Erst war Aufsichtsratsvorsitzender Michael Stoschek am Donnerstagabend an den Spielfeldrand geeilt und gratulierte Luca Banchi zum 88:79-Sieg über Anadolu Efes Istanbul bei seiner Premierenvorstellung in der Frankenhölle. Danach winkte der neue Cheftrainer vom Spielfeldrand den Fans auf der Süd-Tribüne zu, doch das reichte ihnen nicht: Sie machten dem Italiener klar, dass es in Freak City üblich ist, dass auch der Coach die treuen Anhänger abklatscht. Gesagt, getan. Danach fühlte sich der 52-Jährige sichtlich wohl.
Banchi ist in Bamberg angekommen, das wurde auf und neben dem Spielfeld deutlich: "Guten Abend. Ich bin sehr glücklich, zu sein hier", begrüßte der Coach die Journalisten auf Deutsch bei der Pressekonferenz, wurde dann aber von Mediendirektor Thorsten Vogt mit einem Augenzwinkern darauf aufmerksam gemacht, dass in der Euroleague die Amtssprache Englisch ist.


Brose-Spiel deutlich schneller

Die Handschrift von Banchi war in seiner dritten Partie als Bamberger Chef nicht zu übersehen: Das Spiel des deutschen Meisters ist deutlich schneller geworden und weniger auf Drei-Punkte-Würfe ausgerichtet. Die langen Leute werden deutlich besser eingebunden. Leon Radosevic (15 Punkte/9 Rebounds), Augustine Rubit (14/10) und Dejan Musli (9/2) dominierten das Geschehen und waren zusammen mit dem Scharfschützen Dorell Wright (15/3 Dreier ohne Fehlwurf) und Kapitän Nikos Zisis (8/5 Assists) die Garanten für Sieg Nummer 10 in der Königsklasse.
Einzig die erneute Verletzung von Luka Mitrovic, der gerade erst von einer dreimonatigen Pause zurückgekommen ist, trübte das Bild. Nach einer Blessur am Knie kehrte der Power Forward im zweiten Viertel zwar noch einmal kurz aufs Spielfeld zurück, wurde aber auf Anraten der Ärzte in der zweiten Halbzeit geschont. Gut möglich, dass er am Samstag (20.30 Uhr) im Frankenderby gegen Würzburg zum Zuschauen verurteilt ist, da dann ohnehin wieder zwei der acht Ausländer im Brose-Team aufgrund der Beschränkung in der Bundesliga aussetzen müssen.
Obwohl es in der Euroleague sowohl für Brose als auch Efes Istanbul nur noch um die Ehre geht, zeigten beide Teams, die sich inzwischen ganz auf die nationale Liga konzentrieren, eine ansprechende Partie. "Ich bin sehr stolz, wie die Mannschaft die Partie angenommen und gespielt hat. Vor allem in der zweiten Halbzeit haben wir unsere Defensive verbessern und die Intensität steigern können. Das schlägt sich in erster Linie bei den Rebounds nieder. Da konnten wir, nach einigen Problemen im ersten Durchgang, ihre Athletik und Größe sehr gut ausgleichen", freute sich Banchi, dass der Entwicklungsprozess voranschreitet, sah aber auch Verbesserungspotenzial: "Wir haben den Ball einigermaßen bewegt, hatten aber doch ein paar Ballverluste zu viel. Ich bin allerdings sicher, dass wir das schnell abstellen können."
Bundestrainer Henrik Rödl, der die Partie zusammen mit Würzburgs Co-Trainer Stephen Arigbabu verfolgte, bescheinigte den Bambergern eine "erwachsene Vorstellung": "Das war eine gute Leistung. Am Anfang gab's ein paar Ballverluste, die Efes zu Fastbreak-Punkten genutzt hat, aber das wurde schnell abgestellt. Ab Mitte zweites Viertel war die Vorstellung sehr, sehr solide. Bamberg stand gut in der Verteidigung."
Und welche Erkenntnisse hat der Assistent von Dirk Bauermann, der in Bamberg mit dem Gewinn der Meisterschaften 2005 und 2007 den erfolgreichen Zyklus eingeleitet hat, für das Derby mitgenommen? "Die Bamberger spielen gerade zu Hause sehr aggressiv und bringen den Ball schnell nach vorne. Das ist eine Sache, die man versuchen muss, etwas einzudämmen."


"Mit breiter Brust ins Derby"

Sein Chef Dirk Bauermann betont: "Die Bamberger haben nach wie vor eine hervorragend besetzte Mannschaft, mit der es in diesem Jahr noch nicht so geklappt hat, wie die Verantwortlichen sich das vorgestellt haben. Seine hohe Qualität hat das Team gerade erst durch den deutlichen Sieg in Ulm bewiesen. Bamberg ist klarer Favorit. Wir fühlen uns nach unserem starken Spiel gegen Gießen aber gut gerüstet und gehen mit breiter Brust ins Frankenderby."
Banchi beschäftigte sich bereits am Donnerstagabend mit dem Derby: "Es wird ein sehr schweres Spiel werden. Ich habe einige Partien der Würzburger gesehen. Sie spielen variabel, sind auf allen Positionen stark besetzt. Ich bin sicher, dass es bis zum Schluss eng sein wird."