Laden...
Bamberg
Fußball

Die Fortsetzung der Regionalliga-Saison als Vorbild für den restlichen Amateurfußball

Der Streit in der Regionalliga ist zu Ende, die Saison wird fortgesetzt. Dieser Plan wird sich auf den restlichen bayerischen Amateurfußball auswirken.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ein Saisonabbruch ist vom Tisch, der Ball rollt in der Regionalliga Bayern ab September wieder - und das hat auch eine Signalwirkung für den kompletten bayerischen Amateurfußball.  Foto: Archiv/Sportfoto Zink
Ein Saisonabbruch ist vom Tisch, der Ball rollt in der Regionalliga Bayern ab September wieder - und das hat auch eine Signalwirkung für den kompletten bayerischen Amateurfußball. Foto: Archiv/Sportfoto Zink

Es kommt Bewegung in den Amateurfußball - zumindest bei der Planung der gerade unterbrochenen Spielzeit. Auslöser ist die Entwicklung in der Regionalliga. Das Modell in der höchsten bayerischen Liga ist ein klarer Fingerzeig auf die Saisonfortsetzung in den Ligen von der Bayernliga abwärts.

Lange Zeit war das Stimmungsbild bei den Regionalligavereinen klar: Ein Großteil sprach sich für einen Saisonabbruch aus. Doch das änderte sich in einer vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) in Übereinstimmung mit den Liga-Sprechern initiierten Abstimmung. Bei dieser Videokonferenz votierten vier Klubs für einen Abbruch, fünf Regionalligisten enthielten sich der Stimme, neun Vereine sprachen sich für eine Fortsetzung aus.

"Die Regionalliga Bayern demonstriert damit Geschlossenheit, weil auch diejenigen Klubvertreter, die für einen Abbruch gestimmt haben, das Ergebnis in dieser Form mittragen und akzeptieren", werden die beiden Liga-Sprecher Robin Helmschrott (FC Augsburg II) und Markus Clemens (SV Schalding-Heining) in einer BFV-Meldung zitiert.

Und kurz darauf machte der BFV-Vorstand Nägel mit Köpfen und entschied sich am späten Donnerstagabend einstimmig für die Saisonfortsetzung in der Regionalliga Bayern. Allerdings ohne Details zu nennen. Sicher ist, dass die elf ausstehenden Spieltage der Saison 2019/20 - wenn es die Corona-Pandemie zulässt - nach dem 1. September ausgetragen werden. Allerdings vermutlich ohne Türkgücü München.

Fortsetzung mit 17 Teams

Die Münchner waren zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung Tabellenführer und sicherten sich so das Aufstiegsrecht, das sie nach aktuellem Stand wohl auch wahrnehmen. Wenn die Regionalliga-Saison 2019/20 ab 1. September mit dann 17 Mannschaften fortgesetzt wird, sind die Münchner schon Teil der Drittligasaison 2020/21.

Die 17 Regionalligisten spielen allerdings nicht um die Goldene Ananas. So sollen die am Ende der Saison 2019/20 vier bestplatzierten Teams, die einen Lizenzantrag für die 3. Liga eingereicht haben, in einem Best-of-five-Modus den Relegationsteilnehmer für die Drittliga-Saison 2021/22 ausspielen. Das veröffentlichte zumindest Wolfgang Gruber, Geschäftsführer des Regionalligisten SpVgg Bayreuth, auf seiner Facebook-Seite. Doch zu diesem Play-off-Plan äußerte sich der BFV bislang nicht. Sicher scheint jedoch, dass die Teams um den Platz in den Aufstiegspartien zur 3. Liga spielen werden. Aus verbandsnahen Quellen war zu erfahren, dass der Modus - dieser kann verkürzt sein - erst festgelegt wird, wenn bekannt ist, welches Zeitfenster zur Verfügung steht.

