Nach vier Spieltagen standen die Basketballer von Brose Bamberg in der vergangenen Bundesligasaison mit drei Siegen und nur einer Niederlage auf dem vierten Platz. In dieser Spielzeit rangiert das völlig umgekrempelte Team zum gleichen Zeitpunkt mit zwei Siegen und ebenso vielen Niederlagen nur auf Rang 10. Dennoch hat der Brose-Jahrgang 2020/21 das Potenzial, eine weitaus bessere Rolle zu spielen als in der vergangenen Runde, denn er ist viel stimmiger zusammengestellt als vor einem Jahr.

Mit Michele Vitali verfügen die Bamberger wieder über einen Schützen, der verlässlich aus der Distanz trifft. 23 Mal war der Italiener bei 50 Versuchen in den bisherigen zehn Pflichtspielen in Bundesliga, Pokal und Champions League erfolgreich (Dreierquote 46 Prozent). Chase Fieler ist der vielseitigste Power Forward seit Peja Suput und lässt die jahrelangen Probleme der Oberfranken auf dieser wichtigen Position vergessen.

Der US-Amerikaner ist ein guter Werfer (13 Punkte im Schnitt), Passgeber (2,8 Assists) und Rebounder (3,7). Noch bessere Zahlen aber legt sein Landsmann David Kravish auf. Der 2,08 Meter große Center ist mit 15,1 Punkten, 7,7 Rebounds und 2,6 geblockten Würfen der effektivste Bamberger. Dennoch hat Brose-Coach Johan Roijakkers noch drei Baustellen abzuarbeiten.

Point Guard

Tyler Larson als Aufbauspieler Nr. 1 hat sich noch nicht als das erhoffte Upgrade zu Paris Lee erwiesen, der in der vergangenen Saison das Bamberger Spiel dirigiert hatte. Zwar hat der US-Amerikaner in den Pokalspielen gegen Ludwigsburg (16 Punkte/6 Assists) und Ulm (10/8) sowie in der Champions-League-Partie in Bologna (23/8) sein Potenzial angedeutet, doch in den beiden Bundesligapartien bis zu seiner Achillessehnenverletzung gegen Chemnitz und Hamburg blieb er jeweils ohne Korberfolg und trat auch nicht als Passgeber in Erscheinung. Zudem neigte er zu Ballverlusten, wenn er von zwei Verteidigern unter Druck gesetzt wurde.

Roijakkers scheint aber weiter auf Larson zu setzen. Obwohl er auf unbestimmte Zeit ausfällt, denkt der Verein nicht über einen temporären Ersatz nach, zumal der erst 22 Jahre alte Bennet Hundt den US-Amerikaner als startender Point Guard zuletzt gegen Pinar Karsiyaka mit elf Zählern und sieben Assists ordentlich vertrat.

Center

Mit David Kravish haben die Bamberger zwar den mit Abstand effektivsten "Big Man" der Bundesliga in ihren Reihen, doch sein Ersatz Norense Odiase ist in seinem neuen Team immer noch nicht richtig angekommen. 3,4 Punkte und 1,6 Rebounds stehen für den 25-Jährigen, der im Schnitt nur 8,3 Minuten auf dem Feld steht und von den zehn Spielern der festen Rotation die wenigste Einsatzzeit bekommt, zu Buche. Das liegt daran, dass Odiase oft ungestüm verteidigt, aufgrund seiner Foulbelastung viel Zeit auf der Bank verbringt und somit Kravish nur wenige Verschnaufpausen verschafft. Sollte Kravish, der mit 27 Minuten Einsatzzeit pro Spiel ein ordentliches Pensum abreißt, verletzt ausfallen, bekommen die Bamberger auf der Centerposition ein Problem, zumal Christian Sengfelder noch weit von seiner Bestform entfernt ist.

Verteidigung

Während die Bamberger mit 92,2 Punkten pro Partie die drittbeste Offensive in der Bundesliga aufweisen, stellen sie mit 91 Zählern, die sie im Schnitt hinnehmen müssen, die schlechteste Abwehr. "Ich bin nach wie vor mit unserer Defensive nicht wirklich zufrieden. Daran müssen wir weiter arbeiten", sagt Roijakkers, dessen Team aber zuletzt einen kleinen Schritt in die richtige Richtung machte. Beim 83:82 im Champions-League-Spiel gegen Pinar Karsiyaka verhinderten die Bamberger in den letzten 9,8 Sekunden vier Wurfversuche der Türken in Folge und sicherten sich damit den knappen Sieg.

Berlin demontiert Fenerbahce

Auf eine gute Verteidigung wird es auch am Sonntag (18 Uhr) bei Alba Berlin ankommen, denn beim deutschen Meister wartet die bislang höchste Hürde auf die Oberfranken. Der Hauptstadtklub musste zwar am Dienstag in Ludwigsburg die erste Niederlage (71:78) in der Bundesliga hinnehmen, meldete sich aber zwei Tage später eindrucksvoll zurück. In der Euroleague demontierten die Berliner Fenerbahce Istanbul und feierten mit dem 89:63 ihren bislang höchsten Sieg in der "Königsklasse", obwohl sie mit Marcus Eriksson, Ben Lammers und Simone Contecchio auf drei Leistungsträger verzichten mussten. Alle drei leiden an einer Sprunggelenkverletzung und werden auch am Sonntag fehlen. "Berlin hat einen unglaublich tiefen Kader, der, wie man sieht, auch Verletzungen problemlos kompensieren kann. Trainer und einige Spieler sind bereits seit Jahren zusammen, das macht das Teamspiel natürlich einfacher. Dafür müssen wir Lösungen finden", sagt Roijakkers. Mit Louis Olinde, Johannes Thiemann und Maodo Lo tragen drei Spieler das Alba-Trikot, die mehrere Jahre lang in Bamberg aktiv waren. Die Brose-Neuzugänge Bennet Hundt und Kenneth Ogbe haben eine Berliner Vergangenheit.