Die 1:3-Niederlage am vergangenen Wochenende beim Tabellenletzten in Würzburg war der bisherige traurige Höhepunkt einer Saison, die sich alle Verantwortlichen beim FC Eintracht Bamberg anders vorgestellt hatten. Mit nur 18 Punkten steht man nach dem Ende der Hinrunde lediglich auf Rang 13 der Bayernliga Nord - und das als Regionalliga-Absteiger, der Ambitionen hatte, wieder in diese höheren Sphären zurückzukehren.

Am Dienstag nun zog der FCE die Reißleine, beurlaubte Trainer Norbert Schlegel und verpflichtete mit Petr Skarabela am gleichen Tag noch einen alten Bekannten für die FCE-Trainerbank. "Wir haben es uns nicht leicht gemacht. Wir waren als Vorstand zwei Tage lang zusammengesessen und haben die Situation analysiert", erklärt FCE-Präsident Mathias Zeck die schwierige Zeit, die die Vereins-Oberen zuletzt hatten. Am Ende der Analyse stand dann die Freistellung des Trainers, wobei Zeck betont, dass Schlegel sich dem Verein gegenüber bis zuletzt fair verhalten habe, und nicht er allein die Verantwortung für die sportliche Misere trägt. "Norbert ist nicht allein Schuld an der Situation. Es müssen sich viele hinterfragen, ob die Leistung in letzter Zeit den Ansprüchen, die wir haben, genügte."

Schlegel übernahm im vergangenen Dezember den FC Eintracht Bamberg in einer schwierigen Situation. "Die Grundstimmung im Verein war schon damals nicht positiv. Dann kam der Abstieg und der Neuanfang in der Bayernliga", so Zeck. Gemeinsam mit dem Trainer stellte man das Team neu zusammen. "Sicher hatte der Trainer Spielerwünsche, die aber halt wirtschaftlich nicht abbildbar waren", erklärt der FCE-Präsident. Doch Schlegel hatte eine Mannschaft mit Potenzial zur Verfügung, die das aber nur selten auf den Platz brachte.

Hinzu kamen beim Klub einmal mehr unsägliche Verletzungssorgen. Von Anfang an fehlte ein Stammtorhüter, da sich nacheinander vier Kandidaten verletzten. Hinzu kamen dauernde Umstellungen in der Abwehr durch die Ausfälle von Mirza Mekic und André Jerundow und wenig Kontinuität im Mittelfeld. Auch Viktor Gradl und Nicolas Görtler fielen aus.
Es war ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, und Norbert Schlegel war "das schwächste Glied in der Kette", so Zeck. "Wir machen das ja nicht aus Lust und Laune, weil wir gerne Trainer entlassen."

Das sieht Norbert Schlegel naturgemäß etwas anders. Der 54-Jährige zeigte sich von der Entscheidung des Vereins überrascht, wollte sich aber nicht weiter zu seiner Beurlaubung äußern. "Ich trete nicht nach und werde erst einmal selbst in die Analyse gehen, was da falsch gelaufen ist."

Schlegel war bereits der sechste Trainer in der noch jungen Geschichte des Vereins. Zählt man Torwart-Trainer Tobias Fuchs als Interimslösung zwischen Roberto Pätzold und Schlegel hinzu, kommt man sogar auf sieben Übungsleiter.


"Petr kennt das Umfeld und will helfen"

Der Nachfolger ließ nicht lange auf sich warten. Mit Petr Skarabela übernimmt ein alter Bekannter das Traineramt. Der 47-Jährige war bereits von 2012 bis 2013 Trainer bei den "Violetten". "Petr verfügt über hohe Qualifikation und kennt das Umfeld. Er war sofort bereit zu helfen", lobt Zeck die Neuverpflichtung. Der Tscheche bekommt zunächst einen Vertrag bis zum Saisonende.

Skarabela sieht kaum Parallelen zu seinem ersten Engagement in Bamberg. "Heute sind die Strukturen noch professioneller. Für einen Trainer ist das Arbeiten hier top", erklärt er einen der Gründe, warum er sich für eine zweite Amtszeit in der Domstadt entschied. Skarabela weiß, dass es kein leichtes Unterfangen wird. "Viele Spieler sind verunsichert, haben kaum Selbstvertrauen. Das ist bei Profis nicht anders als in der Bayernliga. Wenn es nicht läuft, beginnst du, über alles nachzudenken."

Deswegen wird der neue Trainer versuchen, in der kurzen Zeit, die er mit der Mannschaft hat, viele Einzelgespräche zu führen. "Ich kann auf die Schnelle nicht viel ändern. Ich habe nur zwei Trainingseinheiten bis Samstag. Aber ich glaube, dass Potenzial im Team ist, das ich nur zum Vorschein bringen muss." Zum ersten Mal wird Skarabela am kommenden Samstag beim Gastspiel beim SSV Jahn Regensburg II auf der Bank sitzen.