"Es geht darum, die Infektionskette zu stoppen. Priorität hat die Gesundheit aller", erklärt Oberfrankens Bezirksvorsitzender Thomas Unger. Ob und wann der Spielbetrieb in Bayern wieder aufgenommen werden könne, sei derzeit offen. Auch eine Prognose bezüglich möglicher Nachholtermine gibt Unger nicht ab. Denn die Lage ändere sich stündlich: "Es finden laufend Telefonkonferenzen mit der bayerischen Landesregierung und den Ämtern statt. Ich kann heute nicht sagen, wie die Situation morgen aussieht."
Tischtennis
Neben dem Bayerischen Fußball-Verband zögerte auch der Bayerische Tischtennis-Verband (BTTV) bis zum gestrigen Freitag, ehe er den Spielbetrieb einstellte.
BTTV-Vize-Präsident Gunther Czepera aus Altenkunstadt, zuständig für den Spielbetrieb in Bayern, war bis zuletzt noch in Gesprächen mit dem Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB). Deren Führung beschloss gestern, den Spielbetrieb bis einschließlich 17. April auszusetzen. Das heißt: Die Ligen ab der Oberliga aufwärts sind in der Warteschleife.
Dagegen bricht der BTTV seine Saison komplett ab. "Die restlichen vier Spieltage werden nicht mehr ausgetragen. In fünf Wochen sieht es auch nicht anders aus", sagt Czepera. "Am 19. April wäre normalerweise unsere Saison inklusive Relegation fertig. Da wir zudem sehr viele Senioren in unseren Teams haben, wollen wir sie nicht der Gefahr einer Ansteckung aussetzen. Deshalb bleiben wir beim Entschluss, die Saison abzubrechen." Das habe auch organisatorische Gründe. "Im Gegensatz zum DTTB, der 16 Ligen verwaltet, sind es allein beim BTTV rund 350 Ligen", fügt Czepera an.
Wie es weitergeht, werden zu gegebener Zeit der BTTV und die übrigen Landesverbände mit dem DTTB besprechen. Dies betrifft insbesondere die Auf- und Abstiegsregelungen. Eine Option wäre, die Ligen in Bayern einfach auf Null zu setzen und die abgebrochene Spielzeit 2020/21 mit den gleichen Teams erneut zu beginnen.
Beschlossen ist diesbezüglich jedoch noch nichts. Meisterschaften, wie die "Deutsche" der Senioren Anfang Mai in Dillingen sind noch nicht abgesagt.
Volleyball
Von der Bundesliga bis zur Kreisklasse und in allen Altersklassen wird die Saison vorzeitig beendet. René Hecht, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbands, sagt: "Wir befinden uns in einer Situation, in der wir aufgrund von höherer Gewalt und politischen Empfehlungen eine Entscheidung treffen mussten." Gegen vorübergehende Unterbrechung sprachen die unterschiedlichen Regelungen in Bundesländern, Städten und Kommunen.
Viele Hallen sind gesperrt, daher können manche Vereine nicht mehr trainieren. Für das fränkische Erstliga-Schlusslicht aus Eltmann bedeutet dies - zumindest sportlich - den Klassenerhalt. Wer die Startplätze im Europapokal erhält, wird noch entschieden. Auch bei den Amateuren steht nicht fest, wie Auf- und Abstieg geregelt werden. Aus- und Fortbildungen für Schiedsrichter und Trainer sowie Kadermaßnahmen auf bayerischer und Bezirksebene sind mindestens bis 19. April abgesagt. In dieser Zeit geplante Kreis- und Bezirkstage fallen aus. Für den Bayernpokal am 2./3. Mai in Sonthofen wird ein Ersatztermin erwogen.
Kegeln
Stillstand auf sämtlichen Kegel-Bahnen in Bayern: Die Verbände DKBC (Deutscher Keglerbund Classic) und DCU (Deutsche Classic-Kegler-Union) haben den Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres in den Bundesligen ausgesetzt. "Neue Termine werden rechtzeitig, entsprechend der Beurteilung der aktuellen Lage, bekanntgegeben", teilte der DKBC mit. Der ihm untergeordnete Bayerische Sportkegler- und Bowlingverband (BSKV) hat sich angeschlossen und setzte den Spielbetrieb ebenfalls aus.
Am Samstag, 21. März, will der Verband eine Entscheidung über die Fortsetzung der Saison treffen. Die Tendenz geht wohl dahin, die Saison zu beenden und auf Meister sowie Auf- und Absteiger zu verzichten.
Bis zum Freitagabend hatten lediglich die Landesverbände Sachsen und Thüringen den Spielbetrieb noch aufrechterhalten.
