Kann man im Landkreis Bamberg von einer gelungenen Integration von Flüchtlingen sprechen? In Gundelsheim und Hirschaid scheint ein zumindest erfolgversprechender Weg beschritten. Karam, Ahmad, Ali und Fazzi jedenfalls sind offenbar sehr gut integriert: bei der Gemeinde angestellt, in Lehre bei der Firma der Patenfamilie, in Ausbildung am Klinikum und von der Gundelsheimer Patenfamilie adoptiert. Die Beispiele des Syrers und der drei Afghanen zeigen, besser kann Integration fast nicht gelingen - schwebte da nicht das Damoklesschwert der Abschiebung über Zweien. Auf Letzteres hat die Gemeinde keinen Einfluss.

Was auch Bürgermeister Jonas Merzbacher (SPD) mit größtem Bedauern feststellt. Vor vier Jahren kamen mit der großen Flüchtlingswelle 60 neue Menschen in das bis dato 3500 Einwohner zählende Dorf. "Wir haben sie mitten hinein genommen", erklärt Merzbacher. "Wir haben aber auch sofort Gespräche mit der Nachbarschaft geführt, Bedenken ernst genommen." Es gab keine Willkommens-Veranstaltungen. Dafür nach einem halben Jahr einen Danke-Abend der Flüchtlinge.

Ehrliche Kommunikation

Gundelsheim hat Dinge transparent gestaltet, nichts schön geredet, sondern Klartext gesprochen. Die Gemeinde hat den Austausch mit Angekommenen und Einheimischen gleichermaßen gepflegt und dann zügig Patenfamilien gerade für die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge gesucht. Von anfangs 16 sind jetzt noch sechs aktiv. Viel Ehrenamtliches geschieht im Verborgenen. Freilich gab es auch Probleme, die Merzbacher nicht schön redet. "Klar kamen auch schwarze Schafe." Es geht um ehrliche Kommunikation.

Karam, Ali, Ahmad und Fazzi finden es in Ordnung, wenn Flüchtlinge, "die Scheiß gebaut haben, abgeschoben werden". Ali (19) hat eine Lehre im Krankenhaus als Krankenpflegerhelfer begonnen, seine Schreinerlehre dagegen musste er im ersten Jahr auf Weisung der Ausländerbehörde beenden. "Aber ich hab' weiter gekämpft." Er nutzt jeden Tag hier, um so viel zu lernen wie möglich, lobt die Unterstützung des Krankenhauses. "Mir geht es super, seit ich in diesem Bereich bin, und ich liebe es, anderen zu helfen." Gundelsheim ist seine Heimat, sagt er, und über seine Patenfamilie "das sind die Besten". Dennoch, er muss jeden Tag damit rechnen, nach Afghanistan abgeschoben zu werden, wo er zwar geboren wurde, seine Familie aber seit er drei ist im Iran existiert, denn leben könne man das dort nicht nennen.

Auch Ahmad (19) hat Angst vor der Abschiebung. Dabei hat er bei der Firma seiner Patenfamilie einen Ausbildungsplatz als Elektroniker, macht die Arbeit mit Begeisterung. Mentor Robert Schmitt ist seinerseits begeistert, der junge Mann ihm ans Herz gewachsen. Oft hat er mit ihm gekämpft, ihn unterstützt und betrachtet ihn als gut integriert. "Es war nicht leicht, eine Ausbildung machen zu dürfen", hat Ahmad erfahren müssen. Jetzt hoffen er und seine Patenfamilie, dass er doch noch anerkannt wird. "Meine Patenfamilie war ein Glücksfall", sagt Fazzi (19) . Sie hat den damals 17-Jährigen adoptiert. Fazzi ist sehr dankbar, macht eine Ausbildung zum Sozialbetreuer, fühlt sich hier geborgen, liebt Gundelsheim, Schnitzel und Pommes. Und: Er will was zurückgeben. So engagiert sich Fazzi bei der Feuerwehr und in der Schönstattfamilie. Aber selbstverständlich auch für die Gemeinde. Wenn die Hilfe braucht, etwa beim Aufbau für ein Fest, "da können die jederzeit anrufen". Auch die anderen beiden und Karam (32) nicken. Der anerkannte Syrer arbeitet für die Gemeinde als Koch für Schule und Kindergarten. "Ich liebe das", sagt er.Wie auch die drei anderen Männer ist er im Ort bestens bekannt. Inzwischen gibt er an der VHS Kochkurse und bringt nebenbei Hortkindern Fußball bei. Ein Gemeindebürger hilft ihm ehrenamtlich, sein Deutsch weiter zu verbessern. Denn er will eine IHK-Prüfung machen. Karam ist angekommen.