Ligapokal kommt

Übereinstimmung herrscht dagegen wohl über die Einführung eines Ligapokals. In diesem wird - entweder vor Fortsetzung der Saison 2019/20 oder nach deren Ende - zunächst in Kleingruppen und anschließenden K.-o.-Runden ein Platz in der ersten Runde des DFB-Pokals ausgespielt.

Die angepeilte Saisonfortsetzung akzeptiert auch Gruber, der zuletzt heftig auf Konfrontation mit dem BFV gegangen war: "Wir können mit der gefundenen Lösung sehr gut leben."

Auswirkungen auf andere Amateurligen

Und auch auf Kreisebene zeigt man sich mit der Regionalliga-Lösung zufrieden. Manfred Neumeister, Kreisvorsitzender für Bamberg/Bayreuth/Kulmbach sagt: "Ziel muss es sein, dass alle Ligen ab der Saison 2021/22 wieder in den normalen Rhythmus kommen - und da kann diese Lösung ein Vorbild für alle anderen Ligen sein."

Eine Spielzeit fällt wohl weg

Ob es aber auch für die Bayernliga abwärts Play-offs gibt, scheint fraglich. Vielmehr ist davon auszugehen, dass auf die Saison 2020/21 verzichtet wird. Das war aus der BFV-Arbeitsgruppe "Saisonfortsetzung", ihr gehören zahlreiche Vereinsvertreter an, nahestehenden Quellen zu vernehmen. So soll die Saison 2019/20 zu Ende gespielt und im Vorfeld oder im Anschluss ein modifizierter Toto-Pokal ausgetragen werden.

Wichtiger Aspekt sei, dass es für die Amateurfußballer für alle Zeitfenster, in denen es das Wetter und die Corona-Pandemie zulassen, Wettbewerbe mit einem sportlichen Wert geben muss. Bei diesen Plänen könnten auch die Auf- und Abstiegsregelung sowie die Relegation in der Saison 2019/20 zur Geltung kommen. Die Verzahnung von der Regionalliga bis zur untersten Klasse wäre gewährleistet.

Statt Pokal könnte sich Neumeister eine verkürzte Saison 2020/21 mit Kleingruppen und anschließenden Entscheidungsspielen vorstellen. Leben kann er aber mit beiden Varianten: "Beide Lösungen bieten Flexibilität, da entweder Pokal oder die verkürzte Saison wegfallen können, falls sich eine zweite Corona-Welle mit erneuten Einschränkungen einstellt."

Kommentar von Torsten Ernstberger: Verband bleibt zu Recht hart

Thüringen und Bayern haben in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal. Nur in diesen beiden Ländern entschieden sich die Fußballverbände für eine Fortsetzung der aktuell unterbrochenen Spielzeit im Amateurbereich. Viel Kritik musste der Bayerische Fußballverband deshalb in den vergangenen Wochen einstecken, doch er blieb hart und bei seiner Entscheidung - und das zu Recht.

Die sich abzeichnende Lösung mit der Fortsetzung der Saison 2019/20 und einem modifizierten Pokalwettbewerb sowie einem Verzicht auf die Spielzeit 2020/21 bietet Flexibilität: Mögliche weitere Corona-Shutdowns können berücksichtigt werden. Die Lösung ist fair: Die sportlichen Entscheidungen fallen am Platz und nicht am grünen Tisch. Die Lösung orientiert sich am Rahmenspielplan: Wenn möglich, rollt der Ball an den üblichen Terminen. Deshalb werden Amateurfußballer die Saison 2020/21 nicht vermissen und nicht über lange Spielpausen klagen.

Apropos Klagen: Diese könnten auf die anderen Landesverbände zukommen. Und zwar bei den anstehenden Verbandstagen, wenn darüber entschieden wird, wie die in ihren Gebieten abgebrochene Spielzeit 2019/20 sportlich gewertet werden soll. Darüber müssen sich die Verbände in Bayern und Thüringen keine Gedanken machen.