Es ist ein Novum in der Walsdorfer Geschichte, entspricht aber dem Ehrgeiz von Kämmerer Peter Greiner-Fuchs, dem Gemeinderat bereits vor Beginn des neuen Geschäftsjahres den Haushaltsplan 2014 entscheidungsreif zu präsentieren.

Die Mitglieder des Gremiums gingen gut informiert in die Sitzung. Jeder hatte die Möglichkeit sich schon im Vorfeld der Beratung mit dem umfangreichen, detaillierten Zahlenwerk vertraut zu machen. Auch mit der Problematik, die dieser Haushalt mit sich bringt.

Vor dem Hintergrund dramatisch einbrechender Gewerbesteuereinnahmen - der Ertrag wird sich mit 260 000 Euro im Vergleich zu den Vorjahren halbieren -, und Transferaufwendungen in Höhe von 1 477 945 Euro hatte bereits die Kommunalaufsicht im Juni diesen Jahres empfohlen, den seit 25 Jahren unveränderten Hebesatz der Gewerbesteuer von 300 auf 380 v. H. zu erhöhen.


Die Erhöhung war natürlich auch ein Thema im vorberatenden Finanzausschuss. Kämmerer Greiner-Fuchs sah über den Tellerrand hinaus. Ein Vergleich mit den Nachbarkommunen habe einen Durchschnittswert von 341 v. H. ergeben. Er nannte beispielhaft die Gemeinde Bischberg, die ihren Steuersatz von 330 auf 400 v. H. erhöht habe, ohne dass dieser Schritt negative Auswirkungen nach sich gezogen habe.

"Abgewandert ist deswegen niemand", so der Kämmerer. Zwar sei eine Erhöhung auf 380 v. H. unschädlich für Personengesellschaften - und man habe sich jeden einzelnen Walsdorfer Betrieb angesehen - aber ein so drastischer Schritt müsse es nicht unbedingt sein.

Greiner-Fuchs plädierte für einen moderaten Anstieg auf 330 v. H. Damit würde der Hebesatz für die Gewerbesteuer das seit 2005 unveränderte Niveau der Grundsteuer erreichen. "Um eine solch erträgliche Erhöhung kommen wir allerdings nicht herum." Dieser Auffassung schloss sich das Gremium mit einer Ausnahme an: Gemeinderat Eduard Stärk stimmte gegen eine Erhöhung.

Der Hebesatz von 330 v. H. war damit Teil der Haushaltssatzung, die im Ergebnishaushalt mit einem Minus von 31 339 Euro und im Finanzhaushalt mit einem Defizit von 212 994 Euro abschließt. Der Finanzplan aus der laufenden Verwaltungstätigkeit schloss im Jahr 2012 mit einem positiven Saldo von 576 435 Euro ab. Ein genaues Ergebnis für 2013 ist erst nach der Erstellung des Jahresabschlusses ersichtlich.


Kredite sind nicht vorgesehen

Kredite für Investitionen sieht die einstimmig verabschiedete Satzung nicht vor. Die Pro-Kopf-Verschuldung reduziert sich bis Ende 2014 von 165 auf 148 Euro und soll planmäßig im Jahr 2017 unter 100 Euro je Einwohner sinken.

Der hohen finanziellen Belastung im kommenden Jahr will die Gemeinde durch den Verkauf von Bauplätzen im Baugebiet Mainleite sowie der Veräußerung des alten Rathauses begegnen. Weiterhin steht als Einnahme noch der Verkauf der Alten Mühle aus dem jetzt laufenden Jahr aus.

Der von der Verwaltung und dem Bauhof aufgestellte Maßnahmenkatalog enthält unter anderem die Anschaffung von Digitalfunkgeräten für die Feuerwehren mit 20.000 Euro, Unterhaltsmaßnahmen für die Schule und die gemeindlichen Spielplätze, Ersatzbeschaffungen für die Fun-Arena mit 10.000 Euro sowie Planungskosten für die Sanierung der Herzogscheune und des Herzoghauses. Auch die vom Gemeinderat erarbeiteten Ziele für die Teilhaushalte wurden im Gesamtprodukt berücksichtigt. Im laufenden Jahr konnten von 99 geplanten Maßnahmen über 70 auch realisiert werden.

"Der Haushalt ist verabschiedet, jetzt muss er gelebt werden", so Bürgermeister Heinrich Faatz, der eine Durststrecke von rund zwei Jahren prognostizierte, bis sich das Blatt dann ab 2015 wieder zum positiven wendet.