Es ist wieder ein echtes Schmuckstück geworden: Das Landhaus, das der fürstbischöfliche Beamte Johann Ignaz Michael Tobias Böttinger (1675-1730) in den Jahren 1723 bis 1727 in Stegaurach errichten ließ. 2016 hat die Gemeinde Stegaurach das Gebäude samt Garten (beide unter Denkmalschutz stehend) auf etwa 5600 Quadratmeter Grund mitten in Stegaurach für etwa 1,2 Millionen Euro erworben.

Zuvor hatte jahrzehntelang eine ortsansässige Metzgerei in den Räumen des auch Böttinger-Schlösschen genannten Anwesens ihre Wurst- und Fleischwaren hergestellt.

Zuletzt wurde das Gebäude umfassend renoviert, was im Sommer 2020 weitgehend abgeschlossen war. Das Böttinger'sche Landhaus kann nun den Kern des künftigen "neuen" Rathauses bilden, wenn die Gemeindeverwaltung in diesem Jahr nach und nach aus dem benachbarten alten Rathaus aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts umziehen wird.

Die ersten Hochzeiten fanden bereits im Böttinger Schlösschen statt

Noch haben keine Mitarbeiter die Büroräume im Landhaus bezogen. Die Möblierung fehlt noch, aber im Frühjahr sollen Bürgerbüro, Einwohnermelde- und Standesamt den Anfang machen, so Bürgermeister Thilo Wagner. Am 11. September hat jedoch bereits die erste Trauung im Trausaal stattgefunden, sieben oder acht weitere folgten seither in dem zum Garten hin gelegenen großen Salon des Landhauses mit der restaurierten Stuckdecke, der zuvor Teil der Wurstküche gewesen war.

Unter dem ausgebauten Dach ist der neue Sitzungssaal entstanden. Dem 21-köpfigen Gemeinderat blieb der Zutritt wegen Corona bislang verwehrt. Dafür durfte der Bauausschuss am 14. Dezember den Anfang machen. Allerdings noch an Tischen und Stühlen aus dem alten Sitzungssaal. Weitere Ausschusssitzungen werden folgen. Der Bürgermeister ist ganz angetan von der hervorragenden Akustik des Raumes.

Barrierefreiheit für den Sitzungssaal

Im Gegensatz zum bisherigen Sitzungssaal ist der neue barrierefrei erreichbar. Über einen ebenerdigen Seiteneingang geht es zu einem Aufzug, mit dem die beiden Ebenen des Böttinger'schen Landhauses erschlossen werden. "Dem Architekten ist es sogar gelungen, den Aufzug so gut einzupassen, dass nicht einmal eine Ausbuchtung im Dach nötig wurde", berichtet Wagner begeistert. Im alten Rathaus waren nur das Bürgerbüro und das Ordnungsamt ebenerdig zugänglich, die beiden Verwaltungsebenen darüber waren nur über Treppen zu erreichen.

Für alle Ämter ist im Schlösschen allerdings nicht genug Platz. Es gibt aber schon länger Überlegungen ein Nebengebäude auf der rechten Seite des ehemals dreiflügeligen Landhaus-Anwesens (neben dem Wohnhaus gab es ursprünglich auch Stallungen und andere Wirtschaftsgebäude) zu errichten. Auf der linken Seite stehen bereits das alte Rathaus, das eventuell später zu einem Büro- oder Ärztehaus umgebaut werden könnte, sowie das Pfarrheim, das 2011/12 neu erbaut wurde. Die Wirtschaftsgebäude auf der rechten Seite waren 1926 abgebrannt. Dort, wo ein Rathausanbau entstehen könnte, hat seitdem die Metzgerei lediglich Kellerräume gebaut, deren Mauerwerk etwa einen Meter hoch aus dem Boden ragt. "Wäre schön, wenn wir bald beginnen könnten", meint der Bürgermeister. Doch dazu muss erst der gesamte Prozess durchlaufen werden, den städtebauliche Förderprogramme vorschreiben.

Aus dem Barockgarten soll ein öffentlicher Park werden

Darum soll es bei der Renovierung des Anwesens zunächst mit dem Garten weitergehen. Der am Hang gelegene Barockgarten auf zwei Terrassen mit Treppen und Brunnen war von Böttinger und seinen Nachfahren, die das Landhaus bis 1797 besaßen, allerdings nie fertiggestellt worden. Dennoch ist auch hier der Denkmalschutz gefordert, bis einmal ein großer öffentlicher Park im Herzen Stegaurachs eröffnet werden kann.

Gekostet hat der Umbau des Schlösschens zum Rathaus im Landhausstil bisher rund zwei Millionen Euro. Dank Städtebauförderung und Denkmalschutzprogrammen beläuft sich der Eigenanteil der Gemeinde laut Wagner auf etwa eine dreiviertel Million Euro.