Eine gewisse Enttäuschung sei momentan schon zu spüren - "weil sich alle vom zweiten Spitzengespräch den großen Wurf erhofft hatten", wie Pater Dieter Lankes sagt. Er ist Provinzial bei den Karmeliten, die das Theresianum betreiben - noch.

Als die Ordensleitung im Juni beschlossen hatte, die Schule aufzugeben, war der öffentliche Aufschrei groß. Eine Flut von Leserbriefen erreichte seitdem die Lokalredaktion Bamberg, alle Schreiben hatten dieselbe Botschaft: Rettet das Theresianum!

Das Spätberufenen-Gymnasium ist eine von nur drei Einrichtungen in Bayern, an denen man mit einem mittleren Bildungsabschluss zur Hochschulreife gelangen kann. Doch der Karmelitenorden sieht sich aus finanziellen und personellen Gründe nicht mehr im Stande, die Bildungsstätte weiterzuführen.
Der aktuelle Jahrgang 2015/2016 ist vorläufig der letzte. Wenn jene Schüler in drei bis vier Jahren ihr Absolventenzeugnis in Händen halten, ist Schluss - es sei denn, es findet sich ein neuer Träger, der den Schulbetrieb längerfristig sichern kann.

Bereits Anfang Juli hatte sich eine hochkarätig besetzte Runde aus Politikern von Stadt und Freistaat mit Vertretern des Erzbistums und des Karmelitenordens im Rathaus getroffen. Nach dem Gespräch hinter verschlossenen Türen war vorsichtiger Optimismus angeklungen. Nun fand Spitzengespräch Nummer 2 statt. Was hat sich getan?

"Alle haben zunächst betont, wie wichtig diese Schulform für die Schullandschaft ist", berichtet Provinzial Pater Dieter. Alle, das sind unter anderem Regierungspräsident Wilhelm Wenning, Bezirkstagspräsident Günther Denzler, Generalvikar Georg Kestel von der Erzdiözese Bamberg, Landrat Johann Kalb (CSU), Landtagsabgeordneter Heinrich Rudrof (CSU) sowie Vertreter der Karmeliten, darunter auch der Provinzial selbst. Eine Auflistung, die aus einer Mitteilung der Stadt Bamberg hervorgeht.


Wechsel bei Interessenten

Für die Stadt war Bürgermeister und Schulreferent Christian Lange (CSU) vor Ort, der Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) vertrat. Lange leitete die Runde und gab danach bekannt, dass es nach wie vor drei Interessenten gebe, die sich eine Übernahme der Trägerschaft vorstellen könnten. Neu ist: Einer sei zwischenzeitlich ausgeschieden, dafür ein anderer hinzugekommen. Um welche es sich handelt, sagte der Bürgermeister mit Blick auf die Verhandlungen nicht. "Wir haben verabredet, dass wir Stillschweigen bewahren."

Provinzial Pater Dieter gab immerhin so viel bekannt, dass es sich bei den drei "sehr ernsthaft interessierten" möglichen Trägern um einen kirchlichen und zwei nicht-kirchliche handle.

"Der Durchbruch in Sachen Ausfallbürgschaft ist nicht gelungen", merkt der Provinzial an. "In der Frage: ,Was passiert, wenn der Fonds ausfällt?‘ sind wir nicht weitergekommen."

Die Rede ist vom sogenannten überdiözesanen Fonds der bayerischen Bistümer. Dieser muss immer wieder neu beantragt werden. Sollte die Förderung eines Tages eingestellt werden, würden rund 220 000 Euro zum laufenden Betrieb des Theresianums fehlen. Pater Dieter fasst zusammen: "Der Fond sichert, dass die Betriebskosten gesichert sind."


Frage nach den Zuschüssen

Die Schule wird durch den bayerischen Staat - der die Hauptlast trägt - den Fonds, und das Bistum finanziert. Ob letztere noch Mittel zur Verfügung stellen würden, falls der nächste Träger des "Theres" ein nicht-kirchlicher ist, ist offen. Provinzial Pater Dieter spricht von "Spekulationen". Schulreferent Christian Lange ist es wichtig, anzumerken: "Auch ein privater Träger hat Stellschrauben, an denen er drehen kann." Er fügt hinzu: In Moment seien die Zuschüsse nicht in Frage gestellt.

Pater Dieter allerdings spricht von einem "Damokles-Schwert", denn man habe nie die Garantie, dass der Fonds ausgezahlt werde.

Dennoch: Er ist frohen Mutes ob der Entwicklung der vergangenen Wochen. Auch sein Ordensbruder Pater Roland Hinzer findet trotz aller Ungewissheiten zuversichtliche Worte. Der Schulleiter ist begeistert von der "bewundernswerten Aktivität der jungen Leute", die sich für die Rettung des Gymnasiums einsetzen. Auch die Spitzengespräche sieht er als positives Zeichen. Und: "Es hat uns alle sehr motiviert, dass wir nun mehr als 200 Schüler haben. Das ist eine wahnsinns tolle Zahl!"

Möglicherweise gibt es Ende dieses Jahres noch mehr Grund zur Freude für alle, die sich dem Theresianum verbunden fühlen. Denn dann soll wegen der Planungen für das neue Schuljahr eine Entscheidung in Sachen Träger fallen. Die nächsten Stationen auf dem Weg dorthin: Der Karmeliten-Orden wird die Gespräche mit allen drei Interessenten weiterführen. Und herausfinden, wer "in die Bresche springt, wenn's konkret werden soll", wie der Provinzial sagt.