Kapitänin, Topwerferin, Dauerbrennerin: Liisi Sokman ist ein Muster an Beständigkeit bei den Zweitliga-Basketballerinnen der DJK Brose Bamberg. Bei der Niederlage in Bad Homburg fehlte allerdings auch der gerade 29 Jahre jung gewordenen estnischen Nationalspielerin das Wurfglück. Im Interview spricht die erfolgreichste Punktesammlerin ihrer Mannschaft über den jüngsten Dämpfer, die anstehenden Aufgaben im Rennen um die Playoffs und eine gute Ausgangsposition sowie die Entwicklung der DJK-Korbjägerinnen in der laufenden Saison.

In Bad Homburg setzte es zuletzt nach vier Siegen in Serie eine ärgerliche Niederlage. Wie bewerten Sie das Spiel mit etwas Abstand?
Liisi Sokman: Die Niederlage war bitter und unnötig. Bad Homburg hat gut gespielt, aber eigentlich haben wir uns selbst geschlagen. Wir waren vorbereitet, wussten, wie sie spielen wollen und wo ihre Stärken liegen. Leider waren wir zu Beginn des Spiels nicht zu 100 Prozent konzentriert und haben dem Gegner damit in die Karten gespielt. Wir haben im Angriff den Ball nicht gut genug bewegt und uns nach längerer Zeit wieder einmal zu viele Ballverluste geleistet. Das hat uns den Sieg gekostet. Aber ich denke, im Hinblick auf die heiße Phase der Saison ist es besser, jetzt zu verlieren, daraus zu lernen und sich neu zu motivieren.

Assistenztrainerin Jessie Miller sprach davon, dass es die richtigen Lehren aus der Niederlage zu ziehen gilt. Was hat die Mannschaft aus dem Spiel in Bad Homburg mitgenommen?
Wie schon gesagt, müssen wir von Anfang an voll konzentriert sein und dürfen uns nicht so viele Ballverluste leisten. Gute Mannschaften bestrafen das sofort. Wir müssen mit aggressiver Verteidigung besser zurechtkommen und gute Ausstiege aus unseren Systemen finden. Unser Anspruch muss es sein, das Spiel selbst zu bestimmen und nicht mit dem Gegner mitzulaufen, wie es in Bad Homburg der Fall war. Erfreulich war sicherlich, dass wir das Reboundduell so deutlich gewonnen haben. Darüber haben wir im Vorfeld gesprochen und unser Vorhaben umgesetzt. So muss es weitergehen.

Durch die Verlegung des Würzburg-Heimspiels hat sich ein freies Wochenende ergeben. Ist das in dieser Phase der Saison und erst recht nach einer Niederlage eher ein Vor- oder ein Nachteil?
Ich glaube, dass ein freies Wochenende kein Nachteil ist. Wir konnten jetzt gut trainieren, aber auch Kraft tanken und als Team noch mehr zusammenwachsen. Es war genug Zeit, um über das letzte Spiel nachzudenken, die Köpfe frei zu bekommen und den Blick nach vorne zu richten.

In Speyer wartet am Sonntag ein angeschlagener Gegner auf Tuchfühlung zu den Play-off-Rängen, mit Würzburg kommt zehn Tage später ein unmittelbarer Konkurrent in die Graf-Stauffenberg-Halle. Worauf wird es in den nächsten Wochen ankommen?
Wir müssen wieder unser Spiel finden. Wir sind fit und gut trainiert, das müssen wir auch zeigen. Das heißt: im Angriff wie auch in der Verteidigung aggressiv spielen, den Gegner unter Druck setzen, mutig und selbstbewusst auftreten und dem Spiel unseren Stempel aufdrücken. Daran müssen wir vor den nächsten Begegnungen noch arbeiten. Wichtig ist auch, dass jede von uns noch einmal in den Spiegel schaut und sich fragt, ob sie wirklich an ihrem Limit agiert oder ob nicht doch noch ein paar Prozent mehr Leistung abgerufen werden können. Nur so werden wir individuell und als Team stärker.

Hinter Spitzenreiter Heidelberg liegt ihr als erster Verfolger gleichauf mit Bad Homburg auf Rang 3 und den viertplatzierten Würzburgerinnen. Was zeichnet euch im Vergleich zu diesen Teams aus bzw. was spricht im Rennen um den zweiten Platz für euch?
Wir sind auf jeder Position gut besetzt, kompakt und vielseitig. Das wird vor allem zum Ende der Saison hin eine wichtige Rolle spielen, wenn die Müdigkeit in den Knochen sitzt. Wir haben eine sehr gute Mischung aus erfahrenen Spielerinnen und jugendlichem Talent im Kader. Das fängt schon an der Seitenlinie an. Ulf Schabacker mit seiner jahrzehntelangen Basketball-Erfahrung auf der einen Seite und Jessie Miller mit ihren neuen Ideen auf der anderen. Die beiden sind ein sehr homogenes Trainergespann. Es macht uns allen großen Spaß, mit ihnen zu arbeiten.

Wie schätzen Sie generell die Liga in dieser Spielzeit ein und wie eure Entwicklung im Laufe der ersten beiden Drittel der Saison?

Die Liga ist sehr spannend. Der Kampf um die drei Play-off-Ränge hinter Heidelberg wird noch hart. Es kann immer wieder zu Überraschungen kommen. Das hat die erste Niederlage der Heidelbergerinnen gezeigt. Wir als Team haben uns sehr ordentlich weiterentwickelt. Körperlich, spielerisch und auch taktisch. Wir kennen unsere Stärken besser und wissen diese im Spiel zur Geltung zu bringen. Und wir haben für den Schlussspurt sicher noch die eine oder andere Variante auf Lager.