Nur knapp drei Minuten durfte Bennet Hundt in der zweiten Halbzeit gegen die Telekom Baskets Bonn auf das Parkett. Doch Frust schob der aktuell einzige gelernte Bamberger Aufbauspieler nach einem für ihn persönlich gebrauchten Abend nicht.

Während die beiden Trainer Johan Roijakkers und Igor Jovovic eine Viertelstunde nach der Schlusssirene eine Partie mit zwei komplett unterschiedlichen Halbzeiten neben dem Spielfeld analysierten, arbeitete Hundt auf eben jenem an seinen Defiziten. "Da sieht man seine Mentalität. Er hat heute einfach schlecht gespielt, war unkontrolliert in der Offense und schlecht in der Defense. Aber arbeitet jetzt schon wieder an seinem Wurf - das ist Bennet Hundt", sagt Roijakkers. "Man kann ihm nicht böse sein. Ich vertraue ihm zu 120 Prozent, im nächsten Spiel wird er wieder starten."

Dass Brose Bamberg am Samstagabend in der heimischen Arena beim letztlich ungefährdeten 80:66-Heimsieg über Bonn eine erste Halbzeit zum Vergessen ablieferte, lag aber bei weitem nicht nur am 22-jährigen deutschen Nationalspieler. Mit 14 Punkten Rückstand (27:41) waren die Oberfranken noch gut bedient. "Bonn hat es uns sehr schwergemacht, sie waren in ersten 20 Minuten klar das bessere Team", so Roijakkers. Einen Wutausbruch habe es in der Kabine aber nicht gegeben. "Ich bin wirklich ruhig geblieben. Wir haben einige Sachen angepasst, die uns vielleicht geholfen haben. Wir kamen mit großer Intensität raus, die Energie war definitiv da."

Bundesliga

Brose Bamberg -

Telekom Baskets Bonn 80:66

(14:20, 13:21, 24:7, 29:18)

In der ersten Halbzeit strotzten die Rheinländer vor Energie. Der erste Saisonsieg in Vechta vor Wochenfrist gab Bonn sichtlich Auftrieb. Nachdem sich in den ersten Minuten Benjamin Lischka einige Male in der Zone durchgekämpft hatte, war es im zweiten Viertel der Ex-Bamberger Leon Kratzer, der Brose-Center David Kravish vor Probleme stellte. Mit zwei erfolgreichen Hakenwürfen und einem Dunking brachte der gebürtige Bayreuther sein Team mit zehn Punkten in Front (19:29, 13.).

Der Einsatz war Brose nicht abzusprechen, aber etwas Produktives brachten die Gastgeber in der Offensive kaum zustande. Selbst bei einem Alley-oop-Versuch aus dem Einwurf heraus scheiterte Kravish am Ring - im Heimspiel gegen Würzburg war der US-Amerikaner noch dreimal mit solchen Aktionen erfolgreich. Die Bamberger Wurfquote war im ersten Durchgang mit 38 Prozent zwar sehr durchwachsen, aber nicht das Hauptproblem. Schlimmer war die Tatsache, dass Brose in den ersten 20 Minuten nur zu 24 Wurfversuchen aus dem Feld kam - das lag an in erster Linie an zwölf Ballverlusten. "Bonn hatte zur Halbzeit 34 Würfe, wir nur 24. Wenn man ständig den Ball verliert, kann man auch nicht werfen", sagte Bambergs Devon Hall nach der Partie.

Der ehemalige NBA-Spieler kam in der ersten Halbzeit ebenso wenig wie Hundt mit der aggressiven Spielweise der Bonner zurecht. Gästecoach Jovovic streute gelegentlich eine Pressverteidigung über das ganze Feld ein, die dafür sorgte, dass Bamberg erst sehr spät in seine gewohnten Spielzüge einsteigen konnte. Als dann auch noch Chris Babb heißlief, binnen zwei Minuten acht Punkte markierte und die Bonner kurz vor der Pause mit 18 Zählern in Front brachte (23:41), wäre es auf den Rängen einer voll besetzten Brose-Arena so langsam unruhig geworden. "Wir haben die Ruhe bewahrt und in der zweiten Halbzeit die Anweisungen vom Coach umgesetzt. Wir haben offensiv ins Spiel gefunden und ihnen defensiv nicht mehr viel erlaubt", erklärte Chase Fieler.

