Was kosten 35 Hektar Parklandschaft im Bamberger Osten? Was ist das schöne Stück Land mit seinem harmonischem Wechsel von Wald und Wiese wert? Diese Fragen könnten schon bald eine Rolle spielen im Bamberger Konversionspoker.

Die Rede ist vom Golfplatz im Hauptsmoorwald. Seit Juli vergangenen Jahres gibt es hier keinen Abschlag mehr, der Abzug der Amerikaner hat die Frage aufgeworfen, wie es hinter der Gartenstadt weitergeht.

Die Antwort wird nicht lange auf sich warten lassen. Harald Lang vom Konversionsamt bestätigt, dass das Ergebnis eines mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) in Auftrag gegebenen Wertgutachtens demnächst erwartet wird. Die Summe, die darin genannt wird, dürfte die Grundlage sein für die Verhandlungen zwischen Stadt und Bima.

Und zwischen Stadt und Golfclub: Dort ist man guter Dinge.
Der Club bereitet sich seinem Präsidenten Klaus Dirks zu Folge seit 20 Jahren auf den Eigentümerwechsel vor. Geldmangel ist nicht das Problem. "Wir haben eine beträchtliche Summe zusammen, die es uns ermöglicht, den Golfplatz so zu betreiben, wie es uns vorschwebt, und die erforderlichen Investitionen zu leisten", sagt Dirks.

Doch das ist nur die eine Seite. Während der Golfclub im Hauptsmoorwald darauf hofft, dass möglichst schon im Frühjahr wieder die ersten Bälle geschlagen werden dürfen, wird in der Stadt darüber spekuliert, dass Michael Stoschek, der Geschäftsführende Gesellschafter der Brose GmbH, sich beim Golfplatz mit einer millionenschweren Finanzspritze einbringen will. Was ist dran an den Gerüchten? Aus dem Umkreis von Stoschek bekommen wir nur die Bestätigung, dass es Gespräche mit dem Golfclub gibt. Stoschek selbst will sich zu konkreten Fragen nicht äußern.

In der Stadt hören wir, dass derzeit alles "noch sehr vage" sei. Doch für die 350 Mitglieder des Golfclubs und vor allem für die Verantwortlichen um den langjährigen Präsidenten Klaus Dirks ist es schon sehr konkret, was sich hier auf den ersten Blick als verführerische Möglichkeit andeutet. Es geht um die Zukunft des Golfplatzes und vor allem um die des Vereins. "Wir wollen traditionell bleiben und auch in Zukunft kein Nobelclub werden, sondern für die Bamberger, für die Jugend und die Schulen da sein", sagt Dirks.

Spannende Perspektiven
Die Standortbestimmung des Präsidenten hat einen Hintergrund: Stoschek hat dem Verein dem Vernehmen nach ein Angebot unterbreitet, das einerseits spannende Perspektiven für Bamberg eröffnet. Mit dem Geld könnte der Bamberger Golfplatz so umgebaut werden, dass er höchsten Ansprüchen genügt. Andererseits hat das "Darlehen", wie Dirks sich ausdrückt, auch seinen Preis. Auf lange Frist würden die Mitgliederbeiträge kräftig steigen. Und, was Dirks am meisten umtreibt: Die Umbauarbeiten würden dazu führen, dass die abschlagsfreie Zeit in Bamberg erheblich länger dauert. Er fürchtet, dass Mitglieder abspringen könnten.

Ein langjähriges Mitglied ist BUB-Stadträtin Daniela Reinfelder. Auch sie steht einer größeren Veränderung auf dem Golfplatz skeptisch gegenüber. Vielmehr will sie die Bälle auch weiterhin auf dem bestehenden Platz abschlagen. Das genüge. Was ihr und den anderen Mitgliedern besonders wichtig ist: "Wir wollen, dass es möglichst schnell weitergeht und wir ab Juni wieder spielen können."

"Der Golfplatz soll so bleiben wie er ist: erschwinglich, trotzdem voll anerkannt und gleichzeitig ein stadtnahes Erholungsgelände." Das sagt Dieter Weinsheimer. Für den Stadtrat der Freien Wähler, auch er Mitglied im Golfclub, bedeutet der Platz ein "Privileg" für Bamberg.

Wie wichtig ist der Golfplatz für Bamberg? Da scheinen sich in der Stadt alle einig zu sein: Stadträte, Naturschützer und Bürgerverein bekennen sich zu den neun Greens unweit der Autobahn. Der Golfplatz ist für sie Naherholungsgebiet und Sportgelände zugleich, unverzichtbar für den besonderen Charme im Osten der Stadt.

Freilich. Am Ende hat der Club die Wahl. Sobald Bima und Stadt die Hausaufgaben gemacht haben, will Dirks die 350 Mitglieder darüber abstimmen lassen, was künftig im Osten der Stadt gespielt wird.