Es war gegen drei Uhr an einem Sonntagmorgen im vergangenen Herbst: Die junge Frau liegt in ihrem Bett, als sie Schritte in ihrer Wohnung wahrnimmt. Sie entdeckt einen Eindringling - ein flüchtiger Bekannter, der sich Zugang zu ihrer Wohnung verschafft hat.

Dann kommt es zur Auseinandersetzung. Der Mann lässt nicht ab von der Frau, er ist stark alkoholisiert und steht - wie sich später herausstellt - unter dem Einfluss von Crystal. Der Eindringling geht brutal vor, hält die Frau am Hals fest, weil er sie auch "sexuell angehen will", so schildert es Staatsanwalt Matthias Kröner in seinem abschließenden Plädoyer in dem Prozess gegen den 27-Jährigen.

Angeklagte präsentiert sechs Versionen

Der Mann aus Bamberg musste sich am Dienstag vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts Bamberg unter Vorsitz von Richter Manfred Schmidt wegen Vergewaltigung, vorsätzlicher Körperverletzung und Hausfriedensbruch verantworten. Staatsanwalt Kröner machte am Ende der Verhandlung deutlich, dass es wenig erhellend war, was der Mann zur Aufklärung der Tat beigetragen hatte: "Wir haben vom Angeklagten insgesamt sechs unterschiedliche Versionen zum Tathergang erhalten."

Die verschiedenen Versionen erzählte dieser der Polizei, dem Ermittlungsrichter und dem Gericht. Einmal wollte er sich aufgrund seines Alkoholkonsums in der Nacht an nichts mehr erinnern. Und mal gab er an, dass er nach dem Besuch einer Diskothek im Landkreis Bamberg direkt nach Hause gelaufen sei. Dann sagte er, er wollte sich bei dem späteren Opfer ein Fahrrad stehlen, um nach Hause zu radeln. Später waren es Zigaretten und Geld, die er mitgehen lassen wollte. Einmal gab er auch ein Gerangel mit dem Opfer zu, bestritt aber, sexuelle Absichten gehabt zu haben.

Frau wehrte sich mit dem Knie

Der Aussage standen die Ergebnisse der Spurensicherung entgegen. Laut dem rechtsmedizinischen Gutachter hat sich der Mann an der Frau vergangen. Dafür sprachen auch DNA-Spuren, die am Körper des Opfers gefunden wurden. Sowohl die Frau als auch der 27-Jährige hatten Kratzer und weitere Verletzungen am Körper. Der Mann zog sich einen Nasenbeinbruch zu, da die Frau ihm das Knie ins Gesicht rammte - daraufhin soll er geflüchtet sein.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit berichtete die inzwischen 25-Jährige dem Gericht von der Peinigung. Die Nase des Mannes ist wieder verheilt, die Frau leidet noch heute massiv unter den Folgen: Sie hat ihre Ausbildung abgebrochen, ist ein komplett anderer Mensch geworden. Sie habe Angst in ihrer eigenen Wohnung, schilderte Rechtsanwalt Thomas Drehsen, der die Nebenklägerin vertrat.

Richter: Albtraum für jede Frau

"Es ist ein Albtraum für jede Frau, wenn sie nachts aufwacht und plötzlich steht ein Mann neben ihr", sagte Richter Manfred Schmidt. Für das Gericht wog der Hausfriedensbruch mindestens genauso schwer wie die Vergewaltigung, die der Mann weiterhin abstritt. Gericht und Staatsanwaltschaft hielten das Opfer für glaubhaft. Dem Angeklagten stellte der psychiatrische Sachverständige eine verminderte Intelligenz aus, sprach aber auch davon, dass zum Tatzeitpunkt eine Bewusstseinsstörung nicht auszuschließen sei.

Von einer "Rauschtat" sprach deshalb Dieter Widmann: "Ich glaube ihm, dass er sich nicht mehr erinnern kann", sagte der Pflichtverteidiger und plädierte auf zwei Jahre Haft auf Bewährung für seinen Mandanten. Dem widersprach der Richter. Eine "Rauschtat" und dadurch "Schuldunfähigkeit" des Mannes sei widerlegt durch die Aussagen der Kriminalbeamten, die den Angeklagten in der Nacht festgenommen hatten: Der Mann sei trotz 2,2 Promille und Metamphetamin im Blut bei Verstand gewesen.

Was außerdem gegen den Mann sprach, war die Tatsache, dass er schon eine ähnliche Tat begangen hatte, für die er bereits verurteilt worden war. Mildernd wurde dagegen gewertet, dass er selbst Opfer einer möglichen Vergewaltigung im Vollzug wurde.

Entschuldigung am Ende

Am Ende des Prozesses wurde der Mann zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Gericht hielt sich an den Antrag der Staatsanwaltschaft. Der 27-Jährige muss außerdem insgesamt 7000 Euro an das Opfer zahlen, sollte das Urteil rechtskräftig werden. Er entschuldigte sich vor Gericht beim Opfer. Doch auch hier kamen bei den Richtern Zweifel auf, ob dahinter echte Reue steckte.