Sonderlob für Kenny Ogbe

Roijakkers setzte in der zweiten Hälfte - auch da Dominic Lockhart frühzeitig sein drittes Foul kassierte - Kenny Ogbe als Kettehund auf die Bonner Aufbauspieler an. "Kenny hatte großen Anteil daran, dass wir das Spiel drehen konnten. Seine Defense war exzellent", lobte der Brose-Coach. Doch nicht nur Ogbe, jeder Bamberger trug im dritten Viertel seinen Teil zu einer überragenden Verteidigung bei. Michele Vitali wurde zum Shotblocker und provozierte ein Bonner Offensivfoul, Fieler klaute drei Bälle und Kravish pflückte sich nun zuverlässig die Abpraller.

Gerade einmal sieben Pünktchen erlaubte Brose den nunmehr kraftlosen Gästen in Viertel Nummer 3. Lehrbuchmäßig kreierte die gute Verteidigung leichte Punkte durch Schnellangriffe, die Fieler zweimal spektakulär abschloss. Nach einem Dunking des Co-Kapitäns war ein 18:0-Lauf und der Ausgleich (41:41) perfekt. "Bei solchen Aktionen geht es einfach um Energie, gerade ohne Zuschauer ist das wichtig. Man dunkt und stoppt die Gegner, das ist doppelt hart für sie", so Fieler.

Für deutlich mehr Struktur im Setplay sorgte nun neben einem verbesserten Hall auch Lockhart, der die Bamberger Führung mit einem Dreier in den zweistelligen Bereich hochschraubte (58:48, 33.). Vitali (zwei) und Hall legten in kürzester Zeit mit weiteren drei Treffern von der 6,75-Meter-Linie nach und brachten den Heimsieg noch frühzeitig unter Dach und Fach. Nach dem vierten Sieg im siebten Spiel weist Brose Bamberg in der Bundesliga erstmals eine positive Bilanz auf.

Bereits am Montag Abflug in die Türkei

Den vierten Erfolg in der vierten Partie könnte das Team von Trainer Roijakkers am Mittwoch in der Champions League in der Türkei bei Pinar Karsiyaka einfahren. Bereits am frühen Montagmorgen macht sich der Brose-Tross auf zum Frankfurter Flughafen. Nach einem Zwischenstopp in Istanbul ist nach einem weiteren Flug gegen 21.30 Uhr die Ankunft in der Vier-Millionen-Metropole Izmir an der Ägäisküste geplant.

Spieler des Spiels

Chase Fieler drehte nach zuletzt unauffälligeren Leistungen wieder auf - besonders im dritten Viertel, als ihm alleine neun Punkte und drei Steals glückten. Der 28-Jährige legte starke Zahlen auf (18 Punkte, 7/9 aus dem Feld, 28 Effektivität), gab dem Team aber durch seine spektakulären "Wachmacher-Aktionen" noch viel mehr.

Die Basketball-Statistik

Bamberg: Fieler (18 Punkte/2 Dreier), Hall (17/2), Kravish (12), Vitali (11/3), Sengfelder (9), Lockhart (6/2), Ogbe (5), Grüttner Bacoul (2), Hundt, Odiase, Seric, Plescher

Bonn: Micovic (15/1), Lischka (13/1), Kratzer (12), Babb (11/3), Hagins (5/1), Gailius (3), Binapfl (3), DiLeo (2), Pollard (2), Thompson

Schiedsrichter: Fritz, Madinger, Gutting

Zuschauer: keine

Gesamtwurfquote: Bamberg 49 Prozent (26 Treffer/53 Versuche), Bonn 33 (21/63)

Dreierquote: Bamberg 33 (9/27), Bonn 19 (6/31)

Freiwurfquote: Bamberg 86 (19/22), Bonn 82 (18/22)

Rebounds: Bamberg 40 (34 defensiv/6 offensiv), Bonn 33 (22/11)

Ballgewinne/-verluste: Bamberg 5/15, Bonn 7/10

Assists: Bamberg 15 / Bonn 17

Fouls: Bamberg 17 / Bonn 23