Hamburg, Chemnitz, Crailsheim - das Auftaktprogramm hätte schwerer ausfallen können. Doch mit zwei Niederlagen und einem hart erkämpften Erfolg gegen den Bundesliga-Neuling aus Sachsen, der selbst dem Bamberger Trainer Johan Roijakkers fast ein bisschen peinlich schien, haben die Brose-Basketballer einen Fehlstart in die Saison 2020/21 hingelegt. Auch im dritten Punktspiel ließen die Oberfranken über weite Strecken kämpferische Leidenschaft vermissen und kassierten daher bei den Crailsheim Merlins eine verdiente 95:101-Niederlage.

"Es ist nun zum zweiten Mal passiert, dass wir defensiv so viel zulassen und den Gegner nicht beeinflussen. Es war klar, dass die Crailsheimer viele Dreier nehmen werden. Aber wir müssen es ihnen schwerer machen", sagte der Bamberger Co-Kapitän Chase Fieler. Die starke Dreierquote der Merlins von 52 Prozent war letztlich ausschlaggebend dafür, dass sie die meiste Zeit über in Führung lagen. 17 Mal bei 32 Versuchen trafen die Gastgeber aus der Distanz. Damit übertrafen sie ihre Quote, die bis zur Partie gegen die Bamberger nur bei 24,5 Prozent lag, um mehr als das Doppelte. Der überragende Aufbauspieler Trae Bell-Haynes (30 Punkte/12 Assists) traf viermal aus der Distanz, die Ex-Bamberger Maurice Stuckey (14 Zähler) und Elias Lasisi (9) je dreimal.

Tyler Larson fehlt verletzt

"Die Crailsheimer hatten viel zu viele freie Würfe. Irgendwie waren wir immer einen Schritt zu spät", monierte Bennet Hundt. Aufgrund der Abwesenheit von Tyler Larson (Achillessehnenverletzung) stand der Jung-Nationalspieler 24:11 Minuten auf dem Parkett und kam auf 13 Punkte sowie vier Assists. Ballverluste hatte er keine zu verzeichnen - im Gegensatz zu Devon Hall, der ebenso wie Dominic Lockhart aufgrund des Ausfalls von Larson auch auf der Spielmacherposition aushelfen musste.

Sechs Ballverluste von Hall

Nach passabler erster Halbzeit überdrehte Hall, der mit 21 Punkten bester Bamberger Werfer war. Er leistete sich nach der Pause vier seiner insgesamt sechs Ballverluste. "So kann man keine Spiele gewinnen. Da muss ich besser werden", übte der US-Amerikaner Selbstkritik.

Doch auch seine Teamkameraden gingen schlampig mit dem Spielgerät um. Sechs Ballverluste im dritten und fünf im vierten Viertel trugen dazu bei, dass die Gäste den 54:58-Halbzeitrückstand nicht mehr wettmachen konnten. "Wir waren oft nahe dran, aber haben es nicht geschafft, die Partie zu drehen", sagte Roijakkers, der die Merlins an diesem Abend als das "tiefer besetzte Team" bezeichnete. Was nicht ganz stimmte. Zwar erzielten sieben Crailsheimer neun oder mehr Punkte, auf Bamberger Seite waren es aber immerhin deren sechs. Offensiv war das Brose-Team durchaus produktiv. In den entscheidenden Momenten waren die "Zauberer" aber kaltschnäuziger.

In der zweiwöchigen Länderspielpause hat Roijakkers nun Zeit, die defensive Struktur in seiner Mannschaft wieder auf Vordermann zu bringen. Allerdings fehlen ihm mit Hundt, Lockhart, Kenneth Ogbe, Christian Sengfelder und Michele Vitali fünf Nationalspieler, die mit ihren Auswahlteams in EM-Qualifikationsspielen im Einsatz sind.

"Aus Fehlern lernen"

Neuzugang Hall hat eine klare Vorstellung davon, wie die Bamberger die Spielpause nutzen sollte: "Wir müssen herausfinden, was für ein Team wir sein wollen. Ich denke, wir wollen defensiv stark sein. Und wenn das so ist, müssen wir in diesen zwei Wochen dringend aus den Fehlern lernen."

Ebenso sieht es Fieler, der mit sieben Punkten unter seinen Möglichkeiten blieb. "Es ist nun zum zweiten Mal passiert, dass wir defensiv so viel zulassen und den Gegner nicht beeinflussen. Wir müssen wieder zu der defensiven Einstellung kommen, die wir in Bologna und Bilbao gezeigt haben. Wir spielen in der Bundesliga nicht so wie in der Champions League. Das ist ein Problem, das wir lösen müssen. Wir haben jetzt viel Zeit, um auf uns selbst zu schauen", sagte der US-Amerikaner. Am 3. Dezember wird sich im fränkischen Derby gegen die Würzburger zeigen, wie die Bamberger die spielfreie Zeit genutzt haben.