Die gute Nachricht vorne weg: Basketball-Zuschauer kamen bei der Euroleague-Partie von Brose Bamberg gegen Roter Stern Belgrad nicht zu Schaden. Dennoch war die Aufregung am Dienstagabend in der Bamberger Brose Arena groß: Die etwa 500 serbischen Fans feierten den 79:78-Erfolg ihrer Mannschaft ausgelassen und hinterließen anschließend ein Bild der Verwüstung. Auf der Nordtribüne hatten die Serben teilweise ganze Sitzreihen umgetreten und so aus der Verankerung gerissen.

Und außerdem ärgerten sich viele Bamberger Dauerkartenbesitzer, dass sie ihre angestammten Plätze - wie schon bei der Partie gegen Panathinaikos Athen - nicht nutzen konnten, weil sich die Gäste-Fans auf den unteren Sitzreihen breitgemacht hatten, obwohl für sie eigentlich oben unter dem Hallendach Plätze reserviert waren.




Entschuldigung bei den Fans

Insgesamt ist zu konstatieren, dass das angekündigte Sicherheitskonzept des Vereins vor dieser als Risiko-Spiel eingeordneten Partie keine Früchte trug. "Wir entschuldigen uns bei unseren Fans für die Vorfälle und übernehmen hierfür die volle Verantwortung. Selbstverständlich werden wir die Zuschauer für die Beeinträchtigungen entschädigen. Gemeinsam mit Polizei und Sicherheitsdienst arbeiten wir heute und morgen das völlig inakzeptable Verhalten der Belgrad-Fans in Verbindung mit unseren im Vorfeld getroffenen Maßnahmen auf", übernahm Brose-Geschäftsführer Rolf Beyer gestern in einer Stellungnahme des Vereins Verantwortung für die Vorkommnisse.

Und Beyer versprach auch, dass auf Basis der Gespräche in den nächsten Tagen "ein weitreichendes Sicherheitskonzept, das auch drastische Maßnahmen enthalten wird", erstellt werde. "Oberstes Ziel ist es, unseren Zuschauern aus der Region die von ihnen hoch geschätzte Basketball-Veranstaltung in Zukunft wieder bei jeder nationalen und internationalen Begegnung auf gewohntem Niveau bieten zu können. Wir lassen uns unser Event nicht zerstören", stellt der Geschäftsführer klar.

Und Beyer hatte auch eine Erklärung, warum das Konzept trotz einer ganzen Palette an Maßnahmen nicht griff: "Das lag auch daran, dass die Zahl der aus mehreren europäischen Ländern angereisten Belgrader Anhänger mit fast 500 deutlich über unseren Erwartungen lag. Dies ist in erster Linie auf eine hohe Anzahl von Online-Bestellungen zurückzuführen. Hierfür werden wir für die zukünftigen Spiele eine Lösung erarbeiten. Außerdem übertraf die Gewaltbereitschaft das bisher bei Basketballspielen in Bamberg gekannte Ausmaß."


Über 30 000 Euro Sachschaden

Bereits am Dienstagabend hatte die Bamberg Congress und Event GmbH bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt erstattet. Der C+G-Geschäftsführer Horst Feulner bezifferte den Schaden gestern auf über 30 000 Euro. Feulner erläuterte, dass unter anderem 87 Stühle und die dazu gehörenden Verankerungen, mit der die Sitze befestigt sind, kaputt seien. Auf Grund des Vorliegens zahlreicher Bilder hofft der Hallenchef, dass die Schuldigen identifiziert werden können, falls sie vorher schon aktenkundig geworden sind.

Der Dienststellenleiter der Bamberger Polizei, Thomas Schreiber, erläuterte am Mittwoch, dass die Polizei bei derartigen Veranstaltungen vornehmlich für den Außenbereich zuständig sei. "Der Ordnungsdienst in der Halle hat uns zwar frühzeitig um Unterstützung gebeten, doch wir wollten nichts riskieren. Eine Räumung der Tribüne wäre nur mit dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken möglich gewesen. Das wäre unverhältnismäßig gewesen, da sich die Fans aus Belgrad zwar undiszipliniert verhalten und gegen die Hausordnung verstoßen haben, aber ansonsten friedlich geblieben seien", betonte Schreiber, dem zwar ein paar Schubser gemeldet wurden, aber bis gestern Mittag keine einzige Anzeige wegen Körperverletzung vorlag.

Der Dienststellenleiter machte auch klar, dass die Polizei im Vorfeld unter anderem Bengalos und Schlagstöcke sichergestellt hätte. Auf den Vorwurf einiger Besucher, dass die Polizei keine Präsenz gezeigt habe, erwiderte Schreiber: "Bei einem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken hätte auch die Gefahr bestanden, dass unbeteiligte Basketballfans Verletzungen davongetragen hätten. Deshalb haben wir nach Rücksprache mit erfahrenen Beamten entschieden, auf ein Eingreifen zu verzichten, um eine Eskalation zu vermeiden."
Ebenso wie Rolf Beyer betonte aber auch der Polizei-Boss, dass in den nächsten Tagen ein Sicherheitskonzept erstellt werde, damit Freak City in Zukunft wieder in Ruhe seine Basketball-Feste feiern kann. Wenn es sich bei den Radau-Brüdern aus ganz Europa einmal herumgesprochen hat, was in Bamberg alles möglich ist, wird's brenzlig. Dann steht am Ende nicht nur Sachbeschädigung im Protokoll.