Zum Jahresabschluss lassen es die Basketballer von Brose Bamberg schon länger nicht mehr krachen. Die bittere Derbyniederlage gegen die Bayreuther einen Tag vor Silvester war nun schon die dritte Pleite in Folge im letzten Spiel des Kalenderjahres. Und es spricht nach der enttäuschenden Leistung im Oberfrankenduell wenig dafür, dass der einstige Serienmeister zu Beginn des neuen Jahres besser aus den Startlöchern kommt als vor zwölf Monaten, als er im ersten Spiel des Jahres 2019 mit 69:73 in Crailsheim unterlag. Schließlich kommt am Sonntag (15 Uhr/Sport1 live) mit den EWE Baskets Oldenburg ein Bundesliga-Spitzenteam in die Brose-Arena.

Die Partie gegen die "Donnervögel", die zuletzt vier Siege in Folge einfuhren und mit 18:4 Punkten den dritten Platz einnehmen, ist für die Mannschaft von Trainer Johan Roijakkers die erste von drei binnen sechs Tagen. Am Mittwoch ist sie zu einem Nachholspiel in Ulm zu Gast, am Freitag geht es nach Vechta. "Die nächste Woche gibt die Richtung vor, in die wir uns entwickeln. Daher liegt es an jedem von uns, mit vollem Fokus in die drei nun anstehenden Spiele zu gehen. Wir haben bereits gezeigt, wozu wir imstande sind. Wir haben Potenzial. Allerdings müssen wir noch lernen, es konstant abzurufen", sagt Mannschaftskapitän Chase Fieler vor dem straffen Programm.

Dreierquote beträgt nur 26 Prozent

Dass es für die Bamberger gegen jeden Gegner schwer werden kann, wurde ihnen von den zuvor viermal in Folge sieglosen Bayreuthern schonungslos aufgezeigt. Obwohl sie bereits im ersten Viertel mit 16 Punkten vorne lagen, neun Ballgewinne und elf Offensivrebounds mehr als der Gegner aufwiesen und sich sechs Ballverluste weniger als dieser erlaubten, standen die Gastgeber am Ende mit leeren Händen da. Das lag daran, dass die Bamberger Offensive von Minute zu Minute an Struktur verlor. Die Mannschaft mit der bis dahin besten Trefferquote in der Bundesliga kam diesmal nur auf 32 Prozent. Aus der Distanz fielen zwar elf Würfe, allerdings betrug die Dreierquote nur 26 Prozent, weil die Heimmannschaft dafür 43 Versuche benötigten - insgesamt waren es neun Würfe mehr als aus dem Zweierbereich.

"Einer der Hauptgründe für die Niederlage ist, dass wir einfach eine Menge Würfe vergeben haben. Wenn man 20 Würfe mehr nimmt und trotzdem verliert, muss man dem Gegner gratulieren und zugeben: Das war nicht unser Tag. In der Videoanalyse müssen wir dann noch sehen, was wir in der Defensive falsch gemacht haben", sagte Brose-Center David Kravish , der mit zehn Punkten und zwölf Rebounds wieder einmal der effektivste Bamberger war.

Coach Roijakkers führte fehlende körperliche und geistige Frische als Gründe für die Derbyniederlage an. "Seitdem wir aus der Türkei zurückgekommen sind, sind wir kaputt. Zu viele Spiele, zu viele Spieler, die zu viele Minuten gehen müssen. Aber wir bekommen keine Pause, spielen zwei Spiele pro Woche", klagte der Niederländer. Dennoch hielt er auch im Derby trotz des Ausfalls von Tyler Larson an seiner bewährten Rotation fest. Sieben Spieler absolvierten 19 oder mehr Minuten. Am längsten auf dem Parkett stand Devon Hall (35:03), der aber mit nur zwei Treffern bei 15 Versuchen aus dem Feld offensiv fast ein Totalausfall war.

Oldenburger stellen die beste Offensive der Liga

Der US-Amerikaner muss sich wie einige seiner Mitspieler gewaltig steigern, wenn die Bamberger den Oldenburgern Paroli bieten wollen. Die EWE Baskets stellen mit 93,3 Punkten im Schnitt die beste Offensive in der Bundesliga. Das mittlerweile 38 Jahre alte Urgestein Rickey Paulding (16,8), Power Forward Nathan Boothe (13,6,), Flügelspieler Keith Hornsby (12,5) und Center Rasid Mahalbasic (10,5) punkten im Schnitt zweistellig. Der Bamberger Karsten Tadda steuert 3,6 Zähler bei.

Zuletzt kamen die Oldenburger einen Tag vor Silvester zu einem knappen 82:80-Erfolg beim weiterhin sieglosen Schlusslicht Rasta Vechta. Nach Ansicht von EWE-Trainer Mladen Drijencic hatte sich seine Mannschaft im Nordderby "emotional zu sehr gehen lassen. In meinen Augen haben wir so manche Situation in der Offense zu schnell abgeschlossen, statt mit Köpfchen zu spielen. Und daraus hat sich dann bis zur letzten Sekunde ein offenes Spiel entwickelt." Zweistellig punkteten beim Sieger Boothe (23), Hornsby und Paulding (je 11).

Bamberg und Oldenburg standen sich zuletzt beim Finalturnier der vergangenen Saison gegenüber. Die EWE Baskets gewannen im Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft sowohl das Hinspiel (86:81) als auch das Rückspiel (89:75). Die vergangenen fünf Duelle gingen allesamt an die Norddeutschen. Der letzte Bamberger Sieg über die Oldenburger datiert vom 20. April 2018 (95:82).