Um Familien bemüht

Auch in Hirschaid wurde vieles für die Integration getan, wie die Schilderungen von Bürgermeister Klaus Homann (CSU) zeigen. Zwischen 2015 und 2017 hat die derzeit 12 500 Einwohner zählende Kommune rund 120 Flüchtlinge aufgenommen. Derzeit leben hier noch 80. "Wir wollten Familien und haben im Vorfeld mit deren neuen Nachbarn gesprochen und gesagt: Wenn Ihr ein Problem habt, ruft an." Er, so Homann weiter, hatte das große Glück mit einer neuen Gemeinderätin, die sich intensiv um Integration kümmert, zusammen mit einem aus Interessierten gebildeten Kreis von 50 Helfern. Zu den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen hatte es im Vorfeld einen Shitstorm gegeben, doch das legte sich wieder.

Die Jugendlichen wurden von DLRG, Feuerwehr aber auch Sportvereinen aufgenommen. Während das Interesse an den beiden Erstgenannten wieder nachließ, konnten die jungen Leute bei den Sportlern punkten: "Gemeinsame Ziele verbinden." Während sich die Älteren mit Integration schwerer tun, gelinge es mit Jüngeren und ganz Kleinen besser, weiß Homann aus seinem Engagement in Deutschklassen: "13 Nationen mit sieben Sprachen", da kann Kommunikation nur über Deutsch laufen. Er war erstaunt über die Fortschritte. "Die Jungen sind integriert", stellt er fest. Homann verschweigt aber auch Schwieriges nicht. "Es gibt Problemfälle, wo du nicht helfen kannst." Wenn etwa jemand aus der Wohnung muss und obdachlos wird. Da ist die Gemeinde zuständig und sie behandelt alle gleich. Abschließend sagt Homann: "Integration in Hirschaid läuft", wohl auch, weil er präsent ist und mit den Leuten spricht.

KOMMENTAR

Klare Ansagen

Es gibt "schwarze Schafe" unter Einheimischen ebenso wie unter Flüchtlingen. In der Flüchtlingsthematik wurde gerade zu Beginn vieles schön geredet, statt offen angesprochen, was der Sache insgesamt geschadet und Misstrauen gesät hat.

Gundelsheim und Hirschaid haben Integration einigermaßen geschafft, weil man auf Einheimische wie Flüchtlinge zugegangen ist, beide zusammen gebracht hat, wo Bereitschaft dazu vorhanden war. Klar gab es Enttäuschungen. Wer die nicht auf dem Plan hatte, kann nur lebensfremd sein. Wichtig ist, was unter dem Strich herauskommt, und das sind in beiden Gemeinden eine ganze Menge neu eröffnete Chancen. Wie über Patenfamilien und die Vermittlung von Ausbildungen.

In Hirschaid lief Integration auch über die Sportschiene. Hervorragend geeignet, weil sich "die Neuen" Anerkennung erarbeiten und und mit ihren Teams das gleiche Ziel verfolgen. Eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung obendrein. Was die Integration vor Ort jedoch konterkariert, wenn nicht sogar ehrenamtliches Engagement lähmt, das sind die Rahmenbedingungen. Junge Leute, in die das Land viel Geld investiert hat und die nun durchstarten könnten, eine Heimat und ein neues Leben gefunden haben, müssen hier bleiben dürfen, Straftäter bedingungslos ausgewiesen werden.

Es muss zudem eine klarere Abgrenzung zwischen Asyl- und Einwanderung und dafür endlich ein funktionierendes Einwanderungsgesetz geben. Und noch eins: Flüchtlinge sollten sofort arbeiten dürfen, für den Stolz auf selbst verdientes Geld und damit Würde sowie als sinnvolle Beschäftigung, aber auch für Anerkennung in der Bevölkerung.

Für Dezentrale Unterbringung und eine jeweils gut zu integrierende Anzahl an Neuen braucht es überdies.