FC Bayern München, Medi Bayreuth, EWE Baskets Oldenburg und Ratiopharm Ulm: Das Bundesliga-Programm zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag hat es für Brose Bamberg in sich. Herausforderungen, die Trainer Johan Roijakkers und sein Team mit mehr Gelassenheit angehen können, wenn bereits das erste Saisonziel eingetütet ist. Notwendig ist hierfür ein Erfolg am Mittwochabend (18 Uhr MEZ, live bei DAZN) im vierten Gruppenspiel der Champions League bei Pinar Karsiyaka (ein Sieg, eine Niederlage). Bei vier Siegen wäre Bamberg auch theoretisch der zweite Platz in der Gruppe F und somit der Einzug in das Achtelfinale nicht mehr zu nehmen.

Unabhängig vom Spielausgang wird die Besinnlichkeit in diesen Tagen für die Profis auf der Strecke bleiben. Heiligabend verbringt der Brose-Tross zumindest zur Hälfte im Flugzeug und Bus. Planmäßige Ankunft am Frankfurter Flughafen ist gegen 12.30 Uhr. Am 1. Weihnachtsfeiertag bittet Roijakkers zu zwei Trainingseinheiten, am 26. Dezember brechen die Bamberger nach einem weiteren Training in die bayerische Landeshauptstadt auf.

Bevor die Oberfranken aber Gedanken an das prestigeträchtige Duell mit Coach Andrea Trinchieri & Co. verschwenden, gilt der volle Fokus Pinar Karsiyaka. Dass die Mannschaft aus der Hafenmetropole Izmir zumindest in Ansätzen Euroleague-Niveau besitzt, zeigte sie vier Tage nach der knappen 82:83-Niederlage in Bamberg, als sie in der heimischen Liga Fenerbahce Istanbul mit 83:79 in die Schranken wies. In der vergangenen Woche legte die Mannschaft von Trainer Ufuk Sarica mit deutlichen Auswärtssiegen bei den Mittelfeldteams Buyukcekmece (90:77) und Galatasaray (86:74) nach.

"Müssen Morgan müde machen"

Zuverlässig wie ein Uhrwerk lieferte in den drei Partien Center Raymar Morgan (13 Punkte/8 Rebounds, 17/9, 17/9) ab. Der US-Amerikaner, der am 8.8.88 geboren wurde, hätte sein Team auch beim Gastspiel in Bamberg mit 25 Punkten, fünf Rebounds und vier Assists fast zum Sieg geführt. Fast, weil Chase Fieler seinem bereits geschlagenen Teamkollegen David Kravish acht Sekunden vor Spielende im wahrsten Sinne zur Seite sprang und Morgan in Korbnähe wegblockte. "Ray kann man einfach nicht unter Kontrolle bekommen. Wir müssen ihn aber bearbeiten und müde machen", sagt Roijakkers. "Wenn Ray 15 bis 20 Würfe nimmt, ist das aus meiner Sicht okay. Denn dann, denke ich, wird er wie im Spiel in Bamberg einen oder zwei entscheidende Würfe nicht treffen."

Kaum jemand kennt den 32-Jährigen so gut wie Roijakkers, der Morgan 2014 als Coach der BG Göttingen nach Deutschland holte. Nach einer überragenden Saison bei den Veilchen standen dem "Big Man" viele Türen offen - auch bei Brose. Doch beim Medizincheck in Bamberg gab es im Sommer 2015 kein grünes Licht. Stattdessen verschlug es Morgan nach Ulm, wo er 2017 zum Wertvollsten Spieler der Liga (MVP) ausgezeichnet wurde.

Drei Jahre später hat Morgan auch im Ü30-Alter wenig von seinen offensiven Qualitäten eingebüßt. Brose-Center Kravish war mit dessen Agilität in der Zone gepaart mit dem schnellen Wurf aus der Mitteldistanz in der Eins-gegen-Eins-Verteidigung zuweilen überfordert. Ein Doppeln wurde von den Bamberger Guards nur zaghaft angedeutet. Mehr als angedeutet hat Morgan seine Passqualitäten. Anfang des vierten Viertels gab er vier Korbvorlagen binnen drei Minuten.

Nur Morgan zu stoppen, wird Brose Bamberg aber nicht genügen, um in der 6500 Zuschauer fassenden und coronabedingt leeren Karsiyaka-Arena, 25 Kilometer nördlich vom Stadtkern Izmirs, das Parkett als Sieger zu verlassen. "Ich denke, dass diesmal die türkischen Spieler ein größerer Faktor werden können. Auswärts wird es ein anderes Spiel werden, aber wenn wir spielen wie in der zweiten Halbzeit gegen Bonn, haben wir immer eine Chance", meint Roijakkers.

Der Wunsch nach mehr Tiefe

Aber haben die zweiten 20 Minuten am vergangenen Samstag hinsichtlich des straffen Terminplans zu viel Kraftreserven gekostet? "Die Halbzeit hat sicher viel Energie gekostet. Aber die Minuten waren nicht extrem hoch, nur Michele Vitali hat über 30 Minuten gespielt, und wir haben vier Tage zwischen den Spielen", sagte Roijakkers nach der Bonn-Partie.

Im gleichen Atemzug merkte er aber auch an, dass er sich wünsche, zwei Spieler mehr in seiner Rotation zu haben. "Leider kann ich die momentan nicht finden. Wir hoffen, dass Tyler Larson so schnell wie möglich zurückkommt - wann das sein wird, kann ich nicht sagen."

Dass der Co-Kapitän im Vorfeld des Heimspiels gegen Bonn - mittlerweile ohne Schiene am Fuß - einige Freiwürfe einnetzte, nährt die Hoffnung auf ein baldiges Comeback.