Vor etwas mehr als einem Jahr gelang den Basketballern von s.Oliver Würzburg ein historischer Sieg. Mit dem 72:69-Erfolg entführten sie am 26. November 2019 zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte zwei Punkte aus der Brose-Arena. Zwar treten die Unterfranken auch am Mittwoch (20.30 Uhr) wieder als Außenseiter in Bamberg an, ein zweiter Coup ist aber durchaus möglich. Schließlich stehen die in der Bundesliga noch nicht in Tritt gekommenen Brose-Korbjäger mit nur zwei Siegen in fünf Spielen nicht besser da als ihr punktgleicher Tabellennachbar.

Zwar hielten die Bamberger am Sonntag 35 Minuten lang mit dem Meister aus Berlin mit, doch leisteten sie sich in der Schlussphase zu viele Patzer, so dass sie die bereits dritte Niederlage nicht abwenden konnten. "Leider passieren uns immer noch teilweise zu einfache Fehler. Das müssen wir schnellstmöglich abstellen", meinte David Kravish, der in der Hauptstadt 32 Minuten auf dem Parkett stand und mit 20 Punkten wieder einmal bester Werfer der Bamberger war. Der Center warnt vor den Würzburgern, die "uns in dieser Saison bereits über 30 Minuten geärgert haben". Im Vorrundenspiel des Pokalwettbewerbs hatten sich die Bamberger am 24. Oktober in Ulm zwar klar mit 89:68 durchgesetzt, konnten sich aber erst im letzten Viertel entscheidend absetzen. Seitdem hat sich bei den Gästen personell einiges getan. Center Justin Sears und Power Forward Brekkott Chapman haben ihre langwierigen Verletzungen auskuriert. Zudem ist seit der vergangenen Woche ein prominenter Neuzugang an Bord. Auf Leihbasis wechselte Alex King vom FC Bayern München bis Saisonende zu den Unterfranken, für die er zwischen 2011 und 2013 schon einmal gespielt hatte.

Einstand nach Maß

"Er wird unserer jungen Mannschaft bei der Suche nach ihrer Identität gut tun, weil er seine Aufgabe versteht und der Mannschaft gerade in kritischen Situationen helfen kann", hatte Wucherer bei der Verpflichtung Kings gesagt und behielt auf Anhieb recht. Beim 76:67-Erfolg am Samstag in Chemnitz feierte der 35-jährige Routinier einen Einstand nach Maß und war mit 16 Punkten zweitbester Korbschütze der Unterfranken hinter Aufbauspieler Taylor Persons (19.). King traf drei von sechs Dreiern, holte zudem sechs Rebounds und hatte zwei Ballgewinne.

Der Bundesliga-Rekordspieler (586 Einsätze) dürfte sich wohl nicht darüber beschweren, dass corona-bedingt derzeit in leeren Hallen gespielt wird, denn die Würzburger Fans haben ihm seinen Wechsel nach Berlin im Jahr 2013 bis heute nicht verziehen. King, damals Leistungsträger und Teil der Mannschaft, die 2012 das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft erreichte, hatte überraschend von einer Ausstiegsklausel in seinem Vertrag Gebrauch gemacht und wurde seitdem vom Anhang der Unterfranken regelmäßig ausgebuht.

Zwei Auswärtssiege in Folge

Mit der Verpflichtung Kings und der Rückkehr von Sears und Chapman sind die Unterfranken nun wesentlich stärker besetzt als noch zu Saisonbeginn, als sie in Pokal und Bundesliga vier Niederlagen in Folge kassierten und regelmäßig im letzten Viertel einbrachen. Mit zwei Auswärtssiegen in Folge in Vechta und Chemnitz wähnen sich die Würzburger nun in der Saison angekommen. "In Bamberg haben wir die Möglichkeit zu zeigen, inwieweit wir inzwischen stabiler geworden sind und ob wir dazugelernt haben", sagt Wucherer.

Haßfurther verpasst das Derby

Während die Bamberger wohl weiterhin auf Tyler Larson (Achillessehnenverletzung) verzichten müssen, fällt bei den Würzburgern ebenfalls ein Aufbauspieler aus. Der gebürtige Bamberger Nils Haßfurther fehlte für mehrere Wochen wegen einer Mandelentzündung und wird erst Ende dieser Woche wieder ins Training einsteigen.