Am Samstag weihte Erzbischof Ludwig Schick vier Männer durch Handauflegung und Gebet zu Priestern. Nach der Zeremonie im Dom gab es Blasmusik und Bratwürste.
Domorganist Markus Willinger zog noch alle Register, um das "Te Deum" jubelnd ausklingen zu lassen. Die Orgeltöne mischten sich mit zünftiger Blasmusik: Am hinteren Domeingang spielte der Musikverein Neufang den Marsch "Zwei Rosen". Ein musikalischer Blumengruß an einen aus ihrem Heimatort. An Michael Gräf, der soeben mit Alexander Brehm (Wallenfels), Dieter Jung (Ebensfeld) und Sven Raube (Ebermannstadt) zu Priestern geweiht wurde.
Zahllose der über tausend Besucher des Weihegottesdienstes schoben sich durch die Gasse zur Dompropstei. Dort wollten sie den Neupriestern gratulieren und sich mit Bratwürsten nach der fast dreistündigen Feier stärken. Noch war es Hendrikje Machate nicht gelungen, sich durch die Menschenmassen einen Weg zu bahnen. Doch die 20-jährige Germanistik- und Philosophiestudentin strahlte dennoch: "Toll, so viele Menschen zu so einem Anlass", freute sie sich. Es sei für sie bewegend, gerade miterlebt zu haben, "wie vier junge Männer diesen Weg zum Priester beschreiten in heutiger Zeit", bekannte Hendrikje. "Es werden gute, heilige Priester gebraucht, die fest im Glauben stehen", fügte sie hinzu. Nein, verwandt oder bekannt sei sie mit keinem der Neupriester. Doch sie habe noch die eine Priesterweihe erlebt, "und die wollte ich mir nicht entgehen lassen", lachte die gebürtige Erfurterin.
Auch Christian Körber versuchte, seine Gratulation an die Männer zu bringen. Dabei war der 34-Jährige hautnah im Dom dabei. Selber Priesteramtskandidat durfte er mitwirken im liturgischen Dienst: "Je näher man an den eigenen Weihetermin hinrutscht, desto genauer hört man hin", fasste Körber das Erlebte zusammen. Damit meinte er vor allem die Predigt von Erzbischof Ludwig Schick, in der dieser den Neupriestern kein rosarotes oder himmelblaues Leben in der besonderen Nachfolge Jesu versprach. Vielmehr nahm der Erzbischof Begriffe wie "Verfolgung und Bedrängnis, Stress, Anforderungen" in den Mund. "Tut was ihr tun könnt. Erkennt, dass unser Heiland in euch als Priester, Lehrer und Hirte wirkt. Mehr ist nicht verlangt", ermutigte Erzbischof Schick die Vier. Als wichtigsten Dienst des Priesters nannte er die Eucharistiefeier: "Macht die Eucharistie zum Herzstück eures Lebens und eurer pastoralen Tätigkeit", forderte der Erzbischof. Eucharistische Priester seien "zufriedene Priester und gute Seelsorger", erklärte er.
Die verschiedenen Riten der Weihe waren voller Symbolik. Als Zeichen der völligen Hingabe lagen die Vier zum Beispiel ausgestreckt am Boden, während die Gemeinde die Allerheiligen-Litanei betete. Oder die Salbung der beiden Handflächen jedes Neupriesters mit Chrisam: ein Zeichen ihrer Beauftragung, in der besonderen Teilhabe am Priestertum Jesu Christi Gott zu ehren und den Menschen das Heil zu bringen.
Mittelpunkt der Priesterweihe waren die Handauflegung in Stille und das Weihegebet, das der Erzbischof sang. Das Auflegen der Hände ist eine Geste, die das Erfülltwerden mit dem Geist Gottes zum Ausdruck bringt. Nach der Handauflegung durch den Erzbischof legten alle anwesenden Priester den knieenden Weihekandidaten als Zeichen der Gemeinschaft und der Aufnahme in das Priesterkollegium ebenfalls schweigend die Hände auf. Es schien, als ob Domvikar Norbert Jung seinem Cousin Dieter Jung eine Sonderportion des heiligen Geistes vermitteln wollte. So schwer ruhten seine Hände auf dem Kopf seines Verwandten. "Es ist für mich eine große Freude, dass wieder einer aus der Familie geweiht wurde", sagte der Domvikar später. Schon sein Großonkel sei Pfarrer in Effeltrich gewesen. Und er selber - inzwischen seit zehn Jahren Priester - sei wohl für seinen Cousin Dieter "kein abschreckendes Beispiel gewesen", schmunzelte Jung. Er habe ihn auf seinem Weg zur Weihe "ein Stück weit begleitet". Doch Dieters Entscheidung für den Priesterberuf "ist völlig unabhängig von mir gefallen", betonte der Domvikar.
Norbert Jung sprach davon, dass allen Unkenrufen zum Trotz "noch viel Lebendigkeit in den Gemeinden ist". Und dass es auch heute möglich sei, junge Menschen für die Kirche zu gewinnen. Die vier Neupriester zeugten davon.