In der vergangenen Saison in der Champions League noch sang- und klanglos gescheitert, trumpfen die Basketballer von Brose Bamberg im europäischen Wettbewerb diesmal auf. Sie sind im 32er-Feld als einziges Team noch ohne Niederlage und haben sich mit dem fünften Sieg in Folge als erste Mannschaft vorzeitig den Gruppensieg gesichert. Nach dem 90:75-Heimerfolg am Dienstagabend gegen Retabet Bilbao sind sie nicht mehr von Platz 1 der Gruppe F zu verdrängen.

Dabei sah es 25 Minuten nicht danach aus, dass die Mannschaft von Coach Johan Roijakkers ihre Erfolgsserie fortsetzen könnte. Sie tat sich gegen die aggressive Verteidigung der Basken schwer, gute Würfe herauszuspielen. Doch als die Hausherren beim 51:52-Rückstand das Tempo plötzlich anzogen, konnte der Gegner nicht mehr folgen. "Wir haben uns in der Pause vorgenommen, die physische Präsenz von Bilbao zu erwidern. Das haben wir in der zweiten Halbzeit gut umgesetzt", sagte Bennet Hundt, der auf neun Assists kam. Der Point Guard (11 Zähler) punktete wie seine ebenfalls überzeugenden Nationalmannschaftskollegen Christian Sengfelder (16), Kenneth Ogbe (12) und Dominic Lockhart (10) zweistellig. Sengfelder war es, der mit einem Dreier zum 54:52 die Partie drehte und den spielentscheidenden 21:0-Lauf einleitete. Viertelübergreifend gestatteten die Bamberger ihrem Kontrahenten dank stark verbesserter Verteidigung fast fünfeinhalb Minuten keinen Korberfolg. Nach Ballgewinnen schalteten sie schnell um, die ersatzgeschwächten Gäste gerieten ins Schwimmen. "Nachdem wir es geschafft hatten, etwas härter und physischer zu spielen, lief es besser. Offensiv konnten wir immer wieder das Tempo erhöhen und kamen so schnell zu Punkten. Hier hat vor allem Kenneth Ogbe einen guten Job gemacht", lobte Roijakkers den vor gut einer Woche von ihm noch heftig gescholtenen Nationalspieler.

Mumbru kritisiert Schiedsrichter

Roijakkers Trainerkollege Alex Mumbru sah den Grund für die Niederlage seines Teams nicht in der Überlegenheit des Gegners. "Ich spreche nicht gerne über die Schiedsrichter, aber ich habe noch nie erlebt, dass eine Mannschaft in 35 Minuten nur sieben Fouls gepfiffen bekommt. So wird es schwer mitzuhalten. Bamberg konnte aggressiv spielen, wir nicht", schimpfte der frühere Welt- und Europameister. Elf Fouls mehr als die Bamberger (10) bekamen seine Spieler aufgebrummt.

14 Freiwurftreffer

Dies spiegelte sich auch in der Freiwurfstatistik wider. Die Oberfranken bekamen 16 Freiwürfe zugesprochen (14 Treffer), die Basken neun, von denen sie sechs trafen. Da die Gastgeber auch in anderen Kategorien bessere Werte aufwiesen als ihr Gegner (Reboundverhältnis 34:22, Assists 21:20, Ballgewinne 10:9, Ballverluste 13:14) und in der Zone wesentlich mehr Punkte erzielten (44:30), war ihr Sieg verdient.

Obwohl er mit seinen künftigen Mannschaftskollegen noch kaum trainiert hat, kam der am Wochenende verpflichtete Center Shevon Thompson zu einem Kurzeinsatz. In den 6:06 Minuten, die der 2,13 Meter große, etwas ungelenk wirkende Jamaikaner auf dem Feld stand, konnte er keine Akzente setzen. In Bedrängnis warf er aus kurzer Distanz zweimal daneben, erzielte aber den letzten Bamberger Korb der Partie.

Am Samstag in Ludwigsburg

Bis Thompson dem Team weiterhelfen kann, wird es noch einige Zeit dauern. Vor Spielbeginn hatte er mithilfe seiner Teamkameraden fleißig seine künftigen Laufwege bei den jeweiligen Spielsystemen geübt. "Es ist schwer, Spieler zu integrieren, die noch nie für mich gespielt haben. Daher ist es gut, dass wir die ganze nächste Woche Zeit für das Training haben", meinte Rojiakkers, dessen Team nach der Partie am Samstag beim Bundesliga-Spitzenreiter in Ludwigsburg erst am Wochenende darauf wieder im Einsatz ist. Diese Zeit will der Niederländer nutzen. "Wir haben Abstimmungsprobleme, hatten aber keine Zeit, die abzustellen. Das hat uns Punkte gekostet." Denn während die Bamberger in der Champions League vorneweg marschieren, hecheln sie in der Bundesliga nach unnötigen Niederlagen wie gegen Bayreuth und jüngst in Vechta den Play-off-Plätzen hinterher.