Die Aufwachphase orientiert sich analog an steigenden Außentemperaturen, meist ist das Ende März bis Ende April. Im Winterschlaf, so führt die Igel-Kennerin aus, sinke die Körpertemperatur von 35 auf 5 Grad. Das Herz schlägt statt 250 bis 280 mal pro Minute nur noch zwei bis zwölf Mal.
Wenn man derzeit nun auf einen Igel stößt, der stark zittert. So sei das ganz normal: "Er befindet sich dann in der Aufwachphase, die fünf bis zwölf Stunden dauert. Durch das Zittern werden die Muskeln erwärmt."

Der Laie ahnt, wie komplex das Thema Igel ist. Ganz wichtig, und darauf verweist die Igel-Kennerin immer auch bei ihren Touren durch Schulen: "Der Igel ist ein Wildtier und darf der Natur nicht ohne wichtigen Grund entnommen werden." Und: Er muss nach Genesung oder Winterschlaf wieder dorthin gebracht werden, wo er gefunden bzw. aufgenommen wurde, weil es sich um Reviertiere handelt. Wenn das Revier allerdings an einer viel befahrenen Straße wie dem Berliner Ring liegt, mache es wenig Sinn das Tier dorthin zurück zubringen. Die Tiere laufen innerhalb des Reviers bei der Nahrungssuche nacht s bis zu drei Kilometer, das sollte man in Sachen Revier berücksichtigen, erklärt sie.

Im Laufe der Jahrzehnte hat die Trabelsdorfer Igelmutter Hunderte von Igeln betreut, gepflegt, gefüttert und Schlafstätten gegeben.

Dankbar ist sie solchen Leuten, die mit einfachen Mitteln Igeln über den Winter helfen. Sie füttern oder ihnen Schlafstätten stellen. Die müssen nur trocken, isoliert und einbruchssicher sein, das heißt , dass etwa Katzen den Tieren nicht zu Leibe rücken können. Etwas Wasser und Katzenfutter und dann ist der einfache Igel schon zufrieden.

Die schwierigen Fälle, die sie selbst über Monate betreut und pflegt, schlafen (also in den Winterschlaf) legt und aufweckt, sind da schon verwöhnter. Kein Wunder, dass sie sich da auskennt, denn selbst Igelsäuglinge hat sie schon hochgepäppelt: "Die zwitschern wie kleine Vögel, wenn sie Hunger haben."

Im Lauf der Jahre hat die Trabelsdorferin auch mit verschiedenen Tierärzten zusammen gearbeitet und wird auch Vogelschutzbund oder Bund Naturschutz zu Rate gezogen. Seit dem Jahr 2006 steht sie im Bereich Igel auf der vom Landratsamt geführten Zuständigkeitsliste.

Was motiviert sie, jeden Tag etwa drei Stunden ihrer Zeit diesen stacheligen Gesellen zu widmen, die für den Laien doch irgendwie alle gleich aussehen?

"Dass sie gleich aussehen, das stimmt nicht, da gibt es deutlich Unterschiede, die man allein schon an der Stacheligkeit erkennt." Ihre Motivation bezieht sie aus der Freude zu beobachten, wie schwache, oder verletzte Igel wieder zurück ins Leben kommen und zu kräftigen Tieren werden.

Wer Fragen zu Igeln hat, oder auch seinen Garten als Igel-Winterquartier zur Verfügung stellen oder anderweitig helfen möchte (etwa Gehege oder Schlafstätten bauen etcetera) kann sich unter Telefonnummer 09549/7755 an die Trabelsdorfer Igelmutter wenden.