Die nahezu verwaiste Brose-Arena bleibt sportlich ein gutes Pflaster für die Bamberger Basketballer. Auch im vierten Pflichtspiel vor heimischer Kulisse behielt das Team von Trainer Johan Roijakkers die Oberhand. Beim 80:66-Sieg hatten sich die Oberfranken in der ersten Halbzeit erschreckend schwach präsentiert, ehe ein halbzeitübergreifender 18:0-Lauf Bamberg ins Spiel zurückbrachte. Im zweiten Durchgang präsentierte sich das Brose-Team dann vor allem in der Verteidigung beeindruckend stark. Bester Brose-Werfer war Chase Fieler mit 18 Punkten. Nach sieben gespielten Bundesliga-Partien weisen die Bamberger erstmals eine positive Bilanz (8:6) auf.

Wenige Tage vor Weihnachten ist für die Oberfranken aber noch lange nicht an Besinnlichkeit zu denken. Am Montag machen sich die Bamberger bereits auf zu ihrer nächsten Reise. In Izmir an der türkischen Ägäisküste steigt am Mittwoch, 23. Dezember, das vierte Gruppenspiel der Champions League bei Pinar Karsiyaka.

Bundesliga

Brose Bamberg -

Telekom Baskets Bonn 80:66

(14:20, 13:21, 24:7, 29:18)

Roijakkers schickte in Abwesenheit des immer noch verletzten Co-Kapitäns Tyler Larson Bennet Hundt, Dominic Lockhart, Michele Vitali, Norense Odiase und Christian Sengfelder auf das Feld. Letzterer warnte vor der Partie vor kampfstarken Gästen - diese Erwartung sollten die Bonner auch erfüllen. Mit gutem Beispiel ging vor allem Benjamin Lischka voran, der sich zweimal mit Kraft in der Zone durchsetzte (2:6, 3.). Bamberg fand offensiv von der ersten Minute nicht ins Spiel, setzte seine Ausrufezeichen aber zumindest in der Verteidigung mit spektakulären Blocks. Zunächst räumte Chase Fieler Josh Hagins im Fastbreak ab, eine Minute später Devon Hall in Zusammenarbeit mit Michele Vitali Xavier Pollard. Die LED-Band fiel nach dieser Aktion, die Würfe der Gastgeber aber noch nicht.

Die bislang im Saisonverlauf in der Defensive schwächelnden Bonner streuten immer wieder eine Zonenpresse ein und verhinderte so, dass Brose in seine gewohnten Plays kam. Offensiv zündeten die Rheinländer auch kein Feuerwerk, zogen aber geschickt Fouls und setzten sich aufgrund vieler Punkte von der Linie auf acht Zähler ab (12:20, 9.). Nach elf Minuten dann das erste Problem für Roijakkers: Lockhart kassierte ein Offensivfoul, sein drittes persönliches.

Zu bunt wurde es dem Niederländer dann, als Leon Kratzer zum zweiten Mal in der Zone per Hakenwurf abschloss: Auszeit beim 16:24. Die ergab zunächst keine Besserung. Nach einem tollen Spielzug brachte Kratzer die Bonner per Dunking zum ersten Mal zweistellig in Front. Auf der Gegenseite funktionierte kaum etwas. Selbst der Alley-oop-Versuch von David Kravish, gegen Würzburg noch dreimal erfolgreich, fand nicht den Weg in den Korb.

Zweistellig war dann nicht nur der Bamberger Rückstand, sondern bereits drei Minuten vor der Halbzeitpause auch die Anzahl an Ballverlusten. Die Brose-Guards um Hundt und Devon Hall waren mit der aggressiven Spielweise der Bonner in den ersten 20 Minuten schlichtweg überfordert. Als dann auch noch Baskets-Scharfschütze Chris Babb heißlief, betrug der Vorsprung der Gäste zwischenzeitlich 18 Punkte (23:41). Mit dem 27:41-Rückstand waren die Bamberger zur Pause noch gut bedient.

Wie so oft im Basketball, kamen die Mannschaften wie verwandelt aus der Kabine. Brose fand mit Lockhart auf der Point-Guard-Position zu seiner Struktur und erspielte sich gute Optionen über Kravish im Post und Fieler an der Dreierlinie. Halbzeitübergreifend gelang Brose ein 18:0-Lauf: mit einem Dunking glich Fieler aus (41:41, 24.), ehe Micovic per Dreier die Durststrecke der Rheinländer beendete. Bamberg präsentierte sich in der Folge zwar stabil, aber die für einige Minuten andauernde Offensiv-Euphorie verflog. Es wurde nun wieder Basketball "gearbeitet" - passend, dass Sengfelder von der Freiwurflinie die erste Brose-Führung des Spiels herstellte (47:46, 28.). Ein überragendes Viertel aus Bamberger Sicht (24:7), zu dem ein Buzzerbeater aus der eigenen Hälfte gepasst hätte - doch Hall scheiterte mit seinem Versuch knapp am Ring.

Bonn verließ an beiden Enden des Feldes die Kraft, bedingt durch die deutlich aggressivere Teamdefensive der Hausherren. Kenny Ogbe jagte Bonns Aufbauspieler TJ DiLeo übers Feld, Vitali blockte einen Wurf, Fieler provozierte ein Offensivfoul: jeder Brose-Akteur trug defensiv seinen Teil zur stetig anwachsenden Führung bei. Nach einem Dreier von Lockhart lagen die Bamberger mit zehn Zählern vorne (58:48, 33.).

Von der 6,75-Meter-Linie hatte Brose sein Visier nun besonders gut eingestellt: zwei Treffer von Vitali und einer von Hall sorgten für 15 Punkte Vorsprung (67:52, 35.) - die Vorentscheidung. Bonn gelang im Angriff überhaupt nichts mehr. Symptomatisch ein offener Dreierversuch von Babb aus der Ecke, der an die Brettkante ging. Brose hielt die im ersten Durchgang entfesselnd aufspielenden Bonner in den zweiten 20 Minuten bei 25 Punkten.

Bamberg: Fieler (18 Punkte/2 Dreier), Hall (17/2), Kravish (12), Vitali (11/3), Sengfelder (9), Lockhart (6/2), Ogbe (5), Grüttner Bacoul (2), Hundt, Odiase, Plescher, Seric

Bonn: Micovic (15/1), Lischka (13/1), Kratzer (12), Babb (11/3), Hagins (5/1), Binapfl (3), Gailius (3), DiLeo (2), Pollard (2), Thompson