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Die Folgen der EM-Verschiebung

Während der Europameisterschaft im Sommer wollte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr Lager bei Sponsor Adidas in Herzogenaurach aufschlagen. Dafür wurden auf dem Firmengelände extra neue Gebäude errichtet - nach der EM-Verschiebung umsonst?
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Das Adi-Dassler-Stadion auf dem Firmengelände von Adidas wurde zum Confederations-Cup 2005 erbaut. Im Sommer wäre die Nationalmannschaft hierhin zurückgekehrt. Foto: Archiv/Paul Frömel
Das Adi-Dassler-Stadion auf dem Firmengelände von Adidas wurde zum Confederations-Cup 2005 erbaut. Im Sommer wäre die Nationalmannschaft hierhin zurückgekehrt. Foto: Archiv/Paul Frömel

Die Vorfreude in Herzogenaurach war riesig: Anfang Juli des vergangenen Jahres verkündete der Deutsche Fußball-Bund (DFB), dass die deutsche Nationalmannschaft während der Europameisterschaft 2020 ihr Quartier in Mittelfranken aufschlagen wird. Genauer gesagt auf dem Gelände des Sportartikelherstellers und jahrzehntelangen Sponsors Adidas. Der "Home Ground", eine Erweiterung des Firmengeländes "World of Sports" mit Wohneinheiten und Tagungsräumen ging in den Bau. Dort wird im Sommer aber kein Nationalspieler zu finden sein: Der europäische Fußballverband Uefa hat die EM aufgrund des Coronavirus um ein Jahr verschoben.

Bei Adidas kann man die Verlegung nachvollziehen: "Wir unterstützen die Entscheidung und haben dafür volles Verständnis. Die Gesundheit und Sicherheit aller Beteiligten haben in einer solchen Ausnahmesituation absoluten Vorrang", sagt Adidas-Sprecher Oliver Brüggen. Die Nationalmannschaft sollte ursprünglich der erste Nutzer des neuen Tagungszentrums auf dem Adidas-Gelände sein. Daraus wird jetzt nichts.

"Der Gebäudekomplex ,Home Ground' wird trotzdem wie geplant fertiggestellt", sagt Brüggen. Im Mai sollten die Arbeiten abgeschlossen werden. "Er kann von Mitarbeitern, aber auch von externen Partnern, Sportlern, Vereinen oder Verbänden genutzt werden." Dafür war der Neubau im Westen des Firmenareals nach der Abreise des DFB-Teams ohnehin vorgesehen.

Dem Team fehlt es an Nichts

Neben 15 Holzhäusern mit je vier Zimmern als Übernachtungsmöglichkeit hätten - verteilt auf drei Gebäude - Räumlichkeiten für Physiotherapie und Training, ein Restaurant, Aufenthaltszimmer sowie Büros und Besprechungsräume auf die Spieler, Trainer und Betreuer des Nationalteams gewartet.

Für das Training waren die schon bestehenden Einrichtungen auf dem Adidas-Campus vorgesehen, die bisher von den 5600 Mitarbeitern am Standort Herzogenaurach genutzt werden: Das Adi-Dassler-Stadion für maximal 4000 Zuschauer zum Beispiel, das zum Confederations-Cup 2005 gebaut und von der Nationalmannschaft für ein öffentliches Training verwendet wurde. Auch Anlagen für andere Sportarten, wie Tennis, Basketball oder Beachvolleyball, gibt es. Und - laut Adidas - "eines der besten Fitnessstudios der Welt".

All diese Anlagen werden aufgrund des zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus nun vorerst nicht von der Nationalmannschaft genutzt. Aufgeschoben ist allerdings nicht aufgehoben: "Mit dem DFB bleiben wir weiterhin in enger Abstimmung", sagt Brüggen, "und unsere Vorfreude, im Sommer 2021 Gastgeber der deutschen Mannschaft zu sein, bleibt ungebrochen".

Chance für Amateurfußball

Die Verschiebung der Europameisterschaft eröffnet auch dem bayerischen Amateur-Fußball neue Möglichkeiten. Denn bislang war geplant, dass die Amateur-Ligen während der EM ruhen. "Jetzt haben wir die Möglichkeit, die gerade unterbrochene Saison weiter zu verlängern", sagt der oberfränkische Bezirksvorsitzende des Bayerischen Fußballverbandes (BFV) Thomas Unger aus Konradsreuth.

Die Spielordnung erlaube diesen Schritt. Aktuell gebe es viele Diskussionen und mögliche Szenarien, über die sich auch der Verband Gedanken mache. Klar sei aber jetzt schon, dass es wohl keine Lösung geben werde, die allen gerecht wird. "Sobald wieder Fußball gespielt werden kann, werden wir einen Plan haben und diesen mindestens 14 Tage vor Wiederaufnahme des Spielbetriebs verkünden", versichert Unger - und tritt dann aus seiner Rolle als Bezirksvorsitzender heraus: "Ich mag Fußball wirklich sehr, aber aktuell hat er für mich nicht Priorität Nummer 1."

Nachdenklich erzählt er von einem Bericht über eine italienische Zeitung, die seitenweise Todesanzeigen abdrucken muss. Er erzählt von seiner Sorge um die Älteren und Schwachen der Gesellschaft - und Unger ärgert sich über Menschen, die sich jetzt noch in größeren Gruppen versammeln oder sogar Partys feiern. "Wir müssen jetzt die Verbreitung des Virus unbedingt verlangsamen. Einige habe die Ernsthaftigkeit der Lage leider noch nicht kapiert." Darüber mache er sich gerade die meisten Gedanken und nicht über die Fortsetzung der Fußballsaison. "Außerdem kann niemand aktuell sagen, wann es mit dem Fußball weiter geht", sagt Unger. "Ich persönlich bin skeptisch, dass die Spielpause bis zum 19. April wirklich ausreichend ist."