Das Urteil unserer Testerin:

Ins Auge sticht die große Zahl an Menschen aller Altersgruppen, die an diesem Pfingstsonntag hoch hinauf zu St. Wenzeslaus wallen. Besonders für die Älteren gestaltet sich der Weg in die Kirche über etliche Treppenstufen wohl anstrengend, insbesondere wegen der erhöhten Lage. Aber auch mitteljunge Gottesdienstbesucher werden gefordert. Doch die Mühen lohnen. Mit seiner frischen Art weiß der Pfarrer zu begeistern. Gemeindenah kommt er durch den Seiteneingang in die Kirche, Nähe zeigt er auch beim Friedensgruß, bei dem er den Kontakt bis in die entfernteren Bankreihen sucht. Der demografischen Entwicklung in den Kirchengemeinden kommt die Einrichtung für Hörgeräte in bestimmten Bankreihen entgegen. St. Wenzeslaus ist nicht nur ein attraktives Gotteshaus, der Gottesdienstbesucher hat das Gefühl, dass die Gottesdienstwelt hier in Ordnung ist. Auch wenn der Pfarrer, der nach der Messe noch leutselig vor der Kirche Hände schüttelt, bereits zum nächsten Gottesdienst aufbrechen muss.

Dafür vertiefen sich noch etliche Gottesdienstbesucher vor St. Wenzeslaus ins Gespräch. Wenn dann eine alte Dame über diese doch eher moderne Pfingstvesper meint, schön war's, ist dem nichts mehr hinzuzufügen.

Einstieg

Herzlich frisch und gleich in medias res heißt Pfarrer Marianus Schramm seine Gemeinde am Pfingstsonntag willkommen zu einem bewegten Fest mit vielen bunten Bildern. Das verheißt er den zahlreich erschienenen Gemeindemitgliedern. Er weist auf sieben Kerzen für ebensoviele Gaben des Heiligen Geistes hin. Doch da weilt der Blick nicht lange. Die Anmerkung, tags zuvor habe sich ein Vogel ins Gotteshaus verirrt, den er doch zuerst für eine Taube gehalten hatte, lockert gleich auf.

2. Musik:

Die Pfarrei darf sich glücklich schätzen, über eine ganze Gruppe von Organisten zu verfügen, es sind derer fünf. Davon sitzt heute einer aus der Organisten-Familie Herold - Norbert - am königlichen Instrument, mit dem er festlichen Ganz zu intonieren versteht, aber auch den subtilen Begleiter gibt.

Bewertung:

Man muss die Litzendorfer Kirchengemeinde zu ihrem üppigen Fundus an engagierten Organisten beglückwünschen.

3. Lesungen:

Der Lektor nimmt sich die Zeit, seinen Text nicht nur zu lesen, sondern die Bedeutung der Worte auch zu spüren. Sein Vortrag ist flüssig, in angenehmer Lautstärke und so akzentuiert, dass der Zuhörer sich eingeladen fühlt, diese klassischen Sätze aus dem Matthäus- Evangelium - "Ihr seid das Salz der Erde " und "Man zündet keine Licht an, um es unter den Scheffel zu stellen" - sofort zu reflektieren.

Bewertung:

Einprägsam vorgetragen.

4. Predigt:

Was halten Sie von Feng Shui? Mit dieser doch so überhaupt nicht zu erwartenden Frage steigt Pfarrer Schramm ins Pfingstthema ein und versteht es brillant, einprägsame Bilder zu kreieren, den Bogen von Raum, Wirkung, Geist, Glaube hin zum persönlichen Lebensraum zu schlagen. Schramm erweckt den Geist des Pfingstfestes zum Leben und versteht es, mit bildreichen Schilderungen in seinen Bann zu ziehen.

Bewertung:

Eine äußerst lebendige Predigt, die immer wieder überrascht. Ein dynamischer Prediger bringt die Botschaft kraftvoll in 15 Minuten rüber.

5. Kommunion/Abendmahl:

Dynamisch auch die Kommunion, die an diesem Tag in besonderer Weise dem Geist Raum gibt. Und damit auch den roten Faden dieses Gottesdienstes zum Thema Raum weiterspinnt.

Bewertung:

Eine enge Verwebung des Themas in allen Bereichen und speziell in diesem zentralen Bestandteil.

6. Segen:

Bei diesem Gottesdienst muss der Heilige Geist zwingend auch in den Schlusssegen. Für die Woche und das ganze Jahr.

Bewertung:

Eine stimmige Abrundung.

7. Ambiente:

St. Wenzeslaus, über der zentralen Kurve in der Ortsmitte thronend, ist eine schmucke, nach den Plänen des berühmten Johann Dientzenhofer Anfang des 18. Jahrhundert errichtete Barockkirche. Barocker Prunk und filigrane Wandmalereien geben dem Raum eine besondere Note, die besondere Akustik lässt das Orgelspiel zum Klangerlebnis werden.

Bewertung:

Ein schönes, gepflegtes Gotteshaus. Warum ausgerechnet im Beichtstuhl Dinge gelagert werden, gibt Rätsel auf.

8. Kirchenbänke:

Katholische Kirchen müssen wohl so sein - eng und eher unbequem. Damit man sich auf das Wesentliche besinnt, drücken Fußbänke ans Schienbein und Gesangbuchablagen in den Rücken.

Bewertung:

Die Gemeinde hier ist es wohl gewohnt, die Predigt entschädigt für mäßigen Sitzkomfort.

9. Beleuchtung:

In St. Wenzeslaus fühlt man sich, trotz wenig Sitzkomfort, wohl. Die Beleuchtung ist geschickt abgestimmt, das Innere wirkt angenehm hell, ohne dass man die Beleuchtung als zu grell empfinden würde.

Bewertung: Optimal abgestimmt, ein sehr angenehmer Raumeindruck.

10. Sinne:

Dieser Gottesdienst hat etliches zu bieten, ein festlicher Einzug von Pfarrer und einer stattlichen Zahl an Ministranten, gelbweiße Kirchenfahnen zum Festtag und viel Weihrauch. Dazu göttliche Musik und einen von der Botschaft dieses Pfingstsonntags beseelten Pfarrer.

Bewertung: Hier wird wohl mehr als das Gewöhnliche geboten.

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdienst-Test die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos, unter www.infranken.de/gottesdiensttest