Eishockey
Die Situation im Eishockey lässt sich schnell zusammenfassen: Saisonende in allen Ligen. Auf die Play-offs und -downs wird verzichtet. Die DEL und DEL2 haben Nägel mit Köpfen gemacht: Die beiden höchsten Ligen verzichten auf eine Meister-Kür und einen Absteiger.
Das heißt: Alle Erst- und Zweitligisten haben sich sportlich für die jeweilige Liga qualifiziert. Für die unter dem Dach des Deutschen Eishockeybundes organisierten Ligen (u.a. die Oberligen) gilt: Die Platzierungen aus den Hauptrunden mit den jeweiligen Siegern werden übernommen. Alle weiteren sportlichen Entscheidungen in den betroffenen Ligen wie Auf- und Abstieg werden ausgesetzt. In der Schwebe sind dagegen die Teams auf bayerischer Ebene. "Wir betonen ausdrücklich, dass die Entscheidung für die betroffenen Vereine keine negativen Auswirkungen für die Saison 2020/21 haben wird", ist die vage Aussage auf der Homepage des Bayerischen Eissportverbandes.
Handball
Keine Kunststücke, keine Rückraum-Kracher, keine packenden Zweikämpfe - und das bis mindestens 19. April. Am Freitagmorgen entschied das Präsidium des Deutschen Handballbundes (DHB), dass der gesamte Spielbetrieb auf allen Ebenen ausgesetzt wird. Bereits am Donnerstag gab die Handball-Bundesliga (HBL) bekannt, dass die 1. und 2. Bundesliga bis zum 22. April pausiert. "Ziel ist es, den Spielbetrieb am 23. April wieder aufzunehmen, um die ausgesetzte Saison nach Möglichkeit beenden zu können. Die ausgefallenen Spieltage sollen im Mai nachgeholt werden", heißt es in einer Pressemitteilung der HBL.
Der Bayerische Handballverband (BHV) gab am Donnerstag bekannt, dass der Spielbetrieb im Kinder- und Jugendbereich eingestellt wird. Bei den Erwachsenen ruhen auf Bezirks- und Landesebene bis auf Weiteres die Bälle. Einen Abbruch der Saison, wie etwa in Hessen, gibt es in Bayern noch nicht.
Basketball
In den fränkischen Sporthallen wird am Wochenende nicht auf Körbe geworfen. Von der Bundesliga bis hinunter in die Bezirksklassen ruht der Spielbetrieb - und in vielen Spielklassen steht nicht fest, wann die Basketballer wieder auf Korbjagd gehen dürfen. Die Bundesliga pausiert bis auf Weiteres, in den 2. Ligen ProA und ProB wird auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am Montag über ein vorzeitiges Saisonende diskutiert.
Dieses hat die Bundesliga und 2. Liga der Frauen bereits ereilt. In den Jugend-Bundesligen wurde der Spielbetrieb ebenso bis auf Weiteres gestoppt wie in der Regionalliga Südost. Der Bayerische Basketball-Verband (BBV) hat darüber hinaus alle Maßnahmen, Tagungen, Lehrgänge und Sitzungen abgesetzt. Das BBV-Präsidium wird zeitnah entscheiden, ob die Saison endgültig für beendet erklärt wird. Dieser Entscheidung wollen sich die Bezirke Ober- und Mittelfranken, in denen der Spielbetrieb ebenfalls ruht, anschließen.
Kommentar von Sportredakteur Udo Schilling
Eine Zäsur, die es so in der Geschichte noch nicht gab, erfährt in Zeiten der Corona-Pandemie der Sport. Von den Profiligen bis in die untersten Freizeitklassen bekommen die Sportler wie die Fans und Zuschauer eine Pause verordnet. Kein Spiel - und in den meisten Fällen auch kein Trainingsbetrieb. Zeit, über das nachzudenken, was wirklich wichtig ist. Und das ist sicher nicht der Sport - auch wenn das einige Anhänger anders sehen, die um ihre Wochenendbeschäftigung gebracht werden oder ihr Geld für bereits bezahlte Dauerkarten zurückfordern. Viele Profivereine, aber auch die weitaus größere Zahl an ambitionierten, semiprofessionell und oft ehrenamtlich geführten Klubs steht durch das Saisonaus oder die Unterbrechung des Spielbetriebs wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Dafür soll es Lösungen geben - später. Jetzt lautet die Devise: Rücksicht, Sicherheit und Risikominimierung. Das fängt beim fünfjährigen Nachwuchskicker an, geht beim 50-jährigen Basketball-Jugendtrainer weiter und hört beim 75-jährigen Kegler auf. Es geht um die Gesundheit aller und eventuell um das Leben der anderen. Deshalb Sportler und Sportinteressierte - jetzt mal die Füße stillhalten! Denn Sport ist die schönste Nebensache der Welt - die Betonung liegt dabei auf Nebensache!