Selten war es so angenehm warm an einem Faschingssamstag in der Maintal-Gemeinde, und dem Wetter gemäß hatten sich Tausende an den Straßen im Ortszentrum eingefunden. Wie auch manche Teilnehmer recht luftig kostümiert waren und sommerfrisch mitmarschierten - so z. B. die Sänger des Musik- und Gesangvereins, die, mit Hawaiihemden und Strohhüten ausstaffiert, dem 20. Oberhaider Faschingszug, der von der Gemeinde organisiert worden war, eine ordentliche Brise Frühling einhauchten. Das Jugendblasorchester passte sich den erwachsenen Kollegen an.
Und das ziemlich weit vorne. Angeführt hatte die Kolonne aus 16 Vereinen und Fahrzeugen Bürgermeister Carsten Joneitis im neuen Elektrowagen der Gemeinde. Ob allerdings die Feuerwehr demnächst abgaslos zu Einsätzen fährt, sei dahingestellt. Denn das Gemeindeoberhaupt sah aus wie ein Mitglied der "Altneihauser Feierwehrkapell'n" aus Windischeschenbach. Allerdings sparte er sich die aus Veitshöchheim gewohnte Beschimpfung von und der Franken ...
Der Verweis auf die Oberpfalz war in gewisser Weise Vorgeschmack und Symbol für den ganzen Zug. Denn längst gastieren Teilnehmer von recht weit her und peppen so die Oberhaider Kolonne auf. Die Hallstadter waren gleich doppelt vertreten. Hatte deren Faschingsverein einen mächtigen Wagen mitgebracht, zeigte die "Solidarität" dieselbe gleich doppelt: Nicht nur die Kostümierung sollte an die vom neuen US-Präsidenten gebeutelten Mexikaner erinnern, sondern auch der Spruch "Ohne Mauer das wär' schlauer". Wogegen niemand etwas sagen kann. Nostalgisch agierte ein Stammtisch aus Hallstadt, der die Wirtschaft "Greta" (Diller), eine Traditionsgaststätte, feierte. Ein "Dance Team" aus Stegaurach hatte den Weg über den Main gefunden, und die Teilnahme von etlichen Dörfleinsern Tanzmädchen, ganz kleine darunter, ist fast schon obligatorisch. Die Dörfleinser fühlten sich auch, passend zur Oscar-Verleihung, ganz wie in Hollywood. Eine Sambagruppe "Bateria quem é" aus Bamberg sorgte für handgemachte Rhythmen, so wie die Trunstadter Ritter vom Hahn auf einem mehrstöckigen Wagen orientalisches Flair verbreiteten.
Doch die Oberhaider ließen sich natürlich auch nicht lumpen. Vorneweg die Ortsteile: Staffelbacher Zwerge marschierten tapfer vor dem Kindergarten St. Cyriakus, während die Unterhaider Feuerwehrler sich als richtige Waldschrate gaben: "Alles was im Walde lebt / feiert bis die Erde bebt." Der Blasmusikverein heizte ein und hatte zwei Veteranen auf einem Wagen-Thron platziert - Waldorf und Statler aus der Muppets Show sind eben unverwüstlich und offenbar unsterblich. Der RSC hatte mächtig was aufgeboten mit seinen diversen Mannschaften. Nur die Alten Herren spielen offenbar nicht mehr und verlegen sich jetzt aufs Angeln; das Boot fuhr mit. Und ein Floß, umgeben von recht wilden Gesellen. Der FC war natürlich auch dabei und blickte zurück in die Neunziger, musikalisch und in Kostümen.
Zum Schluss fuhr noch eine mächtige Holzhütte. Eine Steigerwald-Faschingsgruppe ließ gar eine Motorsäge aufdröhnen (ohne Kette). Was sie nicht davon abhielt, fleißig auszuschenken. Wie überhaupt dieses Jahr viele im Zug sehr fleißig Pappbecher mit nicht nur Alkoholischem füllten und verteilten. Eine gelungen Sache also dieser Jubiläumszug mit sehr vielen Beteiligten, was der Stau vor dem Endpunkt Brauerei Wagner bewies. Ach ja - ein dominierender Kostümtrend ließ sich nicht ausmachen. Die Harry-Potter-Hexenhüte sind abgelöst worden von Gespenster-Laken, die etwa "Regenbogen"-Kinder umhüllten. Ansonsten herrschte fröhliche Vielfalt, vom Schottenrock bis zu gestreiften Dalton-Brüdern, die auch eine eigene Bar eingerichtet hatten.